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Andreas Butzki

SPD 15.03.2024 Sitzungen 8/77

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wieder mal ein Antrag der AfD, der ein Problem aufwirft, das kein Problem darstellt. (Heiterkeit bei Enrico Schult, AfD) 2020 ist der neue Rahmenplan – übrigens nicht Rahmenrichtlinie, sondern der Rahmenplan – für die Primarstufe Deutsch bereits in Kraft getreten. Und auf Seite 44, und da möchte ich gerne mal zitieren, steht unter „Leistungsfeststellung und Leistungsbewertung“, ich zitiere: Die Schülerinnen und Schüler – übrigens nicht gegendert – „entwickeln eine lesbare und flüssige Handschrift. Die tischen Buchstabenformen. Flüssig bezieht sich auf gleichmäßigen Schreibrhythmus, geringen Schreibdruck sowie zügiges, ermüdungsarmes Schreiben. Darüber hinaus werden auf die richtige Körper- und Stifthaltung sowie die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes geachtet. Die Bewertung des Handschreibens ist prozessorientiert und dient der Bestätigung des Erreichten sowie dem Aufzeigen weiterer Lernschritte. Sie basiert auf der Beobachtung des Schreibprozesses, d. h. dem Erlernen eines motorisch günstigen Schreibens. Die Handschrift wird nicht benotet.“ Das sind, im Prinzip alle Forderungen, die Sie jetzt aufgestellt haben, sind in unserem Rahmenplan, der 2020 aufgestellt worden ist, dargestellt und ich könnte jetzt im Prinzip die Rede beenden, aber ich will noch mal kurz auf einige Punkte eingehen. Die ehemalige Bildungsministerin Bettina Martin erklärte bereits am 11. November 2019 – das Zitat bezieht sich auf das 3. International Symposium on Handwriting Skills 2019, also vor fünf Jahren, Sie kommen also auch mit Ihrem Antrag ein bisschen spät –: „Als Vertreterin der ... KMK resümierte“ M-Vs „Bildungsministerin ... Martin: ‚Kinder müssen in der Schule eine eigene Handschrift lernen. Das ist auch im digitalen Zeitalter eine unverzichtbare Grundlage für die erfolgreiche Bildungslaufbahn eines jeden Kindes. Wer Mühe mit dem Schreiben hat, kann bei Diktaten und Aufsätzen nicht mithalten und handelt sich schnell Fehler ein. Kinder lernen sehr stark haptisch und müssen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal ‚be-greifen‘. Gut lesbar und ... mit der Hand schreiben zu können, bringt in unserer schriftgeprägten Kultur nicht nur viele praktische Vorteile mit sich. Dies ist auch eine wichtige Form des persönlichen Ausdrucks, die es zu bewahren und zu pflegen gilt.“ Zitatende. Damit brauchen wir also Antragspunkt I.1 auch nicht. Das haben wir schon vor fünf Jahren öffentlich artikuliert. Und dann mit Ihrer Behauptung in puncto I.2, das finde ich schon sehr kühn, wenn Sie behaupten, dass die Qualität der Handschrift in den letzten Jahrzehnten „signifikant“ schlechter wird. Sie haben jetzt Niedersachsen zitiert. Ich habe 30 Jahre in der Schule gearbeitet, war vorher auch zwölf Jahre noch selbst in der Schule, habe viele Jahre als Evaluator gearbeitet und war auch in den Grundschulen. Ich hatte also die verschiedensten Schülerarbeiten, auch als Schulleiter, als Lehrer, als Evaluator in der Hand. Deshalb kann ich Ihre Behauptung nicht bestätigen. Als ich zur Schule gegangen bin, hatten auch einige Schüler eine Sauklaue. Da kann sich jeder bei sich auch dran erinnern. Und die Rechtschreib... Also dass es schlechter geworden ist, kann ich nicht nachvollziehen. Was schlechter geworden ist – und das ist bestätigt –, sind die Rechtschreibleistungen. Das ist feststellbar. Aber da haben wir schon reagiert mit Erhöhung des Deutschunterrichts vor einigen Jahren und jetzt mit der neuen Stundenplanverordnung ja noch mal. Und die Ursache von diesen schlechteren Rechtschreibleistungen hängt natürlich auch damit zusammen, dass gerade im privaten Umfeld der Medienkonsum doch ein bisschen anders geworden ist. Und jetzt noch zu Ihren Forderungen. II.1 fordern Sie, dass die gebundene Handschrift solide ausgebildet, sicher eingeübt und anwendungsbereit ist. Und im Rahmenplan, ich zitiere es noch mal: Schülerinnen und Schüler „entwickeln eine lesbare und flüssige Handschrift“ mit „gleichmäßigem Schreibrhythmus“, mit „geringem Schreibdruck sowie zügiges“ und „ermüdungsarmes Schreiben“. Es wird sogar auch noch auf die Schreibhaltung und auf die Arbeitsplatzgestaltung geachtet. Sie sollen dabei sowohl eine unverbundene als auch eine verbundene Handschrift erlernen. Eine Reihenfolge ist explizit nicht vorgesehen, wodurch den Lehrkräften ein hohes Maß an pädagogischer Freiheit gewährt wird. So können sie sich auch an den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientieren. Und für mich ist es ganz spannend, meine älteste Enkeltochter sitzt jetzt in der 1. Klasse und da verfolge ich natürlich auch dieses Ganze, diesen ganzen Schreibprozess. Warum wollen Sie jetzt also diesen Antragspunkt beschließen? Im Rahmenplan steht es viel deutlicher und viel komplexer wird an Schreiblernprozesse herangegangen. Unter II.2 fordern Sie eine verbindliche Festlegung von Zeitrichtwerten. Sie sprechen von Rahmenrichtlinie. Ich hatte schon gesagt, das ist ein Rahmenplan in Deutsch in der Primarstufe. Denn in dem Rahmenplan ist auch die Forderung ganz klar geregelt. 80 Prozent der Unterrichtsinhalte sind verbindlich. So hat die Lehrkraft genügend Freiraum für die eigene Unterrichtsgestaltung und für mehr methodisch-didaktische Entscheidungen im Hinblick auf die schon schulinternen Konkretisierungen. Und das ist gut so, und die Grundschulen, wissen wir selbst, haben auch unterschiedliche Einzugsbereiche. Zusammenfassend kann also festgestellt werden, Sie stellen ein Problem dar, das kein Problem an unseren Grundschulen ist. Im Rahmenplan der Primarstufe sind Ihre Forderungen klar geregelt. Die Anzahl der Deutschstunden haben wir bereits erhöht und werden wir weiter erhöhen. Im Sachunterricht achten die Lehrkräfte auf Lesen und Schreiben und damit auch auf die Handschrift. Unsere Lehrerinnen und Lehrer an den Grundschulen achten auf die Handschrift generell, und sie machen eine gute Arbeit und dafür auch herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Ihren Antrag brauchen wir nicht. In den letzten Jahren hat sich gerade im Primarbereich eine ganze Menge zum Positiven geändert. Auch mit dem damaligen Koalitionspartner haben wir wichtige Entscheidungen getroffen und mit dem jetzigen auch. Und wir lehnen natürlich Ihren Antrag ab. – Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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