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Jutta Wegner

GRÜNE 15.03.2024 Sitzungen 8/77

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Und wieder liegt ein Antrag der AfD vor – wahrscheinlich am Laptop geschrieben –, (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) der etwas längst Geregeltes fordert, zum einen eine Priorisierung der Schreibschrift in der Grundschule und zum anderen fest verbindliche Übungszeiten entsprechend dem Leseband. Die verbundene Handschrift ist bereits fester Teil des Rahmenlehrplans – wir haben es ja schon gehört – und das Entwickeln einer gut lesbaren persönlichen Handschrift ein selbstverständliches Ziel eines jeden Grundschülers. Der Zusammenhang zwischen Schreibschrift und Feinmotorik ist offenkundig. Sie haben es ja auch selber erwähnt, dass im Chemieunterricht die Gläser nicht kaputt gehen, weil man nicht Schreibschrift schreiben kann, sondern weil es an der Feinmotorik fehlt, (Thore Stein, AfD: Genau, ein Teil davon.) ebenso wie das Verfestigen der Inhalte durch wiederholtes Schreiben, auch wenn es diesbezüglich nach aktueller Studienlage keinen Unterschied macht, ob in Druck- oder Schreibschrift beziehungsweise digital die Inhalte verschriftlicht werden. Wer eine bessere Handschrift der Kinder erreichen möchte, muss aber im Kern die Feinmotorik der Schülerinnen und Schüler verbessern. Hierfür bedarf es nicht nur der klassisch-stupiden Schwung- und Schreibübungen, die in den Grundschulen sowieso in unterschiedlichsten Varianten angewendet werden. Lirum, larum, Löffelstiel ist nicht die einzige Möglichkeit. Und ich sage Ihnen, selbst bei stundenlangem Schreiben hat man am Ende immer noch eine grausliche Handschrift unter Umständen. Es bedarf auch der Freude und intrinsischen Motivation der Kinder. Übungen mit Werkzeugen wie Schere, Kleber, Webrahmen oder Hämmerchen schulen spielerisch die Feinmotorik, Ausmalen, Kneten, Fädeln, Puzzeln, kurz, je abwechslungsreicher und kindgerechter, umso besser. Auch dafür braucht es genügend Zeit im Schulalltag. Stupides Wiederholen festigt, und darauf zielt wohl auch Ihre Forderung nach verbindlichen Zeitrichtwerten für das Üben der gebundenen Handschrift. Sie verweisen hier auf das Leseband. Vergessen Sie aber nicht, dass das Leseband wohl durchaus sinnvoll ist und die Kinder so auch einen erhöhten Zugang zu Texten und Büchern bekommen, gleichzeitig aber auch hierfür Zeitkontingente aller anderen Fächer gekürzt werden. Schreiben Sie nun als Nächstes zusätzliche regelmäßige Schreibphasen vor, die im allgemeinen Unterricht so oder so vorhanden sind, streichen Sie dafür wohl andere Fächer, in denen die Feinmotorik trainiert wird, wie Kunst, Werken und Musik, weiter ein. Basiskompetenzen sind die Grundlage für den weiteren Bildungsweg. Aber wir brauchen auch kreative und selbstständig denkende Menschen. (Jeannine Rösler, DIE LINKE: Sehr richtig!) Fest steht, dass jedwede dieser Initiativen in den selbstständigen Unterricht der Lehrkräfte eingreifen und ihren Tag takten. Die Kinder haben weniger Zeit für Pausen und der Zeitdruck in den anderen Fächern steigt. Es stellt sich zudem die Frage, ob es tatsächlich nur an den mangelnden Übungszeiten liegt, dass die Kompetenzwerte abgesackt sind, oder ob nicht auch möglicherweise Lehrermangel, hohe Krankenstände, Pandemie und die höchst unterschiedlichen Voraussetzungen, mit denen die Kinder in die Schule kommen, (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) die wahren Herausforderungen darstellen. Sicher ist es das einfachste und die klassische Lösung, Schülerinnen und Schüler immer wieder und weiter mit Inhalten und Übungszeiten vollzustopfen. Bereits die Kitas aber so mit Personal auszustatten, dass hier gleiche Bildungsbiografien für Kinder jedweder Elternhäuser geschaffen werden, und möglicherweise über eine verpflichtende Vorschule nachzudenken, würde wahrscheinlich mehr bringen, als die Kinder weitere 20 Minuten stupide die verbundene Handschrift üben zu lassen. Wir lehnen Ihren Antrag ab. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Sabine Enseleit, FDP)

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