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Christian Winter

SPD 15.03.2024 Sitzungen 8/77

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Ja, man könnte sagen, Arbeitnehmer/-innenpolitik am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Allerdings, so einige Beiträge haben mich denn doch etwas sorgenvoll gestimmt. Nun ja, ich denke, wir können da jetzt auch vieles ausräumen, denn eins ist ja ganz klar: Wir haben uns hier in unzähligen Tagesordnungspunkten im Bereich der Wirtschaftspolitik immer wieder mit dem größten Hemmschuh für die Wirtschaft hier in M-V beschäftigt, das ist der Arbeits- und Fachkräftemangel. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Ach so!) Wir haben dabei gesprochen und wir haben ja auch gestern zum Beispiel dargestellt, wo überall die MV-Koalition, auch teilweise die Bundesregierung dabei ist, wenn es darum geht, bessere Startchancen zu gewährleisten, mehr und eine bessere Berufsorientierung zu gewährleisten, um einen guten Übergang zwischen Schule und Beruf hinzubekommen. Selbstverständlich nehmen wir auch die erwerbslosen Menschen in den Blick, die aus vielen Gründen, häufig auch gesundheitlicher Natur, ein Handicap, manchmal auch Kindererziehung oder weil sie nicht nachhaltig am Arbeitsmarkt Fuß finden konnten, hier auch integriert werden in den Arbeitsmarkt. Und natürlich wird es nicht ohne Menschen aus dem Ausland gehen, die zu uns kommen, gekommen sind oder mitunter auch schon hier sind. Ohne sie wird es nicht gelingen, den mittlerweile branchenübergreifenden Arbeitskräftehunger zu stillen. Aber unterschätzt wird oft die enorme Rolle, die bereits Beschäftigte und vor allem auch ältere Beschäftigte schon jetzt spielen. Wir haben es am Mittwoch gehört: Niemand soll länger als bis 67 arbeiten müssen, aber jede und jeder soll durchaus länger arbeiten können. Oder das Hauptproblem ist ja auch erst mal, bis zu dieser Altersgrenze zu arbeiten. (Torsten Renz, CDU: Ist das eine veränderte SPD-Position gerade?) Können Sie dabei das … (Zuruf von Patrick Dahlemann, SPD) Können Sie dabei das zentrale Stichwort, denn es sind zumeist Erkrankungen, gesundheitliche Probleme als Folge eines langen anstrengenden Arbeitslebens sowie Fehlbelastungen oder auch chronische Krankheiten, die nicht nur, aber oft genug, auch die Ursache im Arbeitsleben haben, die Menschen daran hindern, bis zum gesetzlichen Eintrittsalter – und darum geht es, Herr Renz, Sie haben ja gerade eine Frage da reingerufen –, um überhaupt bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten, und das nach Möglichkeit auch in dem von ihnen erlernten Beruf zu machen. Darum geht es ja auch entscheidend. Und hier setzt die betriebliche Gesundheitsprävention an. Ich finde das immer schön und wichtig, das auch zu quantifizieren. Der Experte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Enzo Weber, beziffert die enorme Auswirkung von einer maßvollen Anpassung, ohne dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Beispiel bis 70 arbeiten müssen. Wenn wir eine Erwerbsquote bei den 65-Jährigen hätten, wie heute schon bei den 60-Jährigen, wenn wir eine Erwerbsquote bei den 64-Jährigen hätten, wie heute schon bei den 59-Jährigen, dann würden wir in summa 2,5 Millionen Arbeitskräfte deutschlandweit gewinnen. Ich denke, das ist eine eindeutige Zahl, wie wir auch dem Fachkräftebedarf begegnen können. Ältere Arbeitnehmer haben dabei ein enormes Know-how. Sie haben gute Qualifikation, sie brauchen keine Einarbeitung und sie sind überdurchschnittlich loyal zu ihrem Arbeitgeber. Wie gelingt es nun also, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Weiterarbeiten zu gewinnen? Tatsächlich spielt in dieser Zielgruppe das Monetäre weniger eine Rolle. Stattdessen geht es darum, geeignete Tätigkeiten zu finden. Flexiblere und kürzere Arbeitszeiten sind hier ebenfalls der Schlüssel zum Erfolg. Diese Bedürfnisse und Chancen der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer/-innen, die müssen den Unternehmen durchaus noch stärker vor Augen geführt werden, weil eine Erhebung des Ifo-Instituts zeigt, dass nur 34 Prozent der befragten Unternehmen mit Blick auf die Einstellung und Weiterbildung in der Altersgruppe Ü60 überhaupt noch Maßnahmen in den Blick nehmen. Und auch bei der Personalbindung wird diese Altersgruppe nur von etwa 60 Prozent der Unternehmen adressiert. Mit einer starken betrieblichen Gesundheitsprävention wird der Grundstein dafür gelegt, dass … (Die Abgeordnete Sandy van Baal bittet um das Wort für eine Anfrage.)

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