Sabine Enseleit
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Antrag der AfD hat mich ehrlich gesagt in mehrfacher Hinsicht zum Staunen gebracht. Die Forderung nach mehr finanzieller Bildung an den Schulen wurde in letzter Zeit deutlich häufiger von Christian Lindner und Bettina Stark-Watzinger öffentlich artikuliert als von der AfD. (Andreas Butzki, SPD: Das glaube ich auch.) Jetzt kann man sagen, da haben Sie ein neues Thema für sich entdeckt und wollen dazu auch mal einen Antrag machen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Da kann ich nur sagen, nehmen Sie sich beim nächsten Mal etwas mehr Zeit dafür oder überlassen Sie das Thema am besten gleich der FDP! (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD) Die beschäftigt sich nämlich wesentlich intensiver mit dem Thema. (Beifall Barbara Becker-Hornickel, FDP) Denn Ihr Antrag zeigt, wie wenig Sie sich doch damit beschäftigt haben. Und ich würde noch weiter gehen: In Ihrem Antrag gehen Sie gar nicht auf die Situation beziehungsweise auf die Lehrpläne und Lehrmaterialien in Mecklenburg-Vorpommern ein. Haben Sie den Antrag vielleicht einfach woanders abgeschrieben? Kann man machen, muss man aber nicht. (Enrico Schult, AfD: Haben wir aber auch nicht.) Mit Ihrer grundsätzlichen Feststellung, dass es in unserer Gesellschaft an finanzieller und ökonomischer Grundlagenbildung fehlt, haben Sie recht. Da bin ich ganz bei Ihnen. Aber Ihre Ableitungen daraus sind leider nicht das, was wir hierzulande brauchen, denn mit der Forderung nach einem Masterplan und Richtlinien setzen Sie auf Verwaltung und Bürokratie. Es scheint, dass in Mecklenburg-Vorpommern sich ein eigener Wirtschaftszweig entwickelt hat, Vorschriften, Richtlinien, Gesetze zu produzieren, dazu passende Dokumente zu publizieren, zu versenden, zu archivieren und so neue Arbeitsplätze in der Verwaltung und Bürokratie zu schaffen. Dabei ist es so einfach. Es würde reichen, wenn Sie sich anschauen würden, was wir an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern zu dem Thema schon haben und woran wir anknüpfen könnten. Es wäre viel einfacher, wenn Sie sich ein paar Fragen stellen würden, zum Beispiel: – Wie werden die Themen „Entrepreneurship Education“ oder „Finanzmanagement“ in einzelnen Schularten abgebildet? (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Ich kann Ihnen nur sagen, da gibt es einen großen Unterschied zwischen Berufsschulen und Gymnasien. – Man könnte sich fragen: Welche Expertise zum Thema „Ökonomische Bildung“ haben wir im Land, und wie könnten wir sie sinnvoll für unsere Bildungseinrichtungen nutzen? – Wo gibt es schon gute Ansätze, an die man das Thema „Finanzielle Bildung“ andocken kann, und welche unbürokratischen Maßnahmen brauchen wir dazu? Es gibt einige gute Wege, das Thema in den Schulen zu stärken. Auch wenn das Bildungsministerium immer wieder behauptet, das machen wir schon, das stimmt nicht. Das zeigt ein Vergleich mit anderen Bundesländern – das wurde ja auch schon angesprochen –, wo zum Beispiel das Thema „Finanzmanagement“ im Wahlpflichtunterricht angeboten wird und von den Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen wird. (Andreas Butzki, SPD: Das Börsenspiel der Sparkasse, das gibt es.) Die Frage ist nur, ob das im Sinne des linken Bildungsministeriums ist, Jugendliche zu Themen wie Aktien, Altersvorsorge oder vor allen Dingen Vermögensaufbau aufzuklären. Ich vermute mal, nein. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Ich werde jetzt aber an dieser Stelle Ihnen bestimmt nicht die Arbeit abnehmen und Ideen liefern, wie man effizient und möglichst unbürokratisch solche Maßnahmen denkt, denn was wir in unserer Bildung brauchen, ist mehr Flexibilität und eben keine Masterpläne. Deshalb wäre mein Tipp, überlassen Sie die Themen Wirtschaft und Ökonomie einfach der FDP! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall und Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD und FDP – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD)
