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Sabine Enseleit

FDP 08.11.2023 Sitzungen 8/66

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Kolleginnen der AfD! Wir Politikerinnen wissen, wie schwierig es manchmal sein kann, der Vielfalt in unserer Gesellschaft in ausreichendem Maße Rechnung zu tragen. Dabei zeigt sich diese Vielfalt oftmals auch in unseren eigenen Reihen, alleine, wenn wir uns die verschiedenen beruflichen Hintergründe ansehen. So gibt es auch bei Ihnen, liebe Kolleginnen der AfD-Fraktion, Agrarwissenschaftlerinnen, eine Hochbaufacharbeiterin, eine Polizistin, eine Richterin, eine Historikerin, eine Politikwissenschaftlerin, eine Journalistin und natürlich auch eine Juristin. (Paul-Joachim Timm, AfD: Von welcher Fraktion reden wir denn?) Wenn man sich unsicher bei bestimmten Fragestellungen ist – ich meine schon Ihre Fraktion –, lohnt es sich manchmal, auf die Wissenschaft zurückzugreifen oder empirische Daten zu bemühen. Danach zu entscheiden, hilft auch manchmal, sich nicht dem Vorwurf des Populismus auszusetzen. Wenn wir uns einmal ganz wissenschaftlich neutral ansehen, wie groß der Anteil der Frauen und wie groß der Anteil der Männer in unserer Gesellschaft ist, dann sehen wir ganz eindeutig, Frauen sind mit 42.799.793 gegenüber 41.559.052 Männern in der Mehrzahl. Eine logische Folgerung aus dieser Tatsache wäre bei der Frage der Gleichstellung von Frauen und Männern in Rechts- und Verwaltungsvorschriften, wenn wir statt des generischen Maskulinums das generische Femininum verwenden, (Heiterkeit bei Ann Christin von Allwörden, CDU) so wie zu Beginn meiner Rede angewandt, liebe Kolleginnen der AfD. Und das ist übrigens kein neuer Gedanke. Die Stadt Buchholz in der Nordheide hat 1994 beschlossen, nur noch weibliche Amts- und Funktionsbezeichnungen zu verwenden. Da war dann nicht mehr die Rede von Ratsherren, sondern sie hießen von nun an Ratsfrauen. (Zuruf aus dem Plenum: Alle!) Sprachwissenschaftlerinnen wie Luise Pusch plädieren für einen Perspektivwechsel nach dem Rotationsprinzip, denn das generische Maskulinum haben wir schon seit Jahrtausenden. (Horst Förster, AfD: Ja, sehen Sie!) Pusch sieht in der Verwendung des generischen Femininums ein Empathietraining für Männer, (Zuruf von Horst Förster, AfD) damit sie mal eine Vorstellung davon entwickeln, was es eigentlich bedeutet, immer nur bestenfalls mitgemeint zu sein. Prüfen Sie selbst, ob Sie sich in meiner Rede angesprochen gefühlt haben! Dann doch lieber die männliche und weibliche Form und Ansprache, liebe Politikerinnen der AfD?! Denken Sie mal darüber nach! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und FDP)

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