Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich möchte heute zu unserem Antrag sprechen „Befähigung zur Handschrift Priorität einräumen“. Wir hatten diesen schon im Januarplenum sozusagen auf die Tagesordnung gesetzt. Der ist leider nicht drangekommen. Hintergrund ist, dass am 23. Januar wir den Internationalen Tag des Handschreibens feierten. Und Hintergrund ist auch eine Pressemitteilung oder eine Studie des VBE Niedersachsen, die aussagt, massive Probleme beim Handschreiben weiterhin ungelöst. Werte Kollegen, und der Landesvorsitzende des VBE in Niedersachsen legt den Finger deutlich in die Wunde. Die Probleme beim Handschreiben nehmen immer mehr zu. Mehr als jeder zweite Junge und fast jedes dritte Mädchen hat Probleme beim Schreiben, Schwierigkeiten bei der Schreibstruktur, im Tempo des Handschreibens sowie bei der Leserlichkeit. Das sind die drei Hauptprobleme. Der VBE hat dort eine Studie vorgelegt, schon im Jahr 2022, wo die Schreibmotorik untersucht wurde. Und fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe ist nicht mehr in der Lage, länger als eine halbe Stunde beschwerdefrei zu schreiben, werte Kollegen, und das sollte uns wirklich zu denken geben. Es gibt nicht nur eklatante Defizite bei den Inhalten, es gibt auch eklatante Defizite bei den einfachsten Dingen, beim Schreiben. Und daher hat meine Fraktion sich entschlossen, diese Sache hier zu thematisieren im Landtag. Der VBE Niedersachsen hat auch noch angeführt, Herr Torsten Neumann, da geht es darum, dass auch in den weiterführenden Schulen die haptischen Fähigkeiten gar nicht mehr vorhanden sind oder nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind. Er beobachtet zudem im Chemieunterricht viel mehr Glasbruch, was auch eine Folge schlechter Motorik ist. Und deshalb müssen wir dieses Thema hier in die Debatte einbringen und auch im Bildungsausschuss thematisieren. Wir haben Ihnen einen Antrag vorgelegt, der sozusagen die Priorität noch mal nachschärft, wo wir die Rahmenrichtlinien im Fach Deutsch sozusagen noch mal nachschärfen wollen. Und ich kann mir schon vorstellen, wie Sie wieder sagen, es ist doch alles geregelt und es läuft doch alles. Werte Kollegen, schauen Sie sich das in der Praxis an, sprechen Sie mit Lehrern, sprechen Sie mit, ja, mit Eltern! Dann merken Sie, dass dort nicht alles läuft. Und ich erinnere mich noch an die Debatte, als ich hier stand und sozusagen eine Schulgesetzänderung für meine Fraktion gefordert habe, mehr Deutsch und mehr Mathe. Da sagten Sie auch, es ist alles super und es läuft. Und heute müssen wir feststellen, dass nichts lief. Die Testergebnisse zeigen uns, dass wir da schlecht aufgestellt sind. Und, werte Kollegen, auch bei diesem Thema hier ist Handlungsbedarf, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) denn diese Fähigkeit, die basale Fähigkeit, sozusagen eine Handschrift oder eine Handschrift sicher zu beherrschen, ist natürlich auch eine Notwendigkeit, um dem Unterricht später zu folgen. Es ist wichtig, um, wenn Sie in der Berufsausbildung sind oder beim Studium, wenn Sie da Fehler machen beim Schreiben oder wenn Sie nachdenken müssen, kann ich überhaupt oder wie wird das Wort überhaupt geschrieben, das ist nicht akzeptabel. Wir sehen, die Vergleichstests zeigen uns, dass es dort immer mehr Defizite gibt. Aber ein weiterer Punkt, den ich hier auch an dieser Stelle ansprechen möchte, ist Ihr Fetisch für die Digitalisierung. Es wird ja immer gesagt, wir müssen alles noch digitaler handhaben und beispielsweise nur noch mit der Tastatur arbeiten. Da gibt es Befürworter, durchaus. Aber ich möchte Ihnen die Studie des schwedischen Karolinska Instituts noch einmal vorstellen, wo gesagt wird, dass eben die Digitalisierung an den Schulen auch zu deutlichen Nachteilen geführt hat, dass die Kinder eben auch ein Aufmerksamkeitsdefizit haben. Und das möchte ich kurz zitieren: „Der Einsatz digitaler Medien wird für die Zukunft des Lernens allerdings immer wichtiger. Das hat die Pandemie gezeigt. Aber noch melden uns die Lehrkräfte zurück, dass die technischen Möglichkeiten die Vorteile von Stift und Papier beim Schreiben mit der Hand nicht ersetzen können.“ (Thore Stein, AfD: Genau!) Es ist uns wichtig, werte Kollegen, hier einmal den Aufschlag zu machen, diese Sache mit Ihnen zu diskutieren. Das soll es erst mal für meine Einbringung gewesen sein und ich freue mich auf eine inhaltliche Debatte und werde natürlich gerne nachher Stellung nehmen auf Ihre Redebeiträge. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
