landtag-mv.de ↗

Enrico Schult

AfD 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ja, wir bleiben in der Schule und wir bleiben bei einem wichtigen Thema oder wir widmen uns einem wichtigen Thema. Meine Fraktion hat einen Antrag eingebracht, die finanzielle und die ökonomische Bildung, der Bildung noch mehr Gewicht zu verschaffen in den Schulen, denn nicht nur die Elementarbildung ist wichtig in unseren Schulen – da weisen wir als AfD-Fraktion ja immer darauf hin –, nein, auch die Schule muss aufs Leben vorbereiten. Und das tut sie in dem Bereich der finanziellen und ökonomischen Bildung derzeit zu wenig. Wer die Entscheidungen des Lebens bewältigen möchte, der braucht natürlich auch das Rüstzeug, und dieses Rüstzeug, werte Kollegen, können wir unseren Kindern in der Schule, unseren Schülern in der Schule mitgeben, denn es ist in der Tat so, dass unsere Schüler, unsere Jugendlichen, unsere Kinder mittlerweile früh schon zu Konsumenten werden. Und dadurch sind sie Adressat auch von Werbetreibenden und dergleichen. Und daher ist es wichtig, sie da zu sensibilisieren, sie darauf aufmerksam zu machen und da eben auch die richtige Entscheidung zu treffen. Es muss nämlich nicht immer das neueste Handy sein, und es ist eben auch wichtig zu erkennen, als Jugendlicher oder als Schüler, was es bedeutet, einen Vertrag einzugehen, sich langfristig zu binden oder eventuell dann künftig einmal in der Schuldenfalle zu sein. Das sind Dinge, denen müssen wir noch viel mehr Platz einräumen, denn das sind die Probleme des Alltags, werte Kollegen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr richtig!) Und es sind oftmals ganz banale Fragestellungen, beispielsweise: Wo ist der Unterschied zwischen einer Bankkarte oder einer Kreditkarte? Oder welche Versicherungen benötigt man? Oder was muss ich beachten, wenn ich später eine Familie gründen möchte? Welche finanziellen Herausforderungen kommen auf mich da zu? Ist es sinnvoll, frühzeitig einen Bausparvertrag abzuschließen, beispielsweise um sich Wohneigentum zuzulegen, oder allgemein die Altersvorsorge? Das sind alles Themenkomplexe, die sind relevant, die sind wichtig. Die werden aber bei uns in den Rahmenplänen in der Schule nicht entsprechend abgebildet. Sie werden lediglich gestreift. Und deshalb haben wir das jetzt noch mal hier auf die Tagesordnung setzen lassen, dass wir da einen besonderen Fokus drauf legen, auf diese Fragestellung. Oder allein die Frage des Lohnzettels, ich weiß nicht, wie viele Eltern, ich weiß nicht, wie viele von Ihnen zu Hause schon mal mit den Kindern den Lohnzettel ausgewertet haben und sich dann (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und sich dann die Frage gefallen lassen mussten: Mensch, der Staat greift hier tüchtig in die Tasche, oder? (Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Das ist eben ganz wichtig, dass man halt auch solche Betrachtungen vornimmt. Und das könnte man durchaus in der Schule tun. Und es ist aber auch wichtig für den beruflichen Werdegang, möchte ich später Angestellter sein, möchte ich mich beispielsweise selbst als Gründer betätigen. Das sind viele ökonomische Fragen, die man in der Schule sozusagen thematisieren müsste, denn wir haben – und das ist, glaube ich, kein Geheimnis – ganz viel politische Bildung in unseren Schulen. Da legt die Landesregierung ja sehr großen Wert darauf. (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich war unlängst beim Jahreskongress der politischen Bildung in Greifswald an der Universität, und da war man dann irritiert über die aktuellen Umfrageergebnisse. Und das Patentrezept war, wir müssen noch mehr politische Bildung in den Schulen anbieten. (Jan-Phillip Tadsen, AfD: Verrückt!) Und da sieht man mal wieder, da wird der Fokus drauf gelegt. (Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) Wir sehen als AfD, dass das nicht das Rüstzeug ist für das Leben, sondern wir müssen die Kinder auf das wahre Leben da draußen vorbereiten. Und wir müssen sie sensibilisieren, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) wir müssen sie sensibilisieren, dass das Steuergeld natürlich nicht irgendwo auf Bäumen wächst, sondern dass das auch hart erarbeitet werden muss. