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Jutta Wegner

GRÜNE 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ab dem Jahr 2026 gilt in Mecklenburg-Vorpommern wie bundesweit das Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Es beginnt mit den neuen 1. Klassen und baut dann sukzessive auf bis zur fünften Klassenstufe. Wenn aus Kindergartenkindern Grundschulkinder werden und der Unterricht mittags endet, stehen Eltern oft vor der Herausforderung, eine bedarfsgerechte Betreuung für ihre Jüngsten zu finden. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Inanspruchnahme für einen Hortplatz derzeit bei 75 Prozent ungefähr. Das ist bundesweit ein guter Wert, aber es ist abzusehen, dass wir auf zumindest eine Quote von 86 Prozent hinauslaufen und dafür laut dem Fachkräfteradar der Bertelsmann Stiftung mindestens 300 zusätzliche pädagogische Fachkräfte fehlen. Gehen wir davon aus, dass wir es bis 2026 schaffen, einen Mindestpersonalschlüssel im Hortbereich einzuführen und damit eine landeseinheitliche Basis für das Kindeswohl zu schaffen, fehlen allein hierfür nach Berechnungen der GEW weitere 358 pädagogische Fachkräfte, eine Ausweitung der Inanspruchnahme von Hortplätzen noch nicht einmal mit eingerechnet. Wie man es also dreht und wendet, wir müssen handeln und brauchen dafür eine Gesamtstrategie, denn das Recht auf Ganztagsbetreuung und damit die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann in jedem Bundesland individuell umgesetzt werden und ist nicht nur ein Rechenspiel um die Zahl der benötigten Fachkräfte. Meine Fraktion sieht darin eine große Chance, denn eine ganztägige Betreuung bietet weit mehr als eine reine Freizeitgestaltung am Nachmittag. Sie bietet die Gelegenheit, Schüler/-innen über die Unterrichtszeit hinaus individuell zu fördern. Wir können mit einem guten Konzept dazu beitragen, Bildungsgerechtigkeit zu schaffen und auch für die Kinder eine gute Förderung zu gewährleisten, die in ihrem Zuhause aus unterschiedlichsten Gründen nicht so gut gefördert werden können. Schule bleibt in der Schule. Von zahlreichen Konflikten innerhalb der Familie, die so vermieden werden können, möchte ich jetzt gar nicht reden. Bleiben wir vielmehr bei der Chancengerechtigkeit, die ein qualitativ guter Ganztag bieten kann, Bildungsangeboten, die die Motivation und das Selbstwertgefühl der Schüler/-innen steigern und ihren Bildungserfolg unabhängig von der sozialen Herkunft machen. Angesichts der stetig abfallenden Bildungsergebnisse und der Tatsache, dass auch 2023 der Schulabschluss maßgeblich vom Elternhaus abhängt, ist dies ein dringendes Gebot der Zeit. Expert/-innen sind sich studienübergreifend einig, dass Kinder und Jugendliche, die regelmäßig an guten Ganztagsangeboten teilnehmen, bessere Lernerfolge erzielen und hier bereits entstandenen oder noch drohenden Bildungslücken bestmöglich begegnet werden kann. In Mecklenburg- Vorpommern existieren derzeit zwei Varianten der Ganztagsbetreuung. Zum einen haben wir die Horte als Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Anschluss an die verbrachte Zeit in der Schule. Auf der anderen Seite stehen Ganztagsschulen. Fest steht, in beiden Varianten können außerunterrichtliche Angebote durch eine Mischung aus Lehrpersonal, Experten, externen Kooperationspartnern, wie Sportvereinen, Jugendkunstschulen und weiteren pädagogischen Fachkräften, gelebt werden. Damit dies jedoch umgesetzt werden kann, braucht es Vorbereitungen. Angesichts der Deadline 2026 müssen wir bereits heute anfangen, diese zu erarbeiten. