Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Die Verhandlungen zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie den Ländern zum DigitalPakt 2.0 laufen ebenso wie die Vorbereitungen für den Bundeshaushalt 2025. Wir alle wissen und haben es in den Redebeiträgen ja auch schon gehört, dass diese Entscheidungen erneut nicht leicht zu treffen sein werden, und wir sehen hier einen Antrag der Koalitionsfraktionen, der auf Rückenwind aus Mecklenburg-Vorpommern hofft. Und ich kann es, auch wenn ich Ihre Kritik durchaus verstehen und nachvollziehen kann, nicht anders sagen, als dass wir als Vertreter für dieses Land natürlich bereit sind, diesen Rückenwind Ihnen mitzugeben, weil wir glauben, dass es einfach wichtig ist, diesen DigitalPakt 2.0, der eben nicht schon lange fertig ist, sondern immer auch noch in der Diskussion ist, wie er denn finanziert wird und wie er ausgestaltet wird, auf den Weg zu bringen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Gleichzeitig wollen wir aber auch mahnen, dass die Digitalisierung an Schulen viel zu langsam vorangeht, langsam auch, weil Kommunen und Schulträger hier alleinegelassen werden und teilweise absurden Förderregularien unterworfen sind. Der DigitalPakt 2.0 darf nicht zum Flickenteppich werden, bei dem Schule A durch eine motivierte Informatikerin in der Kommune topmodern ist, Schule B aber durch Überforderung auf dem Amt gar keine Mittel beantragt. Klare und durch das Land empfohlene Konzepte, durch das Land koordinierte Sammelbestellungen und kein Medienentwicklungsplan sowie ein Medienbildungskonzept, welche durch Dienstleister erstellt und nach der Antragstellung nie wieder gelesen werden, müssen Standard sein. All das macht einen sozial gerechten Zugang zu gut ausgestatteten Schulen zu einem Glückswurf. Ziel muss es sein, dass es keine Ungleichheiten mehr gibt. Egal in welchem Landkreis und egal auf welche Schule die Kinder gehen, muss gute digitale Ausstattung und Qualität nutzbar sein. (Beifall Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und dabei gilt es, die Chancen, die digitale Medien in der Schule mit sich bringen, in die richtigen Bahnen zu lenken. Unsere Kinder müssen lernen, wie man Informationen erhält, nutzt und einordnet. Es ist Aufgabe der Schulen, ihre Medienkompetenz zu stärken. Das passiert bisher viel zu wenig. Kinder, die wissen, was Algorithmen sind, die Fake News erkennen, die verstehen, wie im Netz Geld verdient wird, bekommen das Rüstzeug mit, um auch rechtzeitig zu erkennen, wenn die Stabilität unserer Demokratie angegriffen wird. (Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: So ist es.) Diese Medienkompetenz muss auch gemeinsam mit den Eltern erarbeitet werden. Viele agieren hier naiv. Selbst Grundschüler gehen täglich ohne Jugendschutzsperre zu YouTube und Co, sehen dadurch alles, was es auf der Welt gibt, und vieles, was sie in ihrem Alter allein noch gar nicht einordnen können. Doch nun zurück in die Schulen, denn wo es für Kinder, die unkontrolliert im Netz surfen, Gefahren gibt, gibt es in Begleitung durch Lehrkräfte auch Chancen. Die Vorteile für die Schülerinnen und Schüler liegen auf der Hand. Allein die schnelle und einfache Informationssuche, das selbstständige Lernen, das hohe Motivationspotenzial sowie der leichtere Austausch untereinander und mit den Lehrkräften bieten einen hohen Mehrwert. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Dafür müssen jedoch auch die Lehrkräfte noch mehr zu Teamplayern ausgebildet werden, um die Chancen der Zusammenarbeit im Digitalen auch zu nutzen, denn bisher sind Lehrkräfte in Ausbildung und Alltag mehr oder minder als Einzelkämpfer allein für ihre Stunden zuständig. Mehr Zusammenarbeit bei Planung und Material sorgt für bessere Lernergebnisse bei den Schüler/-innen, für Methodenvielfalt und für Arbeitserleichterung bei den Lehrkräften, die beispielsweise erfolgreiche Unterrichtsstunden oder Konzepte öfter und geregelter untereinander tauschen können. Darüber hinaus brauchen sie noch viel mehr Best-Practice-Beispiele für innovative Unterrichtskonzepte. Dann können sie auch alle Vorteile der Digitalisierung wirklich ins Klassenzimmer tragen. Angesichts der dynamischen Entwicklung der digitalen Welt braucht es zudem dauerhaft niedrigschwellige Fortbildungsangebote an den einzelnen Schulen oder digitale Selbstlernkurse, um auch kurzfristig bei technischen Neuerungen auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Am besten findet das Fortbildungsangebot an der Schule selbst statt und verstärkt auch online. Zum einen lernen die Lehrkräfte bei schulinternen Fortbildungen meistens mehr und schneller, weil die Fortbildung auf ihre Ausstattung an der jeweiligen Schule und den jeweiligen Bedarf ausgerichtet ist, zum anderen können sie Selbstlernkurse zeitlich flexibel am besten in ihren Wochenablauf integrieren, ohne dass Unterricht ausfallen muss. Beides ist auch deutlich schneller geplant und umgesetzt als mehrtägige zentrale Fortbildungen in Präsenz. Und was ist mit der Infrastruktur? Der DigitalPakt 2.0 muss diese mit fördern. Die Fördersumme darf aber nicht vollständig durch die Herstellung einer Infrastruktur aus dem 21. Jahrhundert aufgebraucht werden. Es kann nicht sein, dass das Ausstattungsgefälle über die Schularten und auch die erheblichen Unterschiede von Kommune zu Kommune weiterhin bestehen bleiben. (Beifall Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hier braucht es endlich deutlich mehr Tempo, damit in allen Schulen moderner digitaler Unterricht überhaupt erst technisch möglich wird. Auch IT-Hausmeister sind vonnöten, um die Lehrkräfte zu entlasten und die Technik stets auf Stand zu halten. Es gibt Schulen, deren Fördervereine zumindest einen Klassensatz iPads gekauft haben, die aber seit drei Jahren im Schrank verstauben. Warum? Weil sie keiner wartet. Das ist doch absurd! Und um noch etwas Wasser in den Wein zu gießen, noch eine Anmerkung zu Ihrem Antrag: Sie wollen sich als Land aus der Finanzierung weiter zurückziehen. Dies ist einerseits verständlich, da die Mittel auch hier begrenzt sind, gleichzeitig sollte hier keine starre Grenze liegen. Bildungspolitik ist Ländersache, und sollte Christian Lindner keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stellen, dann ist es Ihre Aufgabe, werte SPD und LINKE, hier in Mecklenburg-Vorpommern die weitergehende Digitalisierung der Schulen zu finanzieren. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Was nicht passieren darf, ist, dass die Kommunen mit den Folgekosten und Neuanschaffungen alleingelassen werden. Fünf Jahre sind schnell vorbei. Sie haben unsere Bedenken gehört. Lassen Sie uns gemeinsam an einer Bildungspolitik arbeiten, die Kommunen, Pädagog/-innen, Jugendliche fördert und nicht überfordert! Wir stimmen Ihrem Antrag zu. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD und Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
