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Barbara Becker-Hornickel

FDP 24.01.2024 Sitzungen 8/72

Sehr geehrte Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Heute sprechen wir über FASD. FASD steht für Fetale Alkoholspektrumstörung – klingt vielleicht jetzt nicht so wirklich dramatisch, aber diese Störung ist es in höchstem Maße. FASD ist die häufigste angeborene, nicht genetisch bedingte Behinderung in Deutschland. Sie wird durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ab der ersten, ab der ersten Schwangerschaftswoche bis zur Geburt ausgelöst und kann zu erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit des ungeborenen Kindes, aber dann auch des geborenen Kindes führen. Wir sprechen hier heute nicht – und das möchte ich noch einmal betonen –, wir sprechen an dieser Stelle nicht über süchtige Schwangere oder schweren Alkoholmissbrauch, nein, es geht um das Schlückchen Sekt, das geliebte Glas Wein am Abend, wir sprechen über Frauen aller Gesellschaftsschichten, die aus Unkenntnis völlig ungewollt ihre Kinder schädigen. Es kann der eine Schluck sein, der eine Schluck! Informationen und Broschüren gibt es, Aufklärung der BZgA zum Umgang mit geschädigten Kindern und den unterschiedlichen Symptomen sind vorhanden. Es umfasst beispielsweise kognitive Störungen, Sprachstörungen, fehlende emotionale Kontrolle, Hyperaktivität und so weiter. Ich will hier keinen Vortrag über all diese Symptome halten. Die können Sie sehr leicht im Internet abrufen, aber ich möchte trotzdem einige noch mal hervorheben. Es kann auch zu körperlichen Merkmalen kommen, im Gesicht zum Beispiel. Es ist ein Erscheinungsbild definiert – erfahrene Hebammen können beim ersten Blick schon sehen, dass da eventuell oder mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine FASD-Störung vorliegt. Es führt bei diesen Menschen dann auch zu Leichtgläubigkeit, fehlendem Gedächtnis, Bereitschaft zum Lügen. All dies finden Sie im Internet. Aber dazu muss es nicht kommen, rechtzeitige umfassende Beratung kann helfen. In Deutschland sind circa 1,6 Millionen betroffen. Ich denke, die Dunkelziffer ist noch höher. Trotzdem ist FASD noch vergleichsweise unbekannt, auch Beratungs- und Unterstützungsangebote sind wenig bekannt. In Rostock gibt es seit Kurzem eine Beratungsstelle bei der Stadtmission, finanziert durch die „Aktion Mensch“, bislang die einzige in Mecklenburg-Vorpommern. FASD ist bislang unterrepräsentiert in der öffentlichen Wahrnehmung. Ich wiederhole noch mal, sie ist die am häufigsten nicht vererbbare Behinderung. Aufklärung kann und muss helfen. Wir reden häufig und völlig zu Recht über Suchtprävention. Auch Süchte können ihre Quelle infolge von FASD haben. Wir hatten das Thema „Beratung Süchte“ vor nicht allzu langer Zeit. Unsere Forderung ist, die Gefahr von FASD muss durch die Landesregierung viel stärker kommuniziert werden. Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen sind erforderlich. Krankenkassen, Gesundheitsämter, Schulen und Ärzte müssen hier noch viel besser kooperieren. FASD ist vermeidbar! Gehen Sie mal durch einen Supermarkt! Beim Gang durch die, durch die Supermärkte entlang der Weinabteilung finden sich, wenn auch klein, Warnschilder für Schwangere auf italienischen und französischen Weinen – nicht ohne Grund –, nicht aber auf deutschen Weinen, von anderen Spirituosen ganz zu schweigen. Wir Liberalen wollen die freie Entfaltung aller Menschen, gleiche Chancen für alle. Jede soziale Benachteiligung ist daher auch ein gesamtgesellschaftlicher Rückschritt. Wir Freie Demokraten verstehen das Zusammenspiel aus gesellschafts-, sozial-, gesundheits- und volkswirtschaftlichen Aspekten. Alles muss zusammen betrachtet werden. Und gehen wir zurück, und wir sagen, die Aufklärung muss bereits in der Schule ansetzen. Gerade M-V hat nämlich nicht nur grundsätzlich ein Problem mit übermäßigem Alkohol- und Drogenverbrauch, wir sind bei der Alkoholabhängigkeit bundesweit trauriger Spitzenreiter, insbesondere auch bei Jugendlichen und Kindern. Auch darauf will ich hinaus. Gerade bei Teenagermüttern und jungen Frauen, die in sozial schwachen Umgebungen leben, ist mehr, viel mehr Aufklärung nötig. Im Vorfeld dieser Thematik hatte ich Gespräche mit Mitarbeiterinnen der Schwangerenberatung und der Beratungsstelle FASD in Rostock. Sie alle sehen die Gefahr der Verharmlosung des Alkohols in ihrer täglichen Arbeit. Das besondere Problem bei FASD, zum Teil geben selbst Ärzte falsche Hinweise: Ein kleiner Schluck, ein kleiner Schluck Sekt kann doch nicht schaden, da brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. In einer Umfrage der OZ vor einigen Wochen sind genau diese Fragen aufgetaucht: Schadet das kleine Schlückchen Wein? Schadet der kleine Schluck Sekt, mein geliebtes Glas Wein am Abend? Ja, es schadet! Und es hat mich schockiert, doch, ja, es kann das kleine Schlückchen sein, ich muss es nur wissen. Wir müssen es schaffen, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu stärken, dass Alkohol in der Schwangerschaft ein absolutes No-Go ist. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und FDP) Kein noch so kleines Schlückchen! Nur so können wir es schaffen, dass die Zahl der vollkommen unnötigen FASD-Fälle sinkt. Nur wenn die Gefahren bekannt sind, kann man seine eigenen Entscheidungen treffen. Daher haben wir diese Aussprache ins Leben gerufen. Bewusstmachen, Aufklären, Handeln – das muss die Devise sein! Erlauben Sie mir an dieser Stelle, meinen persönlichen Dank auszusprechen an die FASD-Beratungsstelle in Rostock. Ich habe dort sehr viel gelernt, lernen müssen, und hoffe, dass ich hier das an der richtigen Stelle anbringen und vortragen kann. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ich freue mich auf eine spannende Diskussion. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

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