Sabine Enseleit
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Um zu sehen, wie guter Ganztag aussehen und funktionieren kann, braucht man gar nicht so weit zu gehen. Einer der diesjährigen Sieger des Schulpreises, die Heinrich-Hertz-Schule in Hamburg, teilgebundene Ganztagsschule und mit rund 1.500 Schülerinnen und Schülern eine der größten Schulen der Stadt, liegt nur rund 80 Kilometer entfernt. Hier wird das gelebt, was viele sich vorstellen, wenn in weniger als drei Jahren der gesetzliche Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung erfolgt. Hier wird Ganztag gelebt. Das Spannende sei, so sagt der Abteilungsleiter der Jahrgänge 5 und 6, dass das Ganztagskonzept wirklich ein Ganztagskonzept ist. Und hier bei uns, hier ist beim Konzept Fehlanzeige, auch wenn die Ministerin das gerade versucht hat, anders darzustellen. In mehreren Anhörungen wurde von verschiedenen Experten bemängelt, dass es eben dieses Konzept nicht gibt. Und im ganzen Haushalt sucht man auch vergebens nach hinweisgebenden Positionen. Auf Nachfrage der FDP, wie man sich den Ganztag ab 2026 vorstellen darf, an der Schule oder in der Kita beziehungsweise dem Hort, heißt es sinngemäß, man würde einfach das Bisherige fortführen. Und so habe ich die Ministerin jetzt auch verstanden. 2026 ist praktisch übermorgen und wir sprechen jetzt über den Haushalt, der Maßnahmen beispielsweise baulicher Art berücksichtigen müsste. Das Geld vom Bund dafür kommt ab 2024, wie im Antrag der Kolleginnen und Kollegen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auch richtig dargelegt. Dabei heißt die Überschrift ja nicht umsonst „Ganztagsschule“. Und wer glaubt, unter diesem Label das bisherige Konzept einfach fortführen zu können, der hat nicht verstanden, was Ganztag ist. (Beifall René Domke, FDP) International gibt es das Konzept der Ganztagsschulen schon lange, und es ist sehr erfolgreich, denn das ganztägige gemeinsame Lernen und Zeitverbringen leistet einen großen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit. Die aktuellen Studien zum Ganztag zeigen eindeutig, dass anhaltende Teilnahme an Ganztagsangeboten positive Effekte auf soziale Bildungsprozesse sowie auf Leistung und Schulerfolg hat. Dies setzt allerdings eine gute Verzahnung von Vormittags- und Nachmittagsangebot voraus. In erfolgreichen Ganztagsschulen findet ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Ganztagsteam und den Lehrkräften statt. Dieser Austausch stellt sicher, dass Kinder nach ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen gefordert und gefördert werden. Das ist angesichts der aktuellen Entwicklungen und Defizite im Bildungsbereich wichtiger denn je. Darum ist es umso unverständlicher, dass bislang noch kein Konzept zum Ganztag vorliegt. Nach unseren Vorstellungen der Liberalen sieht das Vorgehen etwas anders aus. Wir hätten uns den Herausforderungen schon früher gestellt, aber wir wollen es auch anerkennen, dass das Bildungsministerium sich jetzt der Herausforderung annimmt, denn es ist wichtig für die Kinder in unserem Land, denn für sie bedeutet eine Ganztagsschule, ein guter Ganztag die Chance auf Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe. In dem vorliegenden Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist sehr gut herausgearbeitet, was getan werden muss. Durch den Änderungsantrag wird das Ganze jetzt etwas verwässert. Nichtsdestotrotz werden wir als FDP dem Antrag zustimmen. Wir stehen bereit, gemeinsam ein gutes Konzept für einen guten Ganztag in unserem Land zu entwickeln. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und René Domke, FDP)
