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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 25.04.2024 Sitzungen 8/79

Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, an erster Stelle ist Empathie erforderlich, und das auch ausgesprochen in Richtung der Selbsthilfe der Betroffenen und der Angehörigen, „NichtGenesen e. V.“ ist schon genannt worden. Und ich glaube, das ist wichtig, dass da der Austausch stattfindet. Und ich bin davon überzeugt, wir haben diese Selbsthilfe gehört und hören sie weiterhin und bauen sie ein in die Überlegungen, wie wir mit der Herausforderung – das ist ja eine große Herausforderung – der Post-Covid-Erkrankungen umgehen. Dazu gehört auch Post-Vac selbstverständlich, das wird vermutlich sogar der gleiche, die gleiche Pathogenese sein, die gleiche Entstehungsgeschichte. Und vielleicht noch die Anmerkung zu diesem Post Vac: Als seinerzeit in der internationalen Klassifikation ME/CFS codiert wurde, war damals schon klar, dass so was infolge von Impfungen auftreten kann, aber was damals noch nicht gemacht wurde, dass es infolge von viralen Entzündungen auftrat, das ist erst später dazugekommen in der ICD-Klassifikation. Das ist eine interessante historische Entwicklung auch. Ich denke an verschiedenen Stellen, dass die Einschätzung richtig ist, zunächst zu sagen, dass wir ein konzertiertes Vorgehen brauchen des öffentlichen Gesundheitsdienstes zusammen mit der ärztlichen Selbstverwaltung und den gesetzlichen Krankenkassen. Es ist genauso richtig, und das ist wichtig zu erklären, weil wir immer bisher gesagt haben, da ist noch gar keine Ansprechstation. Natürlich ist das gesetzliche Kassenarztsystem in Deutschland mit den Haus- und Fachärzten die erste Konsultations- und Anlaufstelle, das ist hier auch mehrfach betont worden. Und mitnichten ist es so, dass man gar nichts abrechnen kann, denn die ICD-codierten sozusagen Symptome – dazu gehört ja ME/CFS, aber auch andere wie Schmerzsymptome, Schlafstörungen, autonome Dysfunktion –, das kann man alles verschlüsseln und das könnte abgerechnet werden. Was eigentlich das größere Problem ist – und deswegen ist es so wichtig, die Diskussion darüber, dass im Bewertungsausschuss zu begutachten –, ist, dass wir im Falle von Post Covid und Post-Vac-Covid, sage ich mal, eine viel größere Patientenzahl haben, da ist ja auch drauf hingewiesen worden, das geht eben in mindestens eine Zehnerpotenz, wenn nicht sogar noch mehr, zu den bisher unter diesen Symptomen erkrankten Patienten. Und das bedeutet – und da haben wir, glaube ich, auch als Land eine Verantwortung mit –, dass wir sozusagen den Bedarf kalkulieren müssen. Und bei der Kalkulation von Bedarfen könnte zum Beispiel auch unser öffentliches Gesundheitssystem – also das ist ja das kommunale, der kommunale Öffentliche Gesundheitsdienst – eine Funktion einnehmen und auch das LAGUS bei uns, indem nämlich im Grunde genommen die Zahlen, die da sind, validiert werden. Es nützt für die Kalkulation wenig, wenn man sagt, wir haben also zwischen 5.000 und 80.000. Also man möchte es genauer wissen, denn da stehen ja Finanzen dahinter. Und das ist, glaube ich, das Problem. Also es muss natürlich abrechenbar sein, aber auch wenn es abrechenbar ist und wir aber die Strukturen im Hintergrund für die vielen Patienten nicht haben oder sie nicht finanzieren, nicht kalkuliert haben, dann gibt es da eine Schwierigkeit an der Stelle. Und in diesem Zusammenhang vielleicht auch die Anmerkung von mir: Ich würde mich durchaus dafür einsetzen, tatsächlich eine institutionelle Struktur noch mal wieder einzurichten, denn das von uns gedachte Covid-Institut in Rostock, was wir ja auch gemeinsam finanziert haben über den Schutzfonds, das war ja dazu gedacht zu beraten, das haben sie offensichtlich auch gemacht, aber gleichzeitig die Epidemiologie der Covid-Erkrankung, also der Post-Covid-Erkrankung voranzutreiben. Und das ist durchaus etwas anderes – das ist nämlich mehr im Versorgungsforschungsbereich – als die Grundlagenforschung, was kann man für neue Therapien entwickeln. Das ist noch wieder eine ganz andere Kiste. Und wir brauchen aber, glaube ich, epidemiologische Zahlen auch für unser Land, damit wir wissen, wo ist der Bedarf hier im Land und was müssen wir da für Finanzen kalkulieren. Und es gibt ja verschiedene erfreuliche Entwicklungen, die wir unterschwellig auch gar nicht mitbekommen haben. Wenn wir sagen, das Hausärzte- und Fachärztesystem ist die erste Anlaufstelle, dann haben die die Funktionen ja auch schon wahrgenommen. Und wir wissen genau, dass sozusagen mit dem Erlangen sozusagen eines Kassensitzes für die Ärzteschaft auch eine Verpflichtung für Weiter- und Fortbildung besteht. Das ist eine automatische Verpflichtung, ergibt sich aus dem SGB V, und das wird ja auch gemacht. Die können zum Teil bis zu 30 Prozent sozusagen Onlineweiterbildung wahrnehmen. Und glauben Sie nicht oder glauben Sie, dass diese 925 oder 945 Hausärzte, die schon mal jetzt konfrontiert worden sind, die werden sich im Netz informiert haben darüber, wie sozusagen auch mit solchen Situationen umzugehen ist, und immerhin ist die Zahl 945, das ist ja ein Drittel von den überhaupt vorhandenen Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern. Also es ist relativ breit schon in die Hausärzteschaft eingesickert. Was aber schwierig ist für die Hausärzte und auch Fachärzte und sogar für die Spezialambulanzen an den Universitäten, ist, dass wir, was die Behandlungsforschung, also die Therapieforschung betrifft, nicht so schnell voranschreiten – das haben auch, glaube ich, mehrere Rednerinnen und Redner gesagt –, wie wir uns das wünschen würden. Also es macht jetzt auch keinen Sinn, von diesem Pult eine hohe Erwartung dafür zu, also eine hohe Erwartung auszusprechen, dass wir jetzt Ende des Jahres da die geeignete Therapie haben. Und insofern muss man auch auf das zurückgreifen, was für die einzelnen Symptome bisher auch an Therapiemöglichkeiten da ist. Also beispielsweise hat es in Rostock an der Nervenklinik vor einigen Wochen eine Veranstaltung zur Schmerztherapie gegeben und da hat Post Covid eine Rolle gespielt, dass sie gesagt haben, das sind auch Behandlungspfade aus der Schmerztherapie, die man übertragen kann auf die Schmerzen, Schmerzsymptomatik, die durchaus auftreten kann. Und insofern, glaube ich, läuft unterschwellig eine Menge, aber strukturell muss die Bewertung im Bewertungsmaßstabausschuss stattfinden, müssen die finanziellen Mittel im Hintergrund bereitgestellt werden von den Krankenkassen. Und vielleicht als abschließenden Satz: Ich bin eigentlich soweit, auch in der Diskussion, dass ich sage, jede gute Idee, die uns weiterhilft auf dem Gebiet, …

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