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Enrico Schult

AfD 09.11.2023 Sitzungen 8/67

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen! Sehr geehrte Kollegen! Werte Bürger! Auch wir unterstützen diesen Antrag, die Würdigung des Wirkens von Fritz Reuter. Dieser Antrag verfolgt eine Selbstverständlichkeit. Die Ministerin sprach es aus, 150. Todestag, 75. Jahrestag der Gründung des Fritz-Reuter-Museums und der 75. Jahrestag der Reuterstadt Stavenhagen. Fritz Reuter ist das literarische Gesicht Mecklenburgs, ich glaube, das bestreitet niemand hier im Saal. Und Stavenhagen gehört zu meinem Wahlkreis, deshalb freue ich mich, hier diese Rede halten zu dürfen. Und auch ich war natürlich im Fritz-Reuter-Museum und auch ich habe natürlich den Mitarbeitern dort gedankt, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) die da wirklich eine vorbildliche Arbeit machen und das Andenken an Fritz Reuter in der Tat hochhalten. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Das ist auch der Wahlkreis von Herrn Schult, Herr Ehlers. Die wichtigen, die wichtigen Kernbegriffe, die wichtigen Kernbegriffe von Fritz Reuter, da erschließt sich mir dann allerdings auch nicht so wirklich, das sind natürlich Heimat, Herkunft, Tradition, Brauchtum. Da habe ich jetzt die LINKEN und die SPD gar nicht so in Verbindung gebracht, uns natürlich sehr, sehr wohl als AfD-Fraktion. Aber ich freue mich, dass Sie diesen Begriffen auch etwas abringen können und abgewinnen können. Fritz Reuter war ein literarischer Aktivist der liberalen Bewegung des 19. Jahrhunderts, und das trifft auch natürlich das Traditionsverständnis der AfD. Fritz Reuter war Liberaler, er war sogar Demokrat, also inspiriert vom damaligen Fortschrittsgeist, auch Burschenschafter, haben Sie jetzt hier weggelassen. Für diese Gesinnung wurde er in der Zeit der Demagogenverfolgung inhaftiert und erlebte das Verfahren wegen Majestätsbeleidigung, Mitglied in einer Burschenschaft und Singen eines politischkritischen Liedes, „Fürsten zum Land hinaus“. Er verließ diese Festungshaft traumatisiert. Er wurde sogar zum Tode verurteilt, dann begnadigt auf eine 30-jährige Freiheitsstrafe Festungshaft, abgemildert dann durch den mecklenburgischen Großherzog, und ist dann von der Festung Dömitz dann entlassen worden. Der Änderungsantrag der CDU, dem wird meine Fraktion auch nicht zustimmen, weil, da bin ich mit Frau Schmidt einer Meinung, der enthält viele Selbstverständlichkeiten. Und im ersten Satz steht: „So verbrachte er die letzten zwei Jahre seiner Festungshaft in Mecklenburg-Vorpommern in der Festung Dömitz.“ Aber, liebe CDU, damals gab es Mecklenburg-Vorpommern nicht, es war das Großherzogtum Mecklenburg, und insofern, wenn Sie Änderungsanträge schreiben, dann schauen Sie noch mal genau ins Geschichtsbuch! Deshalb wird meine Fraktion diesem Änderungsantrag nicht zustimmen. Dem Antrag stimmen wir allerdings sehr wohl zu, weil wir das Wirken von Fritz Reuter ebenfalls, ja, unterstützen wollen und natürlich auch dieses Großereignis in Stavenhagen im nächsten Jahr. Fritz Reuter war als Strom, also als Volontär, auf den Gütern beschäftigt oder aktiv. Er heiratete die Pfarrerstochter Luise Kuntze, Enterbung durch den Vater, Versuche literarischer Tätigkeit zunächst auf Hochdeutsch und dann der starke Einfall auf Niederdeutsch. Er zog nach Treptow um, das heutige Altentreptow, also ins preußische Pommern damals noch, er war dort als Privatlehrer für Zeichnen und Turnen tätig, und 1853 gelang ihm mit „Läuschen un Rimels“ sein erster furioser Erfolg. Dann war er freier Schriftsteller in Neubrandenburg, und das war seine produktivste Zeit, werte Kollegen, von 1856 bis 1863. Seine Bücher und Geschichten sind latent obrigkeitskritisch, werte Frau Schmidt, also satirisch. Gerade Ihre heutige Borniertheit, sodass man sozusagen demokratische Fraktionen ausschließt und sich als das Maß aller Dinge hier aufspielt, (Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) werte Kollegen von der Linksfraktion und von der SPD, das hätte Fritz Reuter ebenfalls in seinen Werken thematisiert. Das hätte ihm missfallen, (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) und ich weiß nicht, ob diese Vereinnahmung von Ihnen (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) von dieser Stelle ihm so gefallen hätte. Ich glaube, er hätte das genauso kritisch gesehen, wie er das damals kritisch gesehen hat, als eben auch andere Leute obrigkeitswirksam dort agierten und andere Leute, die sozusagen einfach nur eine kritische Meinung hatten, dort inhaftiert haben. Reuter ist als Mundartdichter bekannt, ja, viele literarische Figuren sozusagen haben wir ihm zu verdanken Onkel Bräsig, der Müller der Gielower Mühle. Und, ja, in gewisser Weise hat uns Fritz Reuter das mecklenburgische Leben nähergebracht in seiner Art des Vertellens. Viele Bücher sind entstanden und er ist in der Tat zu einem Autor avanciert, der über die Grenzen Mecklenburgs bekannt wurde. Und das ist in der Tat ein Anlass, dieses zu feiern. Deshalb wird meine Fraktion diesen Antrag voll und ganz unterstützen. Wir haben allerdings noch einen Hinweis, und zwar würden wir da gerne die Fritz Reuter Gesellschaft in Neubrandenburg, die wirklich auch eine vorbildliche Arbeit macht, in die Koordination mit einbeziehen, in die Planung dieses Jubiläums. Fahren Sie mal rum, unterhalten Sie sich mit den Damen und Herren! Es ist … (Torsten Koplin, DIE LINKE: Das machen wir schon.) Das ist schön. Sie machen das schon, perfekt. Das ist nämlich genau jener, also einer von vielen von jenen, die sozusagen dieses Andenken an Fritz Reuter weiter hochhalten. Wir unterstützen diesen Antrag vollumfänglich. Wir haben ja auch das Thema „Niederdeutsch an den Schulen“. Das ist auch eine Möglichkeit, eventuell das noch mal wieder in den Fokus zu bringen. Wir müssen konstatieren, dass leider das Interesse da nicht so sehr hoch ist bei den Schülern. Aber vielleicht gelingt uns das durch das Jubiläum und durch die Feierlichkeiten im Jahr 2024, dort noch ein bisschen Interesse bei den Schülern zu wecken. Ich als AfD-Abgeordneter für diesen Wahlkreis 14 finde es gut, dass wir diesen Antrag unterstützen als Fraktion. Und ich wünsche der Reuterstadt Stavenhagen und allen Beteiligten, die an der Vorbereitung des Jubiläums beteiligt sind, viel Erfolg, und ich werde das natürlich als Abgeordneter vor Ort sehr gerne unterstützen. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)

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