Hannes Damm
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Bei der AfD kann man sich ja nicht mal darauf verlassen, was sie hier übers Wetter erzählt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Vizepräsidentin Elke-Annette Schmidt übernimmt den Vorsitz.) 4 Gigawatt aktuell PV-Erzeugerleistungen, angeblich da draußen nur Suppe – zum Glück haben wir ein europäisches, haben wir ein deutsches Energiesystem und helfen uns gegenseitig solidarisch. (Heiterkeit bei Michael Meister, AfD – Enrico Schult, AfD: Ja, sehr schön, und legen dafür ordentlich Geld auf den Tisch. – Zuruf von Petra Federau, AfD) Mal die aktuellen Zahlen von 11:00 Uhr: wie gesagt, 4 Gigawatt PV, 13 Gigawatt Wind – worauf Sie die ganze Zeit übrigens hetzen –, Pumpspeicher 2, Laufwasser 1 2 / und Biomasse 5 Gigawatt. Windenergie sind also – 2 50 Prozent, mehr als 50 Prozent in einer erneuerbaren Erzeugung – selbst bei so einem Wetter fast die Hälfte des gesamten Strombedarfs aus Erneuerbaren. (Thore Stein, AfD: Und die andere Hälfte?) Und Sie erzählen uns hier, das wäre nicht grundlastfähig bei diesem Wetter! (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Da fehlen 50 Prozent. – Thore Stein, AfD: Und die andere Hälfte?) Die andere Hälfte auch momentan, ja, aus Braun- und Steinkohle, aber weniger als aus Erneuerbaren, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Aha! – Zuruf von Horst Förster, AfD – Heiterkeit bei Petra Federau, AfD) und im Moment auch noch aus Erdgas. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Aber genau, weil wir da weg wollen von, genau deswegen sind wir ja für den Ausbau der Erneuerbaren. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und da kann ich mich den Worten, die hier schon gefallen sind von den Demokratinnen und Demokraten, nur anschließen. Und Sie sagen ja, Sie sagen ja, dieses Thema, dieses, damit zerstören wir unser, unser Land, da ist jeder dagegen, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das kann man sehen, das brauchen wir gar nicht zu sagen.) die Bedürfnisse der Menschen, die werden überhaupt nicht beachtet. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das kann man sehen. – Zuruf von Petra Federau, AfD) Und da muss ich sagen, bei so einem Thema wie dem Ausbau der Windkraft, da hilft es dann manchmal, zwei Schritte zurückzugehen, den Blick ein bisschen zu weiten und sich auf die Fakten zu konzentrieren. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Weil die Dinger so groß sind und der Kopf nicht in den Nacken fliegt.) Als Physiker ist mir das extrem wichtig. Und bei meinen Anträgen lese ich sonst – im Gegensatz zu Ihnen offensichtlich – auch wissenschaftliche Studien, lerne oft dazu. Manchmal werde ich auch überrascht, zum Beispiel letzten Monat, als ich herausgefunden habe, dass blauer Wasserstoff nachweislich klimaschädlicher ist als die Nutzung von fossilem Erdgas. Grüner Wasserstoff schlägt natürlich beide um Längen. Die Wissenschaft hilft uns also, den richtigen Weg zum Ziel zu finden. Das Ziel meiner Fraktion ist ein möglichst lebenswerter Planet. Im Gegensatz zu manchen anderen Parteien beachten wir nämlich nicht nur die Bedürfnisse von Menschen, die in Deutschland oder M-V leben, sondern die aller Menschen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Doch was heißt eigentlich lebenswert und welche Rolle spielt dafür die Windenergie? Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick darauf werfen, welche menschlichen Bedürfnisse durch Windkraft gedeckt werden! Also als hilfreiches Instrument kann man da die Bedürfnispyramide nach Maslow anwenden. An der Basis der Pyramide stehen die grundlegenden sogenannten physischen Bedürfnisse. Dazu gehören unter anderem Atmung, Wasser, Nahrung, Schlaf und die menschliche Körpertemperatur. Also zur Atmung: Die Alternative zu Windkraft – gerade nachts und im dunklen Winter – sind wohl Kohle und Erdgas. Ohne Energiewende, wenn Kohle und Gas unverändert weiter verbrannt werden, erreichen wir Ende des Jahrhunderts eine CO -Konzentration in der Atmo-2 sphäre von annähernd 1.000 Parts per million. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) 1.000 Parts per million, das ist die CO -Konzentration, 2 die in einem stickigen Klassenzimmer erreicht wird, wenn man zu wenig lüftet. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) 1.000 Parts per million, das ist die CO -Konzentration, 2 die der Ausschuss für Innenraumrichtwerte bereits als hygienisch bedenklich bewertet. (Zuruf von Petra Federau, AfD) Studien zeigen, dass Menschen ab 1.000 Parts per million physische und psychische Leistungsverluste haben. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Ohne Energiewende hätten wir diese Werte Ende des Jahrhunderts dauerhaft an der frischen Luft. Die frische Luft würde sich so ähnlich anfühlen, wie wir es heute aus überfüllten Räumen kennen. Setzen wir also auf die Energiewende und damit auf Windkraft, wird unser Bedürfnis, saubere Luft mit einer niedrigen CO - 2 Konzentration zu atmen, erfüllt. