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Christian Albrecht

Die Linke 24.01.2024 Sitzungen 8/72

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte jetzt wieder ein bisschen positiver werden. Und auch ich möchte in meinem Redebeitrag noch mal die besondere Bedeutung von Open Access für eine zukunftsfähige Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft betonen. Im Feststellungsteil des Antrages steht ja schon eine ganze Menge drin, und ich versuche, möglichst wenig davon in meinen Ausführungen zu wiederholen, möchte aber trotzdem noch einmal den Punkt I.1 hervorheben. „Open Access als der offene Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und Informationen“ ermöglicht die freie „Nachnutzung und … Weiterbearbeitung durch den Einsatz freier Lizenzen für alle Menschen ohne finanzielle, technische und rechtliche Barrieren …“ Klingt jetzt erst mal ziemlich trocken, ist aber ganz wichtig, denn der Zugang zu Wissen ist ja kein Nischenthema. Ganz im Gegenteil, denn dieser möglichst freie Zugang zu Wissen, eben ohne finanzielle, technische und rechtliche Hürden, ist eine absolut elementare Voraussetzung für eine offene und demokratische Wissensgesellschaft, die wir hoffentlich hier alle miteinander befördern wollen. Aus linker Sicht würde ich sogar sagen, dass es hier um nicht weniger als die Demokratisierung von Wissen und Wissenschaft geht. Die Erarbeitung einer Open-Access-Strategie für das Land beziehungsweise seine Universitäten entspricht den politischen Forderungen, Beschlüssen auf europäischer und Bundesebene. Das klang jetzt auch schon mehrfach an. Wir sollen jetzt mit einer landesseitigen Strategie flankieren. Dabei soll auch Open Access als der neue Standard etabliert werden, eben in der Publikation von Wissen. So weit der politische Wille und die Beschlusslage. Aber auch Forschungsförderer, die Projekte finanziell unterstützen, verlangen zunehmend die Open-Access-Publikation der geförderten Forschungsergebnisse. Hierbei zeigt sich ein erfreulicher Trend, dass die Zurverfügungstellung von Finanzmitteln verstärkt an die Bedingung geknüpft wird, dass die Ergebnisse dann auch frei verfügbar und zugänglich gemacht werden. Andere Bundesländer haben bereits Strategien auf den Weg gebracht, die den Transformationsprozess zu Open Access auf Landesebene unterstützen, oder sie arbeiten gerade daran. Es gibt also Best-Practice-Beispiele, an denen sich M-V bei der Erarbeitung der eigenen Strategie orientieren kann. Wie wichtig das ist, um hier auch nicht zu einem Flickenteppich zu kommen, klang ja auch schon an. Und auch das Beispiel Baden-Württemberg wurde ja schon einmal ins Feld geführt. Neben dem übergeordneten Ziel der Demokratisierung von Wissen sind die konkreten Vorteile von Open Access zahlreich. Wir haben zum einen den schnellen Zugang zu Forschungsergebnissen. Open Access ermöglicht es, Forschungsergebnisse unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung zugänglich zu machen. Der traditionelle Weg über Verlagsmodelle hat demgegenüber den Nachteil, dass oft erst nach langen Verzögerungen – teilweise von mehreren Monaten, viele Publikationen erscheinen ja vierteljährlich – und gegen Gebühren wissenschaftliche Artikel zugänglich gemacht werden. Wir haben weiterhin eine breite Verfügbarkeit für jedermann. Open Access ermöglicht einer breiten Öffentlichkeit einen barrierefreien Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das schafft Chancengleichheit und erlaubt Menschen weltweit, unabhängig von finanziellen Ressourcen auf Bildung und Forschung zuzugreifen. Das hilft auch Forscherinnen und Forschern ungemein, denn auch die haben ja je nach Standort und ihrer individuellen Situation ganz unterschiedliche Ressourcen und Zugänge zu Forschungen. Daraus ergibt sich dann drittens ein Abbau von Wissenshierarchien, den es ja auch an verschiedenen Stellen gibt. Und viertens möchte ich noch hervorheben, dass die Förderung des internationalen Wissensaustauschs gefördert wird. Das Beispiel Corona klang vorhin ja an, dass wir dann bei der schnellen, unmittelbaren und barrierefreien Verfügbarstellung auch die internationale Zusammenarbeit hier befördern. Ich fasse also zusammen: Open Access gewährleistet eine gute wissenschaftliche Informationsversorgung und einen barrierefreien Zugang zu wissenschaftlicher Information, ohne dass finanzielle Hürden den Zugang behindern. Es verbessert die Effizienz in Forschung und Innovation, erhöht die Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen und stärkt die Zusammenarbeit. Und die freie Verfügbarkeit von Wissen fördert den schnellen Austausch von Ideen und beschleunigt so den Fortschritt in der