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr richtig! – Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD: Können Sie auch noch was lernen.) Defizite in der ökonomischen Bildung, Frau Schröder – hören Sie zu! –, sind nämlich auch in Ihrer Partei zuhauf vorhanden. (Zuruf von Jan-Phillip Tadsen, AfD) Ich habe mir jetzt einige, einige Artikel, (Zuruf von Christian Winter, SPD) einige Artikel durchgelesen. Und in der Tat, es wäre gut, wenn das bei Ihnen auch schon angeboten worden wäre in der Schule. (Jan-Phillip Tadsen, AfD: Ja.) Der SPD-Landesvorstand fordert ein Grunderbe von 60.000 Euro für jeden Bürger ab 18 Jahre. (Thore Stein, AfD: Wahnsinn!) Liebe Kollegen, wer soll das finanzieren? (Jan-Phillip Tadsen, AfD: Wahnsinn! – Zuruf von Christian Winter, SPD) Und da würde ich mir wünschen, dass da die politische Bildung in der Schule schon ganz früh anfängt. Dann könnte man den Kindern nämlich erklären, dass das überhaupt nicht finanzierbar ist, finanziert über die Erbschaftssteuer. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Das sind absurde Forderungen, die Sie hier in den Raum stellen, um vielleicht noch so ein paar Wählerstimmen sich zu erkaufen. (Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) Und da müssen wir unsere Schüler auch darauf einrichten oder darauf einstellen, dass hin und wieder mal von Politikern solche Nebelkerzen gezündet werden. (Zuruf von Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Oder auch der Mindestlohn, auch eine Forderung Ihrer Partei, 15 Euro Mindestlohn, (Zuruf von Dr. Anna-Konstanze Schröder, SPD) vom SPD-Landesvorstand. Und das ist ja nun nicht irgendwer, Ihre Landesvorsitzende Frau Schwesig. Es ist der Landesvorstand. Es ist nicht, (Zuruf von Christian Winter, SPD) es ist nicht irgendein SPD-Kreistagsabgeordneter, sondern das ist der Landesvorstand. 15 Euro Mindestlohn! (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und, Herr Winter, Sie müssen den Leuten dann auch mal erklären, wie das erarbeitet werden soll. Erklären Sie das den Schülern! (Zurufe von Andreas Butzki, SPD, Christian Winter, SPD, und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da brauchen Sie diese Sensibilität in den Schulen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Alles auf Pump.) Wir haben jetzt schon einen Steuerzahlergedenktag, dass bis zum 12.07. die Bürger nur für den Staat arbeiten (Unruhe vonseiten der Fraktion der SPD – Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Glocke der Präsidentin) und ab 12.07. für sich selbst, für die eigene Tasche. Und auch das sollte man den Schülern tatsächlich mal so darlegen. Oder der SPD-Ostbeauftragte forderte zum 18. Geburtstag einfach mal so 20.000 Euro als Geschenk vom Staat. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Herr Winter beklagte auch in dem Artikel die Vermögensverteilung in Mecklenburg-Vorpommern, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und gerade solche Dinge, diese Umverteilungsfantasien, sollten Sie in der Schule durchaus thematisieren. (Zuruf von Christian Winter, SPD) Dass der selbstständig denkende Bürger – und das ist ja Kants Handlungsphilosophie: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ –, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und da müssen wir die Schüler in die Lage versetzen, und deshalb müssen wir ihnen das Rüstzeug, das finanzielle Wissen, das ökonomische Wissen mitgeben, (Zuruf von Christian Winter, SPD) dass sie sozusagen auf solche Nebelkerzen dann auch eingestellt sind und darauf reagieren können. