Stefanie Drese
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich halte die Rede in Vertretung für Kulturministerin Bettina Martin und halte mich ab jetzt streng an das Redemanuskript. Fritz Reuter gehört zu unserem Land wie der Wind, die Ostsee oder unsere schönen Wälder. Er ist eine bedeutende Persönlichkeit der Landesgeschichte. Sein Werk ist ein besonderer Teil unseres Kulturerbes, nicht nur regional, sondern deutschlandweit und sogar darüber hinaus. Seine Werke wurden in zwölf Sprachen übersetzt. Neben Klaus Groth gilt Reuter als Mitbegründer der neuen niederdeutschen Literatur. Seine große kulturelle Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern ist in beiden Landesteilen gleichermaßen anerkannt. Es steht also auch dem Landtag gut zu Gesicht, sich mit dieser Persönlichkeit zu befassen und sich für seine öffentliche Würdigung einzusetzen. Reuter gehörte schon zu den Demokraten, als diese von adliger Herrschaft als Demagogen verschrien wurden und diese Etikettierung Gefahr für Freiheit und Leben bedeutete. Reuters Leben steht dafür als Mahnung und Vorbild. Fritz Reuter hat an vielen Orten und in vielen verschiedenen Bereichen Mecklenburg-Vorpommerns seine Spuren hinterlassen. Das aktive Bekenntnis zu Fritz Reuter zeigt sich in unserem Land auf vielfältige Weise: Bei dem wunderbaren Fritz-Reuter-Ensemble in Anklam, das vor 50 Jahren gegründet wurde. Es trägt seit vielen Generationen das Erbe Fritz Reuters, die Heimatverbundenheit, verbunden mit modernem Tanz und Akrobatik in die Gegenwart. Die Ministerpräsidentin hat dem Fritz-Reuter-Ensemble in diesem Jahr den Kulturförderpreis des Landes verliehen, ein wichtiges Signal am Vorabend des Fritz-Reuter-Jubiläumsjahres. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Es zeigt sich beim 1949 in Reuters Geburtshaus – dem früheren Rathaus in Stavenhagen – gegründeten Fritz-Reuter-Literaturmuseum, bei der 1960 gegründeten Fritz Reuter Gesellschaft, die seit 1992 ihren Sitz in Neubrandenburg hat, bei den vielen Erinnerungszeichen, die an Orten zu finden sind, wo Reuter sich aufgehalten hat. Unser Mecklenburgisches Staatstheater hat sogar eine Sparte, die der niederdeutschen Sprache und Kultur gewidmet ist. Die plattdeutsche Bühne erhielt schon 1946 den Namen Fritz Reuters und führt ihn bis heute. Neben dem Ohnsorg-Theater in Hamburg ist die Fritz-Reuter-Bühne ein besonderes Juwel in unserer Kulturlandschaft, um das uns viele andere Bundesländer beneiden. Das Bekenntnis des Landes in Artikel 16 der Landesverfassung zur Förderung von Kultur und niederdeutscher Sprache schloss von Beginn an mit ein, dass Leben und Wirken Fritz Reuters gewürdigt werden und das Reuterʼsche Werk in M-V gepflegt und vermittelt wird. Es gibt zahlreiche Fritz-Reuter-Schulen, Fritz-Reuter-Straßen im Land, Rostock hat sogar den nach ihm benannten Stadtteil Reutershagen. Und wir fangen in der Pflege des Niederdeutschen auch schon ganz früh an, der niederdeutschen Sprache, in den Kitas, mit der wunderbaren Heimatschatzkiste des Heimatverbandes M-V. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Und auch in den Schulen wird das Erbe Reuters aktiv gelebt. 