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Simone Oldenburg

15.12.2023 Sitzungen 8/71

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Danke an mehr als 16.000 Personen, die mit viel Leidenschaft diese Petition begleitet haben! Den Initiatoren möchte ich meinen großen Respekt aussprechen, die Förderung, Bildung und Betreuung der Kinder mit einer Volksinitiative zu thematisieren, die eine wertvolle Ergänzung zur parlamentarischen Demokratie ist. Zum Inhalt der Volksinitiative wird sich der Ausschuss vertieft befassen. Vorab aber einige Anmerkungen: Die Volksinitiative setzt sich vollkommen zu Recht für eine Qualitätsverbesserung in allen Bereichen der Kindertagesförderung ein. Es braucht nicht viele Argumente, um zu verstehen, dass sich kleinere Gruppen positiv auf eine verstärkte individuelle Förderung auswirken und sich daraus selbstverständlich mehr Zeit für Bildung, Förderung und Betreuung ergibt. Die Forderungen der Volksinitiative sind jedoch derart ambitioniert, dass es keine Landesregierung, durch welche politischen Farben auch immer geprägt, umsetzen kann. Das möchte ich an der vorgeschlagenen Absenkung der Fachkraft-Kind-Relation kurz skizzieren. Diese soll in der Krippe auf 1 : 4 erfolgen, das bedeutet einen zusätzlichen Bedarf von 1.878 Erzieherinnen und Erziehern. Die Senkung des Fachkraft-Kind-Verhältnisses in der Kita auf 1 : 10 setzt weitere 2.347 zusätzliche Fachkräfte voraus, und letztendlich benötigen wir für eine Senkung des Schlüssels im Hort auf die geforderten 1 : 17 nochmals 777 Fachkräfte. In summa bedeuten diese drei Forderungen, so verständlich und förderlich sie auch sind, mehr als 5.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich. Wenn wir bedenken, dass wir jährlich circa 1.700 pädagogische Fachkräfte ausbilden und damit circa 300 über den Bedarf in der Kindertagesförderung, bräuchten wir ohne Beachtung der benötigten Fachkräfte in der Jugendhilfe und ohne Rücksicht auf die Renteneintritte circa 16 Jahre, unabhängig davon, dass es doch überhaupt nicht die Menschen gibt, die diesen Bedarf decken können, denn wir haben ja nicht nur einen Fachkräftemangel, wir haben einen Mangel an Menschen, weil sich alleine in Mecklenburg-Vorpommern die Anzahl der Berufsschülerinnen und Berufsschüler in den letzten 30 Jahren um circa 70 Prozent reduziert hat. Deshalb wäre es eben auch keine Lösung, unendlich viele neue Klassen zu eröffnen, da die Klassen fast leer bleiben würden, weil es eben die Auszubildenden gar nicht gibt. So erklären sich auch die derzeit noch circa 100 freien Plätze in den Ausbildungsgängen, die zu staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erzieher führen. Dass die für diese große Veränderung notwendigen Personen fehlen, das ist in allen Gremien auf sämtlichen Ebenen bekannt. Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich auf die Gespräche mit den Kommunen, den Erzieherinnen und Erziehern, den Trägern und den Abgeordneten im Ausschuss, denn Verbesserungen im Fachkraft-Kind-Verhältnis sind vor allem in der Krippe geboten. Aber alles kann nur Schritt für Schritt und planvoll erfolgen und es muss realistisch umsetzbar sein. – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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