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Christine Klingohr

SPD 24.01.2024 Sitzungen 8/72

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, das Thema ist zu wichtig, als dass ich auf die Tatsachen meines Vorredners jetzt eingehe. Ich will gerne meine Rede vortragen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Als Querschnittsthema berührt FASD unterschiedliche Handlungsfelder, wie Drogen- und Suchtprävention, Kinderschutz, gesundheitliche Aufklärung sowie Beratung für werdende Eltern. FASD – haben wir heute schon oft gehört, und ich denke, man kann es aber auch nicht oft genug sagen – steht für Fetale Alkoholspektrumstörungen und gehört in Deutschland zu den häufigsten angeborenen Behinderungen. Laut UN-Behindertenrechtskonvention ist es auch als Behinderung anerkannt. Letztlich muss es uns in allen Bereichen darum gehen, nichts unversucht zu lassen, um Kinder bereits in der Embryonal- und Fetalphase vor schädlichen Einwirkungen durch Alkoholkonsum der Mutter zu schützen, damit ihnen nicht bereits vor ihrer Geburt die Chance auf ein gesundes und unversehrtes Aufwachsen genommen wird. Wir möchten, dass jedes Kind in Mecklenburg-Vorpommern gesund und sicher aufwachsen kann. Das galt auch für das vorhergehende Thema, das ich angesprochen habe. Bereits in der Schwangerschaftsphase kommt dem eine besondere Bedeutung zu. Daher machen wir uns stark dafür, dass werdende Eltern gute und auf ihre Lebenssituation angepasste Beratung und Unterstützung erhalten. Eine Botschaft muss dabei klar und deutlich vermittelt werden: Es gibt kein unbedenkliches Maß an Alkohol in der Schwangerschaft! Ich habe einen kleinen, pfiffigen Jungen bei mir in der Kita, ein kleiner FASD-Superheld mit Special Effects. Jeden Tag aufs Neue muss er lernen, mit den Kindern in den Kontakt zu treten. Aber er tritt nicht in Kontakt wie andere kleine Kinder, sondern er schubst, er ruckelt und er kämpft mit ihnen. Aber er möchte gerne dazugehören. Er ist pfiffig, er kann viele Dinge mit uns mitmachen, wie jedes andere Kind. Aber er hat seine speziellen Dinge, die er jeden Tag wieder neu erlernen muss. Und bei uns im Land wird vielerorts Aufklärungs- und Beratungsarbeit geleistet – nicht genug, das ist hier schon auch gesagt worden. Und der Vater – er ist auch ein Pflegevater, der mit mir oft im Austausch dazu ist – hat mir auch versichert, dass die Angebote in unserem Land schon sehr gut sind und dass auch von den Ämtern, von den Jugendämtern viel geholfen wird. Aber natürlich wollen wir an diesem Thema weiter dranbleiben. Diese Angebote werden wir weiter unterstützen, denn nur gemeinsam können wir das gesellschaftliche Bewusstsein schaffen, dass Kinderschutz bereits in der Schwangerschaft beginnt. So wird in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt ein flächendeckendes, wohnortnahes und plurales Netz von insgesamt – die Ministerin erwähnte es – 42 Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen bereitgehalten. Hier kann sich jeder und jede in allen eine Schwangerschaft unmittelbar oder mittelbar berührenden Fragen informieren und beraten lassen. Bei allen Präventionsveranstaltungen der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen zum Thema Alkohol wird auch über die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft aufgeklärt. Außerdem bietet die Institutsambulanz am Zentrum für Nervenheilkunde in Rostock Diagnostik, Beratung und Therapie zum Thema FASD an. Darüber hinaus gibt es auch eine Selbsthilfegruppe „Leben mit FASD“, die an den Pflegeelternverein Nordwestmecklenburg angebunden ist. Die Landesregierung hat im vergangenen Jahr ihre Anstrengungen verstärkt und wird es auch weiterhin tun, um für das Problem FASD zu sensibilisieren und darüber aufzuklären. Angefangen von Aufklärung für Schülerinnen und Schüler sowie Unterstützung und Beratung von angehenden Eltern bis hin zu Fachtagungen und Sensibilisierung der Gesundheitsämter wird das Thema von allen Seiten angegangen. Zudem sei die Förderung der Sucht- und Drogenberatungsstellen, der Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen und der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen hervorgehoben. Die Förderung für die Koordinierungsstelle wurde im jüngst beschlossenen Doppelhaushalt für die Jahre 2024 und 2025 auch noch einmal angehoben. Alle diese Anstrengungen verfolgen ein Ziel: Wir müssen ein gesamtgesellschaftliches Verständnis dafür entwickeln, welche langfristigen Folgen selbst geringe Mengen Alkohol für das Kind während der Schwangerschaft haben. Hierfür setzen wir uns klar weiter ein und werden weiter intensiv an diesem Thema arbeiten. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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