Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat den längsten Bahnsteig im Land? Auch wenn ich nicht jeden Bahnsteig in M-V mit einem Zollstock abgemessen habe, weiß ich eines sicher: Neubrandenburg ist es nicht! Hier sind die Bahnsteige nur noch 140 Meter lang, zu kurz für Fernverkehr und zu kurz für die 200 Meter langen XL-Regios, die das Land kürzlich als Verstärkerzüge Richtung Ostsee bestellt hat. Doch der Reihe nach! Wir haben es eigentlich mit einer ganz positiven Entwicklung zu tun. Viele Touristen, egal ob für einen Kurzurlaub oder als Tagesgäste, reisen mit der Bahn nach Mecklenburg-Vorpommern, sicherlich auch ein Erfolg des Deutschlandtickets. Aber die große Nachfrage hat die Züge nach M-V einmal mehr an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht. Das Land hat kurzfristig reagiert und unter anderem die angesprochenen Verstärkerzüge Richtung Ostsee bestellt, eigentlich eine gute Sache. Blöd nur, einige Verstärkerzüge sind von Neustrelitz bis nach Stralsund ohne Halt durchgefahren, und zwar nicht, weil die Züge überfüllt gewesen wären und in Neubrandenburg keiner mehr reingepasst hätte, sondern weil die Bahnsteige zu kurz sind, um dort anzuhalten. Die kurzfristige Reaktion der Landesregierung auf die hohe Nachfrage, nämlich die Bestellung zusätzlicher XL-Regios, hat unfreiwillig, aber gnadenlos die Versäumnisse der Vergangenheit offengelegt, und zwar den Rückbau der Bahninfrastruktur, in dem Fall der Bahnsteige. Das Kaputtsparen der Bahn war ein riesengroßer Fehler, meine Damen und Herren. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das zeigt sich seit Jahren an allen Ecken und Kanten und jetzt auch an den Bahnsteigkanten in M-V. Wenn ein Regionalzug mit einem zusätzlichen Wagen ausreicht, um das System an seine Grenzen zu bringen, dann offenbart das mehr als deutlich, hier herrscht akuter Handlungsbedarf, erst recht mit Blick auf die angekündigte Mobilitätsoffensive des Landes, angesichts des erfolgreichen Deutschlandtickets und vor dem Hintergrund, perspektivisch die Fahrgastzahlen noch stärker zu erhöhen. Damit zukünftig längere Züge eingesetzt werden können und die wachsende Zahl an Bahnreisenden bewältigt werden kann, fordern wir in unserem Antrag die Landesregierung auf, mit der Deutschen Bahn in Kontakt zu treten und gemeinsam dafür Sorge zu tragen, dass zumindest zwei Bahnsteige in Neubrandenburg bis Sommer 2024 auf 210 Meter ausgebaut werden. Gerade für Neubrandenburg als Oberzentrum und drittgrößte Stadt des Landes ist es nicht hinnehmbar, dass Regionalzüge dort nicht halten können, weil die Bahnsteige zu kurz sind. Bereits während der Planfeststellung für den Bahnsteigumbau in Neubrandenburg gab es in der Stadt sehr viele Stimmen – unter anderem meine –, die die Kürzung der Bahnsteige kritisch gesehen haben. Zugesagt wurde deshalb, dass die Bahn Vorkehrungen treffen wird, damit mindestens zwei Bahnsteige kurzfristig und unkompliziert wieder auf 210 Meter verlängert werden können. Spätestens mit den Ereignissen dieses Sommers kann es keine Zweifel mehr geben, der Bedarf für eine kurzfristige und unkomplizierte Bahnsteigverlängerung auf 210 Meter ist eindeutig gegeben. Mit den steigenden Fahrgastzahlen werden aber nicht nur über Neubrandenburg längere Züge fahren müssen, sondern auch auf anderen Strecken. Es ist deshalb dringend notwendig – und das ist der zweite Teil unseres Antrags –, die Bahnsteiglängen überall im Land zu überprüfen und einen Maßnahmenplan zu entwickeln, wie die Bahnsteige den zukünftigen Bedarfen und wachsenden Anforderungen gerecht werden können. Es geht einfach nicht, dass Züge durchs Land fahren, finanziert mit Regionalisierungsmitteln, die nur in Neustrelitz halten und für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern quasi keinen Mehrwert haben! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der Erfolg der Bahn darf in Mecklenburg-Vorpommern nicht an zu kurzen Bahnsteigen scheitern, meine Damen und Herren! Deswegen muss die Infrastruktur mit den Angebotsverbesserungen Schritt halten. Und weil nach dem Sommer vor dem Sommer ist und im nächsten Jahr womöglich noch mehr Menschen mit der Bahn nach M-V reisen werden, ist es allerhöchste Eisenbahn, die Verlängerung der Bahnsteige anzuschieben. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
