Torsten Koplin
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die letzten beiden Sätze von meiner Vorrednerin versöhnen mich mit ihrem Wortbeitrag, diese Anerkennung, die Sie ausgesprochen haben, weil ich gern anknüpfen möchte an meine verehrte Kollegin Christine Klingohr und die Gedanken darauf richten möchte, wie sehr uns das Thema „Geburtshilfe und Kinder- und Jugendmedizin“ in den vergangenen Legislaturperioden umgetrieben hat aus sehr unterschiedlichen Gründen, zum einen aus demografischen Gründen. Ich erinnere daran, dass mit der Wende in diesem Land 32 Geburtsstationen am Netz waren. Jetzt ist es nicht mal die Hälfte, Frau Ministerin hat darauf verwiesen. Wir hatten mal auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns circa 36.000 Geburten im Jahr. Frau Ministerin sprach von etwas über 10.000 aktuell. Es waren schon mal 8.500, und die Prognosen gehen dahin wieder zurück, und zwar bereits in wenigen Jahren. Daraus resultiert natürlich, wenn wir die Verantwortung wahrnehmen wollen, ein Handlungsdruck. Und auch in der Kinder- und Jugendmedizin, in der stationären beispielsweise, haben wir immer wieder darauf verwiesen, dass die Abrechnungsmethoden bei der Vergütung medizinischer Leistungen an Krankenhäusern für die Kinder- und Jugendmedizin im Grunde genommen desaströse Wirkungen haben, weil die Umstände, dass man Leistungen vorhalten muss, die Umstände, dass, wenn man Kinder und Jugendliche behandeln möchte, man mehr Zeit benötigt, weil man sich sowohl mit dem Kind auseinandersetzen muss als auch mit den Erziehungsberechtigten, mit den Eltern, das alles war nicht berücksichtigt, ist jetzt aber Gegenstand auch der Krankenhausreform. Und mit diesem ersten „Zielbild“, das seit März vorliegt – und unmittelbar danach legen wir einen ersten Antrag zur Umsetzung dieses „Zielbildes“ vor –, bin ich stolz darauf, dass es so ist. Ich sehe es nicht unkritisch, weil mir vieles viel zu lange dauert, aber wir dürfen uns auch selber nicht überfordern. Ich komme darauf noch mal zurück. Es ist so, ich bin stolz aus zwei Gründen, denn diese Kommission hat progressive Arbeit geleistet, fortschrittliche Arbeit. Die besteht erstens darin, dass die Akteure, die dort zusammensitzen, strukturell, das liegt in der Struktur unseres Gesundheitswesens, gegensätzliche Interessen vertreten. Und die kommen in diese Kommission und beraten diese Gegensätze weitgehend beiseiteschiebend, wie wir etwas für die Menschen in diesem Land bewegen können. Ich empfinde das als eine großartige Leistung, fast schon wie ein Über-seinen-Schatten-springen-Können, sich darauf dann zu verständigen. Dass dann nicht alle am Ende eines Entscheidungsprozesses sich selig in den Armen liegen, ist ja auch wieder klar. Da bleiben noch unerfüllte Erwartungshaltungen, auch diesen Antrag betreffend, dass man sagt, so, 89 Handlungsempfehlungen, die sind vorzeigbar. Und dieser Antrag, ist das alles? Nein, das haben wir gar nicht gesagt! Es ist eine erste Umsetzung, denn das ganze „Zielbild“ ist auf einen Zeitraum bis 2030 konzipiert. Das heißt, wir reden über vier Doppelhaushalte, die davon berührt sein werden, der jetzige und drei folgende Doppelhaushalte. Und viele Dinge, die wir hier aufgeschrieben haben und die eine breite Unterstützung finden in der Fachwelt wie in der Zivilgesellschaft, davon bin ich überzeugt, die sind noch gar nicht eingepreist, können sie auch nicht, weil wir den Haushalt vorher beschlossen haben und jetzt da uns hinarbeiten müssen über die Prioritäten, die wir dann immer auch entsprechend formulieren müssen. Und zu den „Babylotsen“ habe ich dann vorhin die Zwischenbemerkung gemacht, Sie haben den Sachverhalt nicht verstanden. Ein „Zielbild“ ist, dass sich alles … (Zuruf von Katy Hoffmeister, CDU) Das bezog sich nicht auf Sie, Frau Hoffmeister, sondern auf einen anderen Vorredner. Ein „Zielbild“ ist, dass sich alles um die Familien rankt, alles um die Schwangeren, um die Mütter und die Kinder, die gut und wohlbehütet aufwachsen sollen. Und damit ist verbunden die Idee eines „Babylotsen“. Es ist was anderes als die Tätigkeit der Hebammen, die wir hoch wertschätzen und die wir ausdrücklich an ganz vielen Stellen vermerken und deren Rat uns sehr, sehr wertvoll war. Also unsere Fraktion, ich weiß, auch andere Fraktionen, haben mit dem Hebammenverband intensive Gespräche geführt. Ich empfand das als sehr bereichernd. Und das jetzt zu betrachten, also was ist die Leistung von Hebammen und Medizinerinnen und Medizinern, Pflegerinnen und Pflegern und „Babylotsen“, das geht weiter. „Babylotsen“ haben unter anderem soziale Aufgaben dann, gesundheitliche. Was ist, wenn ein Kind sich ankündigt und man hat es mit einer Suchtproblematik zu tun, mit Behördengängen? Und es ist ein, also die es erlebt haben, wenn Kinder zur Welt kommen, es ist ein einschneidendes, ein aufrührendes Erlebnis. Und das kann auch zu Irritation, zur Überforderung führen. Und dann aber jemanden zu haben, dem man seine Sorgen vortragen kann und sagen kann, hilfst du mir in diesem ganzen Dschungel, ich finde das ganz großartig. Und da haben wir gesagt, da setzen wir den ersten Punkt. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Und solche, sage ich, auch innovativen Ideen wie eine Amtshebamme, wir haben uns da festgelegt. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Und wenn sie jetzt noch nicht gleich umgesetzt wird, dann ist sie aber trotzdem Bestandteil dieses Konzepts. Und sie wird kommen. Es kommt nicht alles auf einmal, das ist doch gar keine Frage. (Zuruf von Harry Glawe, CDU) Herr Glawe, Sie müssten eigentlich Applaus geben an dieser Stelle. (Harry Glawe, CDU: Nee, das mach ich nicht!) Hier steht drin, dass in Sachen Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin der Radius bis zur nächsten Stelle der Hilfe, (Unruhe vonseiten der Fraktion der CDU – Zuruf von Harry Glawe, CDU) die medizinisch gegeben werden kann, 40 … (Zuruf von Harry Glawe, CDU – Glocke der Vizepräsidentin)
