Jutta Wegner
Es gibt ja wenige Debatten in diesem Haus, die mir weniger Spaß machen als diese. Ich finde, es gibt Themen, über die muss man nicht reden, sondern die muss man geschehen lassen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD: Ja, na klar!) Der vorliegende Antrag versucht, in Mecklenburg-Vorpommern etwas zu etablieren, was die CDU nicht nur in Sachsen durchgesetzt, sondern auch zum Beispiel in Sachsen-Anhalt bereits beschlossen hat. Das Gendern an Schulen wird verboten. (Zuruf von Michael Noetzel, DIE LINKE) Spiegelt sich geschlechtergerechte Sprache in der Schrift, wird diese bestraft. (Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD, und Torsten Renz, CDU: Richtig!) Denken ja, Handeln nein. Diesen Versuch startet die CDU nun ebenfalls hier bei uns und in Thüringen. Wir wissen, Sie sind unter Druck. Wir wissen, Sie wollen bestimmte Wähler/-innen zurückgewinnen. Gendern ist da ja so ein schönes Aufregerthema, nicht wahr? Die AfD voran und die CDU hinterher (Enrico Schult, AfD: Ja, so ist es richtig. Die Reihenfolge stimmt, Frau Wegner!) nutzen dieses kleine, aber feine Thema der Geschlechtergerechtigkeit gern, (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) um in den sozialen Medien Stimmung zu machen. Aber passen Sie gut auf sich auf, sonst enden Sie noch wie die Kolleg/-innen rechts außen. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD – Ann Christin von Allwörden, CDU: Sie haben in der Aufzählung Schleswig-Holstein vergessen. Schleswig-Holstein!) Ich zitiere: „völlig gaga“, „im Genderwahn“. (Ann Christin von Allwörden, CDU: Da machen Sie auch mit übrigens!) Aber da vergessen Sie bei Ihrer Strategie mal zwei Sachen nicht – Grüße auch an Herrn Merz an dieser Stelle –, denn erstens würde es auch den Konservativen der CDU nicht schaden, sich über Geschlechtergerechtigkeit im weiteren Sinne mal Gedanken zu machen. (Wolfgang Waldmüller, CDU: Machen wir.) Anstatt bei den Rechtsextremen zu fischen, versuchen Sie doch mal, Ihr Wählerpotenzial bei den Frauen auszubauen! Versuchen Sie doch mal, etwas an der gerechten Verteilung von Erwerbs- und Carearbeit (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Ann Christin von Allwörden, CDU: Die CDU wird meistens von Frauen gewählt. Haben Sie sich damit schon mal befasst?) oder einer familienfreundlicheren Arbeitszeit auch für Väter zu verändern! Schärfen Sie doch Ihr konservatives Profil, anstatt den populistischen Rufen anderer nachzueifern! Sie standen doch mal für Familienpolitik. (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und AfD – Petra Federau, AfD: Ja, eben!) Arbeiten Sie doch an der gleichen Vergütung für Männer und Frauen, an mehr Zeit für die Kinder, einer besseren Absicherung für junge Eltern! Seien Sie doch authentisch und ehrlich konservativ, (Daniel Peters, CDU: Wir wollen die Familie doch nicht auflösen, so, wie Sie es nämlich wollen!) anstatt sich am Thema Gender (Zurufe vonseiten der Fraktion der SPD: Oh!) und am Thema Sprache ein ums andere Mal in Populismus zu verirren! (Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD – Zuruf von Daniel Peters, CDU – Glocke der Vizepräsidentin) Denn wir wissen zweitens …
