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Bettina Martin

24.01.2024 Sitzungen 8/72

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Zunächst möchte ich mich bedanken dafür, dass dieses Thema heute Thema ist hier im Hohen Hause, und ergreife sehr gerne im Namen der Ministerin Frau Drese hier das Wort zum Thema der Aussprache. Darin fragt die FDP-Fraktion: Tut die Landesregierung genug gegen den Alkoholkonsum von Frauen während der Schwangerschaft und damit gegen mögliche Schädigungen des Kindes? Die pauschale Antwort ist dieselbe Antwort, die ich Ihnen auf alle Fälle, auf alle Fragen zur Prävention geben kann: Es kann nie genug getan werden. Tatsache ist, dass Schätzungen zufolge in Deutschland jedes Jahr circa 10.000 Kinder mit irreversiblen alkoholbedingten Schädigungen geboren werden. Meine Damen und Herren, das sind jedes Jahr 10.000 Kinder zu viel. Der Fachbegriff für gesundheitliche Schädigungen dieser Art lautet Fetale Alkoholspektrumstörungen, kurz FASD. FASD gilt in Deutschland sogar als die häufigste aller angeborenen Erkrankungen. Das haben wir gerade schon gehört. Für Mecklenburg-Vorpommern wissen wir, dass im Jahr 2022 22 schwangere Frauen aufgrund einer Alkoholproblematik eine Suchtberatungsstelle aufgesucht haben. Insgesamt rund 25 dieser Sucht- und Drogenberatungsstellen gibt es in den Landkreisen und kreisfreien Städten. Das Land fördert sie mit 2,2 Millionen Euro. In den Beratungsstellen erhalten die Betroffenen die Hilfe, die sie brauchen und bereit sind, auch anzunehmen. Insbesondere für Schwangere sind die Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen eine weitere äußerst wichtige Anlaufstelle. Die 42 Beratungsstellen stehen flächendeckend in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt zur Verfügung. Die Mitarbeitenden beraten und unterstützen die Frauen und Familien in allen Lebenslagen, selbstverständlich auch dann, wenn eine Suchtproblematik vorliegt. Eine Weiterleitung an eine entsprechende medizinische Einrichtung kann dann direkt aus den Beratungsstellen erfolgen. Auch nach der Geburt gibt es für Familien in schwierigen Lebenslagen die Möglichkeit, im Rahmen des Landesprogramms „Frühe Hilfe“ durch geschulte Familienhebammen und Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen zum Ende des ersten Lebensjahres ihres Kindes kostenlos beraten und begleitet zu werden. Die Familienhebammen werden in speziellen Vorträgen zum Thema „Alkohol und Schwangerschaft und FASD“ geschult. Sehr geehrte Abgeordnete, es ist wichtig, dass den betroffenen Frauen und ihren Kindern geholfen wird, doch entsteht ein problematischer Umgang mit Alkohol in der Regel nicht erst, wenn eine Schwangerschaft diagnostiziert wurde, sondern bereits lange zuvor. Eben darum ist wirksame Prävention so wichtig, und am wichtigsten ist es, dass sie bereits bei jungen Menschen ansetzt. Die durch das Land geförderte Landeskoordinierungsstelle LAKOST für Suchthemen, die heute auch schon Thema war, bietet deshalb für Schülerinnen und Schüler unter anderem die App „Volle Pulle Leben – auch ohne Alkohol“ bereits an. Auch Alkohol in der Schwangerschaft gehört zu den Themen. Das Thema ist ebenso Bestandteil der Seminare „Still und vergessen? – Kinder in suchtbelasteten Familien“, die mehrmals jährlich online und in Präsenz angeboten werden. Ein integraler Bestandteil ist das Thema darüber hinaus im Fortbildungsprogramm „Starke Kinder brauchen starke ErzieherINNEN“ für Schüler und Schülerinnen der Beruflichen Schule für Sozialwesen zur Suchtprävention. Zudem sind bei den Landkreisen und kreisfreien Städten Koordinatoren beziehungsweise Koordinatorinnen für regionale Suchtprävention tätig, die Konzepte für regionale Suchtprävention erstellen und Maßnahmen zur Umsetzung durchführen und koordinieren. Allein im Jahr 2022 wurden landesweit fast 100 Veranstaltungen zum Thema Alkohol durchgeführt. In Rostock gibt es seit dem vergangenen Jahr eine eigene Beratungsstelle für FASD. Auch die Gesundheitsämter wurden durch das Gesundheitsministerium als Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger, wurden für das Thema FASD sensibilisiert. Es gibt viele weitere Initiativen, sie alle zu nennen, würde den Rahmen sprengen. Ich lade Sie im Namen von Ministerin Drese ganz herzlich ein, bei diesem sowie bei allen anderen Präventionsvorhaben uns zu unterstützen und bei dieser wichtigen Arbeit auch weiter im Gespräch zu bleiben. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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