Dr. Anna-Konstanze Schröder
Also es steht ja drin, im Rahmen der Haushaltsmittel. Und wir haben ja schon mal beschlossen, dass es aus den Resten des Strategiefonds Sondermittel geben soll. Und ich glaube, das ist jetzt einfach noch mal so ein Antrag, auch die Landesregierung zu ermutigen, von den Kulturfördermitteln vielleicht im nächsten Jahr doch das eine oder andere mehr (Zuruf von Torsten Renz, CDU) für Fritz Reuter lockerzumachen (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) aus den freien Kulturfördermitteln. (Torsten Renz, CDU: Der Gesetzgeber sagt, vielleicht. – Zuruf von Marcel Falk, SPD) Ein schönes Beispiel, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) um das fortzusetzen, ist, finde ich, aus seiner Literatur „Hanne Nüte“. Das finden Sie, da kann man mal so reinhören. Das ist lautmalerisch ganz nett gemacht. Es ist nicht nur heimattümlich, sondern ich finde, es ist vor allem sprachlich reizvoll, wie sommerliches Leben auf dem Land erzählt wird und eben auch wie, wenn sich zwei trennen müssen, weil der eine als Geselle auf Wanderschaft gehen muss, wie sie am Ende doch wieder zusammenkommen. Das gibt es ja gelegentlich auch, wenn jemand zur Ausbildung weiter wegziehen muss hier im Land. Also man findet da durchaus auch Parallelen zu heute. Ein anderes Beispiel, „Kein Hüsung“, spielt in der Zeit der Abschaffung der Leibeigenschaft, was ja einerseits natürlich eine große freiheitliche Errungenschaft war, auf der anderen Seite eben auch den Gutsherren ermöglichte, ihre Landarbeiter dann im Winter nicht mehr zu bezahlen. Und die waren dann bitterarm und mussten sehen, wo sie im Winter bleiben konnten. Oft durften sie auch nicht mehr dort unterkommen. Das ist ein Drama, das in diesem Kontext spielt und eben auch deutlich macht, dass Fritz Reuter dort einen Blick hatte für die Armen, die eben nicht mehr wissen, wo sie bleiben sollen, obdachlos werden, und zwar aufgrund der Ungerechtigkeit ihrer Herren. Und ich denke, das hat auch eine Aktualität, wenn wir heute an Geflüchtete denken. Unter diesem Kontext hat es auch die Fritz-Reuter-Bühne hier in Schwerin mal aufgeführt, und das Ganze kann man sich als Hörspiel auch beim Heimatverband ausführlich anhören. Ich finde noch mal spannend, darauf möchte ich noch mal meinen Schwerpunkt legen, das politische Engagement von Fritz Reuter in seiner Zeit. Das ist tatsächlich wenig bekannt, finde ich, verknüpft sich aber doch mit seinem Engagement. In seiner Jugendzeit gab es keine Institutionen, in denen sich gebildete Bürger mit liberalen Ansichten hätten organisieren können, auch keine politischen Mitsprachemöglichkeiten, keine Parteien, keine Vereine, keine gewählten Parlamente. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Burschenschaften.) In den Universitäten trafen sich junge Studenten in Burschenschaften. Da war das Motto, wie wir schon gehört haben, Wein, Weib und Gesang. Heute würde man vielleicht sagen, Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Um Gottes willen!) Und als Student nahm Fritz Reuter aber im Kontext von da, wo man sich traf und über freiheitliche Ideen mehr sang als handelte, am Hambacher Fest teil, das größte Treffen von Demokraten im Vormärz. Hier wurden auch bereits die Farben unserer heutigen Demokratie verwendet, Schwarz-Rot-Gold, da kommt es her, und die standen damals vor allem für Einigkeit, Recht, Freiheit, Bürgerrechte. (Sebastian Ehlers, CDU: So wie heute auch noch.) Genau! Für die Zugehörigkeit zu diesen Gruppen wurde er dann eben verurteilt, zunächst zum Tode, dann zur Festungshaft. Das haben wir schon gehört. Aber Fritz Reuter spielte sein politisches Engagement dieser Zeit auch herunter. Wir haben ja bloß geredet, wir haben bloß geredet und nichts gemacht. Später, nachdem er 1840 aus der Festungshaft entlassen wurde, sich quasi wieder berappelt hatte – das hat ihn doch sehr mitgenommen –, hat er sich eben weiter in sogenannten Reformvereinen engagiert. Ich fand es spannend zu lesen von der Güstrower Deputiertenversammlung, was die damals gefordert haben, was für uns selbstverständlich ist. Ich nenne mal ein paar Beispiele: – eine reine Repräsentativverfassung mit Vertretung des ganzen Volkes ohne eine ständische Gliederung in einer Kammer sowie die vollständige Teilnahme der Kammer an der Gesetzgebung, Steuerbewilligung, Staatshaushalt und außerdem die Auflösung der Stände, also