Barbara Becker-Hornickel
Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ja, Sie haben recht: Prävention und Gesundheit sind entscheidende Faktoren für ein erfülltes Leben, sowohl privat als auch am Arbeitsplatz. Und es stimmt, gerade in den letzten Jahren hat diese Thematik enorm an Bedeutung gewonnen, nicht nur, weil die Auswirkungen fehlender Gesundheitsprävention immer sichtbarer werden – es wurde hier mehrfach vorgetragen, sehr schön, die Zahlen psychischer Belastung am Arbeitsplatz liegen weit über dem Niveau von vor zehn Jahren –, sondern auch, weil Arbeitgeber, und über diese reden wir ja heute, Arbeitgeber in Klein- und Kleinstunternehmen, die haben längst erkannt, welche Bedeutung die mentale und psychische Gesunderhaltung ihrer Mitarbeiter für sie hat. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Eben.) Allein aus ihrem Eigeninteresse heraus sind sie doch dabei, alles zu tun, damit ihre Mitarbeiter im Unternehmen bleiben. Und es ist nicht so, dass keiner weiß, was Gesundheitsmanagement bedeutet. Ich weiß zwar nicht, Herr Winter, mit welchen Unternehmen Sie gesprochen haben. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Also der Unternehmer, der heute noch nicht weiß, welche Möglichkeiten es gibt, wie wichtig Gesundheitsmanagement ist, also der hat wirklich lange im Mustopf gesessen. Ich muss das einfach mal so sagen! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Beate Schlupp, CDU – Zurufe von Christian Winter, SPD, und Sebastian Ehlers, CDU) Der Gesetzgeber hat schon mit dem Präventionsgesetz und Paragraf 20 BSGB V zudem die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen, um aktive Betriebliche Gesundheitsförderung zu ermöglichen. Daneben bestehen zahlreiche steuerliche Erleichterungen, die die Bundesregierung für entsprechende Maßnahmen in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Beate Schlupp, CDU) Und zu guter Letzt gibt es zahlreiche, mittlerweile wirklich hoch professionelle Beratungsangebote zur Thematik. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Ich habe wirklich 27 Jahre lang ein Unternehmen geführt, nicht unbedingt ein Klein- und Kleinstunternehmen, aber, ich würde mal sagen, mittleres Unternehmen. (Christian Winter, SPD: Landesgesellschaft.) Ich kann Ihnen eine … (Christian Winter, SPD: Landesgesellschaft, Landesgesellschaft war es, oder?) Ja, darum waren wir auch ein Musterkind, das können Sie mir glauben. Ich weiß, wovon ich rede. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und Sie machen Ernährungsberatung – ist immer so mein Hobby gewesen –, (Zuruf von Beate Schlupp, CDU) und dann erzählen Sie, so, wir nehmen jetzt nur noch Wasser, weil wenn wir Cola im offiziellen Angebot des Unternehmens haben, ich weiß nicht, ob Sie wissen, wie viel Zuckerwürfel in einer Cola sind, (Rainer Albrecht, SPD: Zu viele! – Christian Winter, SPD: 27, glaub ich. – Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Gar keine, weil da nämlich Streuzucker drin ist.) dann machen wir ein wunderbares Beratungsangebot, und dann kriegt man zur Antwort: Ach, nun gehen Sie doch weg mit Ihrem Wasser! Nee, wir trinken … Geben Sie mal eine Cola, also wir wollen Cola. Wenn es darum geht, es den Mitarbeitern angenehm zu machen – aber weg davon! Wir haben alles angeboten. Wir hatten auch ein digitales Angebot, wo in gewissen Phasen, Intervallen immer wieder angeboten wird: Steh mal auf! Guck mal aus dem Fenster! Mach ein paar sportliche Übungen! Was meinen Sie, wie anstrengend das war?! Jetzt soll ich mich auch noch bewegen! Okay, so, das musste ich einfach mal rauslassen, weil das ist etwas, was mir wirklich an die Seele geht, wenn hier gesagt wird, wie Unternehmen für ihre Mitarbeiter den Arbeitsalltag gestalten sollen. (Christian Winter, SPD: Das steht doch gar nicht im Antrag!) Sie tun es, meine Güte, sie tun es! (Zuruf von Christian Winter, SPD) Aber sie können ja was lernen. Man kann ja vielleicht mal über einen Antrag hinausgehen. So, allein schon wegen des … (Zuruf von Christian Winter, SPD) Ich komme auf meine vorbereitete Rede zurück. Ich kann sie heute hier einfach nicht so halten, weil mir das wirklich an die Seele geht. Allein schon wegen des Fachkräftemangels sind gerade die kleineren Unternehmen bestrebt, gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Natürlich, sie wissen doch, was passiert, wie Dr. Geue es ja auch ausgeführt hat, wie schädlich der Ausfall einzelner Mitarbeiter sein kann. Die ganze Organisationskette kann hinfällig sein. Ich kann nur sagen: Hören Sie auf, Unternehmern zu sagen, wie sie ihr Unternehmen führen sollen! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Und jetzt kommt noch, ein neuer Preis soll ins Leben gerufen werden. Wir haben genügend bestehende umfangreiche Beratungsangebote. Ich lasse das mal hier alles weg. Für mich liegt hier auch die Gefahr nahe, wir suchen uns jetzt schöne Unternehmen aus, die sich in unserem Sinne darstellen und an denen vielleicht sogar über drei Ecken parteinahe Menschen beteiligt sind – (Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD) ja, das müssen Sie sich anhören! – und die vielleicht zufälligerweise auch regelmäßig die prima Wirtschafts- und Sozialpolitik der Landesregierung loben. Und Sie haben gestern meinen Kolleg/-innen hier eigentlich zum Vorwurf gemacht, dass sie keine Vorschläge haben. Ja, ich habe einen Vorschlag für Sie: Sie können doch einfach eine neue Kategorie beim Unternehmerpreis M-V einführen. Der wird sowieso jährlich verliehen, und es wäre organisatorisch doch auch finanziell zehnmal effizienter, einfach noch ein weiteres Unternehmen aus M-V für vorbildliche Betriebliche Gesundheitsförderung zu ehren. (Sebastian Ehlers, CDU: Sehr gute Idee!) Danke schön! So, also ich denke, dieser Preis ist für mich überflüssig wie ein Kropf. (Beifall und Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Entschuldigen Sie diese Formulierung! – Ich danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)
