Christine Klingohr
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit unserem Antrag der Koalitionsfraktionen möchten wir weitere Impulse setzen, um die Versorgung von Long-Covid-Betroffenen, ME/CFS-Betroffenen und Post-Vac-Betroffenen weiter zu verbessern. Wir möchten, dass Patientinnen und Patienten, bei denen aufgrund von Symptomen wie Erschöpfung und Überlastung ein Verdacht auf Long Covid, ME/CFS oder Post Vac besteht, zuverlässige, kompetente und vor allem systematisch aufeinander abgestimmte Hilfe erhalten. Eine wichtige Hürde dafür konnte jüngst genommen werden. Am 11. April hat das Bundesgesundheitsministerium die vom G-BA erarbeitete Richtlinie zur Behandlung von Long Covid genehmigt. In der Richtlinie zu Long Covid sind alle drei Krankheitsbilder Long Covid, ME/CFS und Post Vac explizit berücksichtigt. Damit bestehen nun erstmals bundesweit Vorgaben für eine koordinierte und strukturierte Versorgung. Jedoch muss der Bewertungsausschuss in den nächsten sechs Monaten entscheiden, inwiefern der einheitliche Bewertungsmaßstab zur Abrechnung medizinischer Leistungen mit den Krankenkassen angepasst wird. Wir setzen uns mit unserem Antrag für eine schnellstmögliche Anpassung ein, damit die Vergütung zur Versorgung von Long-Covid-Betroffenen geregelt ist. Weiterhin möchten wir mit Kassenärztlicher Vereinigung und den Krankenkassen nach lösungsorientierten Wegen suchen, die Versorgung von Long-Covid-Betroffenen zu verbessern. Wer mit Erschöpfungssymptomen, Kurzatmigkeit, Konzentrationsstörungen, nicht mehr aufstehen können, Schlafstörungen, Belastungsintoleranz oder anderen unklaren Symptomen zum Hausarzt geht oder in vielen Fällen gefahren werden muss, der sollte doch fachkundig mit Blick auf Long Covid und die anderen postinfektiösen Erkrankungen untersucht werden, um eine solche Diagnose entweder bestätigt zu bekommen oder natürlich im besten Fall sie auch ausschließen zu können. Dies ist wichtig, damit sich Patientinnen und Patienten nicht überlasten, damit sich die Erkrankung nicht verschlimmert. Stattdessen müssen Betroffene Strategien zum Umgang mit den Langzeitfolgen finden und gegebenenfalls besondere Schonung einhalten, so, wie wir es alle gesehen und erlebt haben. Teilweise verordnete Rehamaßnahmen können dabei zum Beispiel sehr kontraproduktiv wirken, auch daher ist eine zuverlässige Diagnose so wichtig. In der Long-COVID-Richtlinie ist festgehalten, dass die erste Ansprechperson für die Patientinnen und Patienten in der Regel der Haus- beziehungsweise Kinder- und Jugendarzt sein soll. Dieser soll dann die weiteren Schritte unter anderem mit Fachärzten koordinieren und ist verantwortlich dafür, den richtigen Behandlungspfad zu wählen. Das bedeutet, wir müssen allen voran bei den Hausärztinnen und Hausärzten für ein hohes Verständnis um diese komplexen Erkrankungen werben und auch ein Stück weit einfordern, Fort- und Weiterbildung sowie Aufklärung mitorganisieren. Durch mehrere Gespräche mit Patientenvertreterinnen und -vertretern sind wir weiter bestärkt worden, dass wir die Vernetzung, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen allen beteiligten Akteuren ein Stück weit selbst in die Hand nehmen können. Als Koalitionsfraktionen haben wir beschlossen, unseren Beitrag genau dazu zu leisten: für die Situation der Betroffenen zu sensibilisieren und den Transfer von Fachwissen zu ermöglichen. Denn für Betroffene und ihre Familien ist jeder Tag, der verstreicht, bis effektiv Hilfe zur Verfügung steht, ein Tag zu viel. Es war daher eine richtungsweisende Entscheidung, die Schaffung eines Long-Covid-Instituts in Rostock zu finanzieren. In der unmittelbaren Bewältigungsphase nach der Pandemie konnten durch die Arbeit des Long-Covid-Instituts mit Frau Dr. Frommhold mehr als 1.000 Patient/-innen Unterstützung und Beratung geboten werden. Für die Regelversorgung scheint es aber mit Blick auf die neue bundesweit geltende Richtlinie derzeit noch zielführender zu sein, die hausärztliche Versorgung mehr zu priorisieren. Da die Fortführung der Arbeit des Long-Covid-Instituts von Frau Dr. Frommhold nicht angestrebt wird, werden die Unimedizinen als spezialisierte Zentren noch mehr in den Fokus rücken. Wir wünschen uns, dass die Unimedizinen hierfür erneut Fördermittel – in diesem Falle vom Bund – beantragen. Der Bund fördert Modellprojekte zur integrierten beziehungsweise koordinierten Versorgung speziell für Long-Covid-Patientinnen und -Patienten. Dazu sind wir mit den Ambulanzen direkt im Gespräch. Ziel der Förderung ist es, neuartige und übertragbare Versorgungsansätze zu entwickeln sowie in bestehende Angebote einzubinden, Wissen zu generieren und Kompetenzen zu vernetzen, um eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung von Long-Covid-Betroffenen in Deutschland zu erreichen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Nur die?) Dafür stellt der Bundeshaushalt in den nächsten fünf Jahren über 80 Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus wird ein Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche mit Long-Covid-Erkrankung gelegt. Für Modellmaßnahmen zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen werden weitere 52 Millionen Euro bis 2028 bereitgestellt. Um auf den Antrag der FDP-Fraktion einzugehen: Frau Ministerin Drese hat heute wiederholt die Anstrengungen hier im Land dargelegt, um die Versorgung von Long-Covid-Betroffenen zu verbessern.