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Denn, werte Kollegen, in den Schulen wird das viel zu wenig thematisiert, insbesondere in der Sekundarstufe I. Andere Länder sind da viel weiter, beispielsweise Baden-Württemberg. Die haben ein eigenes Fach aufgelegt – Wirtschaft und Berufsorientierung. Da sind eigenständig ausgebildete Lehrer, da werden Lehrerfortbildungen angeboten und auch Unterrichtsmaterialien werden dort angeboten, um sozusagen für dieses Fach zu werben. (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Aber das ist Baden-Württemberg, ne?) Ich weiß, es ist schwierig, ein neues Fach jetzt noch hier aufzulegen in Mecklenburg-Vorpommern. Wir kennen die Kontingentstundentafel. Wir wissen alle, wie schwierig das ist. Wir streiten uns um eine Stunde mehr Deutsch oder mehr Sport. Aber deshalb haben wir das jetzt auch nicht explizit als Forderung reingeschrieben. Wir meinen, dass die Unterrichtsinhalte gebündelt werden. Und das ist, wie gesagt, da auch gezielter, dass unsere Schüler sozusagen da ausgebildet werden und ihnen da das nötige Rüstzeug mitgegeben wird, insbesondere im finanziellen und ökonomischen Bereich. „Außerschulische Partner“ ist auch ein Punkt, den wir ja vorgeschlagen haben mit unserem Antrag, außerschulische Partner zu gewinnen, denn es ist so, dass es natürlich da draußen viele außerschulische Partner gibt, die jetzt nicht unseren Schülern irgendwelche Versicherungen verkaufen sollen oder irgendwie eine Altersvorsorge aufschwatzen sollen, (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) sondern die einfach das vermitteln auch und die Sensibilität bei den Schülern wecken für solche Themenbereiche. Da wäre es durchaus möglich, dass, wenn eine Stunde ausfällt, man einfach mal eine digitale Unterrichtsstunde einlegt. Da gibt es durchaus Unterrichtsinhalte, die man da abspielen könnte, insbesondere über die digitale Landesschule. Man muss es nur wollen, werte Kollegen. Und wir als AfD meinen, dass es wichtig ist, dieses mehr in den Fokus zu rücken, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) denn eine zukunftsorientierte, moderne Allgemeinbildung ist dringend notwendig und schafft Bildungsgerechtigkeit. Und bei diesem Wort, werte Kollegen von SPD und LINKE, da müssen Sie hier eigentlich – einige schmunzeln schon, ist klar, das wird uns ja immer wieder in den Debatten zur Bildungspolitik sozusagen aufs Brot geschmiert: Bildungsgerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit –, ja, und hier könnten Sie tatsächlich ein Stück weit Bildungsgerechtigkeit schaffen, denn es ist so, dass in sozial schwachen Elternhäusern eben das Wissen da nicht so vorhanden ist, wie man mit Altersvorsorge umgeht, wie man Kapitalanlagen sozusagen aufstellt, welche Versicherung man benötigt. Und da ist es notwendig, gezielt Lehrer zu haben, die auf diesen Umstand hinwirken können. Wir meinen trotzdem noch – und das ist ja eigentlich das, was ich immer wieder hier am Mikro bekräftige –, dass die Eltern in erster Linie sozusagen Ansprechpartner sind für derlei Fragen. Das geht, das geht … (Torsten Renz, CDU: Davon steht aber nichts im Antrag.) Deshalb sage ich ja hier an dieser Stelle, Herr Renz, dass die … (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Deshalb sage ich hier an dieser Stelle, dass wir natürlich über Elementarbildung – da sind die Eltern dran, wenn sie mit ihren Kindern lesen müssen, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) wenn sie sozusagen wichtige Dinge besprechen, Mathematik, lesen, schreiben und so weiter –, wir können uns nicht vollends auf die Schule verlassen, aber in diesem Punkt ist es wichtig, dass die Schule auch ihren Beitrag dazu leistet, (Zuruf von Horst Förster, AfD) um die ökonomische und finanzielle Bildung in den Mittelpunkt zu rücken. In dem Antrag haben wir es so formuliert, Sie wissen es alle, dass eigentlich die Notwendigkeit besteht. Andere Bundesländer, Bayern, Baden-Württemberg sprach ich gerade an, aber auch Niedersachsen sind da schon viel weiter. (Zuruf von Andreas Butzki, SPD) Ich meine, dass auch Mecklenburg-Vorpommern den einen Schritt weiter in die Zukunft gehen sollte, denn die Kinder, unsere Schüler, werden es Ihnen danken, wenn Sie sie aufs Leben vorbereiten. Und da könnte die Schule einen kleinen Schritt dazu beitragen. – Vielen Dank, werte Kollegen! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Andreas Butzki, SPD)

Alle Reden von Enrico Schult Protokoll ↗