das, was wir hier jetzt praktizieren, – Aufhebung politischer Sonderrechte, – Gleichberechtigung aller Religionen und Konfessionen, das, was wir heute Morgen ja auch betont haben, – Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung, also bereits Gewaltenteilung, – unbedingte Pressefreiheit ohne Kaution- und Konzessionszwang, ohne Pressegesetze, – unbeschränktes Vereinsrecht – also noch mal, damals gab es keine Vereine und oft lernt man ja demokratisches Handeln im Verein –, – allgemeine Städteordnung und ländliche Gemeindeordnung auf Grundlage von Unabhängigkeit. Das nur als ein paar Beispiele. Also es ist spannend, da mal zu gucken. Da war er engagiert, hat nicht nur nette Geschichtchen geschrieben. Und dann im April und Mai war er eben in Schwerin in der „Guten Quelle“ im Außerordentlichen Landtag. Darin gab es damals genauso Monarchisten wie im Paulskirchenparlament, und wie das Paulskirchenparlament in Frankfurt ist auch hier der Landtag gescheitert. Aber seine liberalen Ansichten flossen in seine Literatur ein. Elke-Annette Schmidt hat das vorhin ausführlich dargestellt. Deswegen würde ich bei Fritz Reuter gar nicht so sehr betonen, der war obrigkeitskritisch, irgendwo gegen die da oben, sondern er hatte ganz klar demokratische Ziele, für die er eingetreten ist. Er war nicht einfach gegen irgendwas, gegen die da oben, sondern er hat eben gemerkt, in den Strukturen, die es gab, gibt es keine Demokratie, keine Mitbestimmung für alle Bürger, keine Bürgerrechte, keine Redefreiheit. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Stritt für Fortschritt.) Dafür ist er eingetreten, und das ist ja das, was wir hier heute als Demokratie auch beschützen. Und er war auch kein Mundartdichter, das möchte ich auch noch mal ergänzen, denn Plattdeutsch ist eine eigene Sprache. Viele Vorhaben des Fritz-Reuter-Gedenkjahres und des Jubiläums der Stadt Stavenhagen brauche ich auch hier nicht zu wiederholen, das wurde schon dargestellt, eben auch dargestellt, dass wir das gern, dass wir als Landtag die Regierung auffordern, das zu unterstützen. Ich selbst wünsche mir zum Beispiel schon lange einen schmissigen Roman über das Leben von Fritz Reuter oder eine jugendgemäße Einführung, die mehr über ihn vermittelt, vielleicht über das Leben seiner Zeit in einer spannenden Graphic Novel. Wer macht das? Das kann die Regierung nicht machen, sie kann es unterstützen und fördern. Und über das Gedenkjahr zu Fritz Reuter können wir sicherlich auch das Jubiläum, das wir dieses Jahr eigentlich haben, 175 Jahre bürgerliche Revolution, ins nächste Jahr hinein verlängern. Und mir scheint eben auch wichtig, die internationalen Kontakte in Richtung der beiden Amerikas und Japan zu beleben. Es gibt im Land viele Bürgervereine, engagierte Laien, die Experten der Fritz-Reuter-Gesellschaft und in den Museen, die sich im Förderverein der Reuter-Museen vernetzen. Am Norddeutschen Tag in Dömitz findet so einiges statt, auch der Heimatverband mit seinen Mitgliedern in den Plattdeutschen Wochen engagiert sich. Die Profilschulen Niederdeutsch wurden schon genannt. Das Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik sollten wir nicht vergessen, auch nicht den Lehrstuhl in Rostock, die Fritz-Reuter-Bühne und, ich denke, auch so manche Hidden Cultural Champions, die Fritz Reuter im nächsten Jahr thematisieren könnten. Selbst ein Reuter-Abend in der Landesvertretung beim Bund in Berlin ist bereits angedacht. Auch da gibt es noch viel zu tun für die Engagierten. Und wir fordern zusätzlich in diesem Antrag auf, dass die Landesregierung über die finanzielle Unterstützung hinaus auch medial begleitet. Insbesondere und explizit sollen sich hier auch das Landesmarketing und der Landestourismus einbringen. Hier wird auch ihre Expertise zur guten Vermarktung der Reuter-Stätten gebraucht. Das kann man nicht den ehrenamtlichen Akteuren und kleinen kommunalen Museen allein überlassen. Hier kann das Land mit seinen Bordmitteln auch unkompliziert helfen. Aber vielleicht ist es gut, dass dieser Antrag da noch mal einen extra Anstoß gibt. Unsere Anmerkungen der Koalition zum Änderungsantrag muss ich jetzt auch nicht mehr wiederholen, die hat Elke-Annette Schmidt schon gut dargestellt, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) und darum danke ich an dieser Stelle für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
