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Stefanie Drese

25.04.2024 Sitzungen 8/79

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Jedes Jahr erblicken in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 10.000 Babys das Licht der Welt, fast 250.000 Kinder unter 18 Jahren leben in unserem Bundesland. Ich denke, wir sind uns einig, dass sowohl die Neugeborenen und ihre Mütter als auch die heranwachsenden Kinder und ihre Familien eine moderne, zuverlässige und auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Gesundheitsversorgung und Beratung verdienen. Unsere Geburtskliniken, gynäkologischen und pädiatrischen Praxen, Hebammen und Geburtshelfer sowie spezielle Unterstützungsnetzwerke für junge Familien wie die Frühen Hilfen leisten hierfür hervorragende Arbeit zum Wohl der Schutzbedürftigsten in unserer Gesellschaft. Tatsache ist jedoch, dass sich die demografischen Gegebenheiten in Mecklenburg-Vorpommern weiter verändern werden. Expertinnen und Experten sprechen von einem Double-Aging-Effekt mit steigender Lebenserwartung und einem anhaltenden Geburtenrückgang. Es werden Prognosen zufolge also weniger junge Menschen hier leben. Wir alle wissen zudem, dass Mecklenburg-Vorpommern ein ohnehin dünn besiedeltes Flächenland ist, das dünn besiedeltste bundesweit, was die Planung und Gestaltung der Gesundheitsversorgung nicht gerade vereinfacht. Mit Blick auf diese Ausgangslage hat die Landesregierung eine Expertenkommission zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens – kurz: Gesundheitskommission M-V – einberufen, um gemeinsam die Eckpfeiler für die Gesundheitsversorgung der Zukunft zu setzen. Diese hochkarätige Kommission hat sich als einem der ersten wichtigen Arbeitsaufträge mit der gesundheitlichen Versorgung von Müttern und ihren Babys sowie Kindern befasst. Auch das zeigt, wie wichtig der Landesregierung das Thema ist. Nach intensiver Arbeit konnte am 6. März das „Zielbild Geburtshilfe und Pädiatrie“ mehrheitlich beschlossen werden. Dieses Zielbild ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Zusammenarbeit und kontinuierlichen Beteiligung aller relevanten Akteure in der Geburtshilfe und Pädiatrie in Mecklenburg-Vorpommern. An dieser Stelle möchte ich allen Mitgliedern der Kommission ausdrücklich meine Wertschätzung für ihre Zeit und ihre konstruktive Beteiligung an diesem umfassenden Konzept aussprechen. Ohne ihre Mitarbeit könnten wir heute nicht über die wichtigen Vorhaben in der Geburtshilfe und Pädiatrie in Mecklenburg-Vorpommern und den darauf basierenden Antrag sprechen. Danke! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Das Zielbild dient als Grundlage für die zukunftsfähige Gestaltung der medizinischen Versorgung im Bereich der Geburtshilfe und Pädiatrie. Es behandelt die frauenzentrierte Schwangerenversorgung, die sektorenübergreifende ambulante und stationäre Versorgung, die Notfallversorgung sowie die Querschnittsthemen Prävention, Telemedizin und Fachkräfte. Mir ist besonders wichtig, dass nicht nur Visionen dargelegt werden, sondern die konkreten Schritte, um diese an den Patientinnen und Patienten und ihren Bedarfen orientiert zu verwirklichen. Mit der Verabschiedung des Zielbilds haben sich die Akteure des Bereichs „Geburtshilfe und Pädiatrie“ einen konkreten Handlungsrahmen gesetzt. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, die Regierungsfraktionen greifen in ihrem Antrag nun einige der von der Gesundheitskommission erarbeiteten prioritär umzusetzenden Punkte auf. Damit schließt sich der Kreis, denn die Einberufung der Kommission geht auf eine Initiative des Landtags zurück. Einen Fokus legt der Antrag auf ein Hilfsangebot, das Familien frühzeitig bei der Fürsorge für ihr Kind begleitet mit den sogenannten „Babylotsen“. Als ein Teilprojekt der Frühen Hilfen in Kinder- und Geburtskliniken erhalten Familien gezielte Unterstützung für die gesunde Kindesentwicklung. Die Lotsen kennen sich gut mit der bestehenden Struktur in der Region aus und helfen den jungen Familien entsprechend des individuellen Bedarfs. Sie nehmen damit eine sehr wichtige Schnittstellenfunktion in der Versorgung und Beratung ein. Wir werden uns daher auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Finanzierung der „Babylotsen“ gesetzlich in den Sozialgesetzbüchern SGB V und VIII verankert wird. Auch telemedizinische Angebote können die Versorgungsmöglichkeiten sinnvoll ergänzen, zum