Forschung. Also alles zusammen eine gute Sache. Jetzt gilt es dann eben, die entsprechende Strategie dazu zu erarbeiten. Dafür gibt es verschiedene Ansätze. Es gibt den sogenannten goldenen Weg, den grünen Weg. Wir sprechen uns aus für den Diamond-Open-Access-Standard, will ich jetzt gar nicht großartig vertiefen. Wichtig, glaube ich, für die hier Anwesenden ist, dass das der höchste Standard ist, der eben dann allen Interessierten weltweit kostenlos den Zugang zu Forschungsergebnissen ermöglicht und wo auch für die Autor/-innen keine Kosten anfallen. Ja, jetzt klang ja an, es gibt so die eine oder andere Herausforderung. Ich habe mich natürlich auch in Vorbereitung auf diese Rede damit auseinandergesetzt, welche Argumente könnte man eigentlich dagegen ins Feld führen. Da fällt nicht wirklich viel an. Es gibt so von der einen oder anderen Stelle natürlich Bedenken, weil eine flächendeckende Umstellung auf Open Access auch die bisherige Publikationsart, das Geschehen, wie das organisiert ist, ganz tiefgreifend verändern wird und – so deutlich muss man es auch sagen – natürlich ein Stück weit auch ein Eingriff in Geschäftsmodelle von Verlagen beinhaltet, die mit der Publikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen ja auch Geld verdienen. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich glaube aber, dass das gesamtgesellschaftliche Interesse nach freiem Zugang zu Wissen, das übrigens auch unter erheblichem Einsatz ja von öffentlichen Mitteln erworben wird, an dieser Stelle überragt. So eine andere kleine Kritik, die man hier und da lesen kann, ist dann, dass die Qualität beim Erkenntnisgewinn geschmälert werden könnte, weil der ja für die Wissenschaft so wichtige Peer-Review-Prozess ja auch ganz massiv mit über die Verlage organisiert wird. Aber auch hier muss man sagen, dass die konkrete Arbeit ja nicht irgendwelche bei den Verlagen angestellten Personen machen, sondern das erledigen andere Forschende im Ehrenamt. Also auch hier sollte es möglich sein, im Open-Access-Verfahren vernünftige Peer-Review-Prozesse weiterhin abzusichern. Zumindest finanziell spricht da erst mal nichts dagegen. Das Einzige, was dann wegfällt und was für viele Forschende ja durchaus auch wichtig ist, sich daran zu beteiligen, ist das Renommee der jeweiligen Publikation, wo man sich dann einbringt. Aber ich glaube, auch das ist keine unüberwindbare Hürde. Ja, und dann hat man natürlich noch die Kritik, die ja vor allen Dingen von Frau Hoffmeister vorgetragen worden ist. Kann man machen, natürlich. Wenn man so einen Antrag stellt, wie wir es jetzt gemacht haben, kann man immer sagen, ja, kommt zu spät, hätte man schon vor vielen, vielen Jahren machen müssen. (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich glaube, das ist ein Stück weit ein Totschlagargument. Wichtig ist, dass wir es getan haben jetzt und natürlich dann auch die Vorgaben von Europa- und Bundesebene umsetzen wollen. Ich kann dann natürlich wieder mich in meine Rolle zurückziehen und sagen, na ja gut, Sie waren ja lang genug beteiligt oder hätten jetzt auch als Oppositionspolitikerin die Möglichkeit gehabt, (Heiterkeit bei Sandy van Baal, FDP) das Thema nach vorne zu bringen. Haben Sie auch nicht. Aber ich glaube, das bringt uns insgesamt nicht voran. Wichtig ist das, was vorliegt. (Katy Hoffmeister, CDU: Hätten Sie denn zugestimmt?) Es gibt jetzt den Wunsch, hier nach vorne zu kommen. (Sebastian Ehlers, CDU: Dann hätten Sie sicherlich kraftvoll zugestimmt, Herr Albrecht. – Heiterkeit bei Katy Hoffmeister, CDU) Wie bitte? (Sebastian Ehlers, CDU: Dann hätten Sie sicherlich kraftvoll zugestimmt, wenn wir das beantragt hätten.) Ja. Das sind jetzt aber theoretische Debatten, da ja nichts vorlag an der Stelle. Für mich wirkt das unterm Strich so, dass man da noch versucht hat, jetzt hier ein bisschen so Oppositionsarbeit halt zu machen und das Haar in der Suppe zu finden. Aber ich nehme trotzdem sehr freudig zur Kenntnis, dass es hier zumindest nach dem Stand der bisherigen Rednerinnen und Redner ja eine breite Zustimmung zu dem Anliegen gibt. Und ich glaube, das ist auch sehr wichtig. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Langer Rede kurzer Sinn, Open Access ist eine gute Sache (Präsidentin Birgit Hesse übernimmt den Vorsitz.) und wir vertrauen darauf, dass die handelnden Akteure gemeinsam mit den Universitäten, Fachhochschulen und den Bibliotheken hier eine gute Strategie gemeinsam auf den Weg bringen. Das wäre ein wichtiger Schritt nach vorne für die Forschungslandschaft in M-V. Ich bitte um Ihre Zustimmung. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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