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Sabine Enseleit

FDP 22.09.2023 Sitzungen 8/65

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, keine zwei Wochen ist es her, dass wir erfahren haben, dass Mecklenburg-Vorpommern auch im Bildungsmonitor der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ abgerutscht ist auf Platz 11 von 16. Statt dieses erneut schlechte Zeugnis ernst zu nehmen und zu überlegen, in welchen Fächern man vielleicht Nachhilfe braucht, stellt die Ministerin die Legitimation der Studie insgesamt infrage. Die Begründung klang eher nach Klassenkampf denn nach Klassenzusammenhalt. Dann doch lieber gleich erst gar nicht teilnehmen – wie an der IQB-Vergleichsstudie für Viertklässler –, vielleicht merkt es ja keiner, dass M-V inzwischen in allen Vergleichstests zu den Schlusslichtern gehört. (Christian Brade, SPD: Das kann ja keiner mehr lesen.) Doch es wird bemerkt, nicht nur in den Studien, sondern täglich an den Schulen. Lehrerinnen und Lehrer sind überlastet, Schülerinnen und Schüler haben Lernlücken und stehen unter Druck. Und die Eltern versuchen auszugleichen, was möglich ist, (Zuruf von Christian Brade, SPD) um ihren Kindern die beste Bildung zu ermöglichen. Doch das ist ein Kampf – Tag für Tag. Dabei war die Entwicklung absehbar. Dutzende Schulen wurden seit 1990 aufgrund zu geringer Schülerzahlen geschlossen, jahrzehntelang wurden kaum Lehrer eingestellt und alte Stellen nicht nachbesetzt. Der Beruf verlor an Attraktivität. Nun gehen viele Lehrer in Rente oder stehen kurz davor. Aus dem Schülermangel ist ein Lehrermangel geworden, begleitet von der SPD. Was wir jetzt brauchen, ist eine strategische und langfristige Personalplanung sowie zeitgemäße Studieninhalte und attraktive Studienbedingungen. Wir brauchen eine bildungspolitische Trendwende in Mecklenburg-Vorpommern. (Christian Brade, SPD: Zeitenwende.) Es tut mir leid, wenn ich an dieser Stelle wieder einmal Baden-Württemberg zitieren muss, aber dort wird jetzt gehandelt. Baden-Württemberg wird zum Wintersemester 2024/25 in einem Modellversuch duale lehramtsbezogene Masterstudiengänge einführen. Diese Studiengänge richten sich gezielt an Absolventinnen und Absolventen von Fachbachelorstudiengängen aus dem MINT-Bereich. Informatik-, Physik-, Mathematiklehrer fehlen überall in Deutschland. Und während Baden-Württemberg nach Lösungen sucht, begnügt sich Mecklenburg-Vorpommern mit Plakatkampagnen. „Rückenwind geben und Segel setzen“, heißt es auf einem der Plakate. Diesen Spruch sollte sich auch die Bildungsministerin einmal zu Herzen nehmen. Auch wir müssen endlich an die Lehrerausbildung ran, und da ist auch die Wissenschaftsministerin gefragt. Die Abbrecherquote beim Lehramtsstudium für Gymnasien und Grundschulen liege bei 50 Prozent, für Regionale Schulen sogar bei 85 Prozent. Besonders betroffen sind die MINT-Studiengänge, genau die Studiengänge, derer sich Baden-Württemberg nun annimmt: 40 Studienanfängerplätze für Informatik oder Physik im Erstfach und Mathematik im Zweitfach sowie 20 Plätze für Elektro- und Informationstechnik im Erstfach und Mathematik im Zweitfach. Bei der Lehrergewinnung stehen wir im Wettbewerb mit 15 anderen Bundesländern. Doch während Baden-Württemberg schon die Segel gesetzt hat, haben wir noch nicht einmal den Anker gelichtet. (Zuruf von Christian Brade, SPD) Ich habe schon mehrfach hervorgehoben, dass wir die Lehrinhalte und Lehramtsstudiengänge überarbeiten und anpassen müssen. Diese sind zu wissenschaftlich und entsprechen nicht der Realität im Berufsleben. Das gilt für Physik und Mathematik genauso wie für Deutsch und Geschichte. Insofern unterstützen wir mit unseren Vorschlägen den Antrag der CDU, denn er geht in die richtige Richtung. Bildung ist eine unserer wichtigsten Ressourcen, in sie müssen wir investieren, um den Wohlstand in unserem Land zu sichern. Bildung ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Bildung sichert nicht zuletzt den Zugang zu einer angemessenen und auskömmlichen Vergütung. Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Darum muss Bildung in unserem Land oberste Priorität haben. Ein nicht durch Schulden, sondern aus dem laufenden Haushalt finanziertes Sondervermögen kann hierfür eine gute Sache sein. Wir werden in den Haushaltsdebatten sehen, dass es Posten gibt, die nicht ausgeschöpft werden oder die inzwischen überkommen sind. Dieses eingesparte Geld sollten wir in die Bildung investieren und damit die Zeitenwende Bildung einleiten. (Zuruf von Elke-Annette Schmidt, DIE LINKE) Wir stimmen dem Antrag zu, und ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)

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