Beispiel, wenn es darum geht, fehlende perinatologische Versorgungsmöglichkeiten in bevölkerungsarmen und strukturschwachen Regionen auszugleichen. Was möglicherweise zunächst abwegig klingt, konnte in anderen Bundesländern bereits erfolgreich getestet werden. Besonders für Mecklenburg-Vorpommern mit seinen regionalen Besonderheiten können telemedizinische Lösungen die vorhandenen Ressourcen auch in der geburtlichen und pädiatrischen Versorgung ergänzen. Wir werden bereits bestehende Projekte aus anderen Ländern daher genau analysieren und prüfen, inwieweit diese oder ähnliche Lösungen auch in unserem Bundesland genutzt werden können. Ein weiterer wichtiger Punkt, den die Fraktionen in ihrem Antrag aufgreifen, bezieht sich auf die Abschwächung der Sektorengrenzen in der Gesundheitsversorgung. Die Gesundheitspolitik, vor allem auch in unserem Land, ist seit mehreren Jahren bestrebt, diese strikten Grenzen zwischen dem ambulanten und stationären Bereich aufzulösen. Dies würde auch im Bereich der Geburtshilfe und Pädiatrie den Weg für neue Versorgungsmodelle freimachen. Es geht dabei darum, die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern, natürlich ohne einen Sektor zu benachteiligen. Ich muss leider feststellen, dass die Grenzen zwischen diesen Bereichen immer noch sehr oft starr verlaufen. Für die Zukunft muss der Fokus deshalb noch mehr auf der an den Patientinnen und Patienten orientierten Zusammenarbeit liegen. Unser Gesundheitssystem wird darüber hinaus auf diese Weise effizienter und kostengünstiger. Ich versichere Ihnen, wir werden diesen Fokus nicht aus dem Auge verlieren. Unabhängig davon, über welchen Sektor wir sprechen, müssen wir uns bewusst machen, dass eine der wichtigsten Aufgaben für unser Gesundheitssystem darin besteht, Fachkräfte auszubilden, zu sichern und neu zu gewinnen. Dafür ist es von großer Bedeutung, dass die Akteure eng miteinander zusammenarbeiten und ihre Leistungen gut aufeinander abstimmen. Um dies zu bewerkstelligen, müssen die medizinischen und nicht medizinischen Gesundheitsfachberufe bereits in der Aus- und Weiterbildung miteinander in Kontakt stehen. Als Land fördern wir bereits die stärkere Vernetzung, gerade im Bereich der Weiterbildung. So stellen wir unter anderem mehr Rotationsstellen in der Weiterbildung zur Verfügung, damit Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung effizient absolvieren können. (Katy Hoffmeister, CDU: Und wer zahlt das?) Zudem streben wir mehr Kooperation bei der Aus- und Weiterbildung an. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Maximalversorgern und anderen Krankenhäusern im Land hilft dabei, Aus-, Weiterbildungs- und Berufungsnetzwerke zu festigen und auszubauen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, falls die Debatte Sie neugierig auf den ganzen Text macht, kann ich Ihnen diesen empfehlen, das „Zielbild Geburtshilfe und Pädiatrie 2030“ selbst zu studieren. Sie finden es auf der Webseite des Sozialministeriums. Die eben angesprochenen Punkte daraus sowie alle weiteren enthaltenen Beschlüsse gilt es nun in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren umzusetzen, und zwar von allen Akteuren aus der Geburtshilfe und Pädiatrie in eigener Verantwortung. Das Zielbild ist also nicht als statisches Produkt zu sehen, sondern kann und soll bei Bedarf für eine bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten auch weiterentwickelt werden. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass die Umsetzung der Vorschläge aus dem Zielbild diverser Anstrengungen bedarf und das Mitwirken vieler Akteure voraussetzt. Teilweise müssen gesetzliche Vorschriften angepasst werden. Einige Vorhaben, wie die Einführung der Amtshebamme, werden sicherlich auch die finanzielle Realisierung noch im politischen Raum mit erfordern. Und diese weiteren Umstände führen dazu, dass einige Vorhaben schneller, andere mittelfristig angegangen werden können. Trotz der vorhersehbaren Anstrengungen lautet meine Bitte und mein Appell an uns als Politik und an die Akteure des Gesundheitswesens zum Abschluss: Lassen Sie uns hierbei gemeinsam an einem Strang ziehen, auch wenn wir zum Teil neue Wege gehen müssen und einen langen Atem brauchen! Es geht um die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Familien, unserer Kinder und Enkelkinder. – Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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