2019 wurde das Landesheimatprogramm „Meine Heimat – Mein modernes Mecklenburg-Vorpommern“ als Querschnittsaufgabe fest in den Rahmenplänen der Schulen für allgemeinbildende Unterrichtsfächer implementiert und damit auch die Beschäftigung mit der niederdeutschen Sprache. Fritz Reuter nimmt in dieser Themensetzung eine zentrale Stellung ein, nicht nur im Fach Niederdeutsch, wo er natürlich auch gern herangezogen wird, um die speziellen Eigenarten des Ostniederdeutschen im Vergleich besonders deutlich zu machen. Wir haben im Land viele Menschen, die die Fahne Fritz Reuters hochhalten, an ihn erinnern, Lesungen und Theaterstücke organisieren. Stellvertretend für viele möchte ich hier den Heimatverband nennen, aber auch die Stiftung Mecklenburg. Sie alle setzen sich dafür ein, dass das Werk Reuters, sein Leben und Wirken bei uns sichtbar sind, die meisten von ihnen im Ehrenamt. Sie sind diejenigen, die dazu beitragen, dass wir den Begriff „Heimat“ heute mit Leben füllen, und zwar so, dass es ein moderner Begriff von Heimat ist. Sie sind diejenigen, die kulturelle Identität stiften, und das ist gerade in diesen Zeiten von Unsicherheit und Wandel so wichtig. Wissen, woher wir kommen, und unsere Wurzeln kennen, das gibt Halt und Orientierung. Und für diese wichtige Arbeit gilt all diesen Menschen mein herzlicher Dank. Sie tun eine enorm wichtige Arbeit für die Kultur unseres Landes und für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und dafür, die niederdeutsche Kultur an die kommenden Generationen weiterzugeben. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Sehr geehrte Damen und Herren, diese vielen Engagierten sind auch diejenigen, die schon seit Langem das Fritz-Reuter-Jubiläum im kommenden Jahr intensiv vorbereiten, viele von ihnen auch mit finanzieller Hilfe durch die Landesregierung. So unterstützt das Kulturministerium zum Beispiel die Stadt Stavenhagen und ihr Fritz-Reuter-Literaturmuseum bei der Vorbereitung und Gestaltung des Festjahres 2024 unter dem Titel „Gedenkminute für Fritz Reuter“ mit 25.000 Euro. Der Förderverein Reuter-Museen, der die Fritz Reuter gewidmeten Museen in Stavenhagen, Neubrandenburg, Dömitz und Eisenach bei ihrer Arbeit begleitet, wird im kommenden Jahr ebenfalls mit Unterstützung des Landes eine Datenbank mit Informationen über die bekannten erreichbaren Fritz-Reuter-Bilder präsentieren. Es könnte keinen besseren Anlass geben, unseren Landesdichter Fritz Reuter zu feiern und ein Spotlight auf sein Werk zu richten. Was das Lutherjahr 2017 für Wittenberg und für Sachsen-Anhalt war, das kann 2024 für die Reuterstadt und für das Reuterbundesland Mecklenburg-Vorpommern werden, wenn Sie mir diesen etwas hoch aufgehängten Vergleich erlauben, um das Potenzial etwas zu verdeutlichen. Und ja, diese Feier, dieses Mehr an Sichtbarkeit gibt es nicht umsonst. Da haben auch die Antragsteller recht. Das Kulturministerium setzt hierfür bereits Mittel aus der Kulturförderung des Landes ein. Dass der Landtag hier eine Stärkung favorisiert, kann ich nur begrüßen. Lassen Sie uns in 2024 gemeinsam das Reuter-Jahr feiern, das Jahr, in dem sich der Todestag von Fritz Reuter zum 150. Mal jährt und zugleich das Fritz-Reuter-Literaturmuseum in der Reuterstadt Stavenhagen 75 Jahre alt wird! Wenn wir mehr Menschen damit erreichen, helfen wir auch jenen engagierten Vereinen, Museen, kurz, allen, die sich der Person und dem Werk widmen. Wir stärken das Bewusstsein für unser demokratisches und unser kulturelles Erbe und die Bereitschaft, sich dafür einzusetzen. Ich freue mich darauf und danke Ihnen herzlich für diesen Antrag und die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