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Uns ist bewusst, dass es in einem Flächenland wie M-V keine einfachen Antworten gibt. Eine Schule in Rostock, umgeben von einer Vielzahl an außerschulischen Lehrpartnern und Fachpersonal, hat andere Herausforderungen als eine kleine Dorfschule, in deren Umfeld nur der lokale Sportverein und vielleicht in einem weiteren Dorf eine Freiwillige Feuerwehr zu finden ist. Doch auch hier kann die Nachwuchsarbeit am Nachmittag beginnen. Auch hier müssen die Kinder die gleichen Möglichkeiten haben und innerhalb ihrer Gemeinden einen flexiblen Ganztag erleben dürfen. Dies steigert nicht zuletzt die Attraktivität des ländlichen Raumes. Liebe Landesregierung, das wird nur erfolgreich sein, wenn wir gute Ideen von den Praktikern einsammeln, gemeinsam gegeneinander abwägen und so die besten Ideen für verschiedene Herausforderungen finden. Wir brauchen deshalb einen Runden Tisch, um das gemeinsam anzugehen. Das Thema Bildung brennt und wir müssen alle gemeinsam zu einer konstruktiven Lösung im Sinne der Kinder kommen. In der Haushaltsanhörung im Bildungsausschuss haben der Landkreistag, der Städte- und Gemeindetag und die freie Kinder- und Jugendhilfe deutlich gemacht, dass sie für Gespräche offen sind, dass sie nur auf Ihr Signal warten, um in einen Prozess einzutreten, der endlich dieses Bildungssystem verbessert. 2026 müssen wir vorbereitet sein. Ich bin sehr froh und danke SPD und LINKE für die konstruktiven Gespräche, nachdem unser Antrag eingereicht war, dass wir bei diesem Thema einen breiten Konsens haben und gestern in gemeinsamen Verhandlungen ein Ergebnis erreicht haben, dass Sie unser Anliegen auch zu Ihrem Anliegen gemacht haben. Diese breite Zusammenarbeit im Interesse der Kinder in diesem Land ist ein Signal ins Land, dass wir uns gemeinsam um die Lösung der Herausforderungen in unserem Bildungssystem kümmern. Das ist ein gutes Signal. Und für das Protokoll möchte ich an dieser Stelle zum Antrag und zum Änderungsantrag noch ergänzen, aus Ziffern 1 bis 4, also aus II. Ziffern 1 bis 4 unseres Antrages wird Ziffer 1 des Änderungsantrages und die bisherige Ziffer 5 wird zur Ziffer 2 des Antrages, über den wir gleich abstimmen wollen. Die Aufgabe ist klar. Lassen Sie uns gemeinsam an die Arbeit gehen und mit den kommunalen Spitzenverbänden, Schulträgern, Verbänden, außerschulischen Partnern und der Politik den Ganztagsanspruch ab 2026 gut ausgestalten, für unsere Kinder und für Mecklenburg-Vorpommern! Prüfen wir gemeinsam, wie wir Hort und Schule gut miteinander verzahnen! Lassen Sie uns herausfinden, wie Schulen für einen guten Ganztag gestaltet werden müssen und was es dafür in M-V zu tun gibt! Lassen Sie uns gemeinsam die Möglichkeiten nutzen, die der Bund uns zur Verfügung stellt, und nach Möglichkeiten suchen, wie wir noch bestehende Lücken schließen können! Schauen wir uns jetzt die Fachkräftesituation in der Jugendhilfe und in den Schulen an und entwickeln wir nach einer gemeinsamen Analyse eine ganzheitliche Strategie, um den Ganztag ab 2026 erfolgreich umzusetzen! Anstatt gegenseitig Fachkräfte abzuwerben, sollten Jugendhilfe und Schulen vielmehr auf Augenhöhe, konzentriert und in multiprofessionellen Teams zusammenarbeiten. Eine Aussprache meiner Fraktion zu diesem Thema hat kürzlich weitgehende Einigkeit gezeigt, und auch bezüglich des Ganztags wiesen die Expert/-innen im Ausschuss auf dringenden strategischen Handlungsbedarf hin. Frau Oldenburg, der Ball liegt nun bei Ihnen. Nehmen Sie ihn für ein besseres Bildungssystem auf! – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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