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zweites Bedürfnis, das Wasser: Was lässt sich zum Wasser sagen? Öltankerkatastrophen verdreckten Ozeane, Fracking ruiniert das Trinkwasser. Zudem brauchen fossile Kraftwerke Unmengen an Wasser. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: LNG finden Sie also total toll?) Sieben Prozent der weltweiten Wasserentnahme gehen für die Produktion allein von Kohlestrom drauf. Auch Atomkraftwerke sind auf Unmengen von Kühlwasser angewiesen. Deswegen hat Frankreich so massive Probleme, in den trockenen Sommern ausreichend Strom zu produzieren. Auch das, meine lieben Damen und Herren, gehört zur Wahrheit. Windräder haben diese Probleme nicht. Windkraft schlägt also, trägt also auch dazu bei, unsere Wasserressourcen zu schonen. Drittes Bedürfnis, die Nahrung: Sie wissen es alle, die Klimakrise bedroht weltweit die Nahrungsmittelsicherheit, weil die landwirtschaftliche Produktion gefährdet ist, vor allem durch Hitze und Dürre in den Ländern des globalen Südens. Die klimafreundliche Windkraft sichert also auch unsere Lebensmittelsicherheit. Viertes Bedürfnis, Schlaf: Klimakrise – klar, wenn es nachts so heiß wird, dass man kaum ruhig schlafen kann, dann ist das keine erholsame Nacht mehr. Die Energiewende sichert uns ein angenehmes Klima. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Windräder sind also wichtig für einen erholsamen Schlaf, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) besonders in den Ländern, die heute schon heiß sind. Fünftes Bedürfnis, die Körpertemperatur, und das ist mit Blick auf die Klimaerhitzung, hoffe ich, auch für Sie selbsterklärend: (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) 100 Millionen Menschen, die in der Nähe des Äquators leben, sind heute schon durch Hitzewellen lebensbedrohlich gefährdet. Mittels Windrädern eine weitere Erhitzung zu vermeiden, rettet also Menschenleben weltweit vor dem Hitzetod. (Enrico Schult, AfD: Haben Sie das Thema der Aussprache eigentlich gelesen?) Windkraft hilft uns also bei der Deckung unserer grundlegenden Bedürfnisse, eben weil Windkraft die lebensgefährlichen Nachteile der fossilen Energieträger nicht mit sich bringt. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Es gibt in der Bedürfnispyramide aber nicht nur physische Bedürfnisse, sondern auch höhere Bedürfnisse, wie soziale Bedürfnisse und das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Aha! Da sehen Sie sich drin, oder was?!) Hierzu kann man zum Beispiel eine starke Industrie mit sinnstiftenden und gut bezahlten Arbeitsplätzen zählen. (Petra Federau, AfD: Genau!) Bei der Windkraft haben wir da in M-V im aktuellen Jahr wirklich tolle Nachrichten zu vermelden. Die Ansiedlung des Joint Ventures Neptun Smulders Engineering in Rostock wird Hunderte direkte und indirekte Arbeitsplätze nach sich ziehen. Neptun Smulders wird in Rostock sogenannte Konverterplattformen bauen, also Umspannwerke auf See für die Offshorewindparks. Jede einzelne dieser Konverterplattformen wird eine Leistung von zwei Gigawatt haben, kann also viermal so viel Strom aus Windkraft in unser Stromnetz einspeisen wie beispielsweise das Rostocker Kohlekraftwerk, (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und zwar jede einzelne. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Beim Besuch auf der Werft im Herbst konnte ich gemeinsam mit meiner Fraktion die Aufbruchsstimmung förmlich spüren. Die Energiewende funktioniert, sie schafft hochwertige Arbeitsplätze und sie erhält unsere Werften, und zwar diesmal langfristig. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Windkraft an Land muss in Mecklenburg-Vorpommern für die bundesweite Klimaneutralität von derzeit 4 Gigawatt auf 17 Gigawatt im Endausbau vervielfacht werden und natürlich ist das auch eine Herausforderung für Mensch und Natur. Verschiedene, teils widersprüchliche Ziele und Bedürfnisse müssen miteinander in Einklang gebracht werden, um die Windkraft möglichst schonend auszubauen. Und das hat Herr Seiffert schon gesagt, unsere vier Regionalen Landesverbände leisten hierbei schon heute eine herausragende Arbeit. (Beifall Rainer Albrecht, SPD: Jawoll!) Kohle, Gas, Erdöl und Uran sind allerdings die eindeutig schädlicheren und gefährlicheren Alternativen, und das wissen – mit Ausnahme von Ihnen – alle. Sie sind im Übrigen auch die Variante mit weniger wirtschaftlichen Chancen. Weniger statt mehr Windkraft wäre letztendlich nur durch weniger Energiekonsum und weniger Ressourcenverbrauch möglich. Das ist übrigens etwas, worüber wir auch einmal mit Ihnen zusammen hier gern mal diskutieren würden. Dafür stehen wir zur Verfügung. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
