Dr. Harald Terpe
Acht Minuten. Haha! Da habe ich ja noch viel Zeit! (Heiterkeit vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Julian Barlen, SPD: Erst mal Pause machen. – Marc Reinhardt, CDU: Kannst dir Zeit lassen!) Ja. Wir erinnern uns tatsächlich ja sicher gemeinsam zurück an die Anhörung im Zusammenhang mit der Abschaffung sozusagen der Fachkräftequote. 50 Prozent waren das. Und wir hatten eine sehr interessante Anhörung. Wir hatten damals als Fraktion den Sachverständigen Rothgang eingeladen, und der hatte uns ja sozusagen über den Pflegebedarf entsprechend der Pflegegrade 1 bis 5 in der Altenpflege die Entwicklung dargestellt. Und das Fazit, darf ich noch mal kurz zusammenfassen, war: Die absolute Zahl der Pflegefachkräfte wird ansteigen, auch wenn die Quote sogar geringer wird als 50 Prozent, aber trotzdem, die Absolutzahl wird ansteigen. Aber was noch mehr ansteigen wird, ist auch die Absolutzahl der Pflegehilfskräfte. Er hatte das daran festgemacht, dass sie in ihrem Modellversuch entsprechend der Pflegegrade festgestellt hatten, gut, je höher der Pflegegrad ist, desto höher ist auch das Erfordernis von Fachkräften der Pflege. Aber bei den niedrigeren Pflegegraden war eben gerade auch die Erhöhung der Zahl der Pflegehilfskräfte sozusagen zu verzeichnen gewesen im Modell. Also das spricht alles sehr dafür, dass wir so viel wie möglich Pflegekräfte unterschiedlicher Ausbildungsgrade sozusagen halten in der Pflege. Über die Akademisierung sprechen wir ja gar nicht. Da ist es ja auch so, dass das ein unterschiedlicher, also natürlich ein unterschiedlicher Ausbildungsgrad ist. Und ich denke, diesen Geist atmet der CDU-Antrag. Und da finde ich es ein bisschen sophistisch, jetzt darüber zu philosophieren, auf welche Weise man nach zwei Jahren zu einem Prüfungsabschluss kommt, denn ich finde, der Antrag ist so formuliert, dass es gerade um den Respekt geht, den man schaffen will, in der Anerkennung der Leistung, die man dann eben nach zwei Jahre durch Prüfung erlangt. Und das hat mir sehr gut gefallen an diesem Antrag, dass das genau herausgearbeitet worden ist. Und zu Punkt 2 und Punkt 3 ist ja auch ausreichend gesagt worden, dass da die Bedingungen so sind, dass es da tatsächlich zu Abschlüssen kommt, bisher zumindest aber noch nicht vollständig sicher ist, wie man da möglichst zu Verbesserungen kommt. Und jetzt zum Schluss vielleicht noch mal eine eigene Erfahrung. Ich habe jahrelang in der Pflege gearbeitet. Sie werden es nicht glauben, das war zu DDR-Zeiten, ich finde, für mich natürlich ein Segen, und was da alles ging, geht heute gar nicht mehr. Ich habe während meiner Abiturzeit von der Mitte der 10. Klasse bis zur 12. Klasse folgenden Tagesablauf gehabt: Vormittags in die Schule bis halb zwei und um zwei war ich in der Inneren Klinik an der Universität in Greifswald und habe als Hilfspfleger gearbeitet, und das war ja praktisch eine Arbeit, auch Learning by Doing. Ja, das ist so, und gerade für die Punkt-3-Leute ist genau das der Fall, die sind jahrelang in der Pflege, haben also eine hohe praktische Erfahrung. Und was ich damals auch erlebt habe bei dem Pflegepersonal, war genau das, was ich vorhin schon sagte, dass es darauf ankommt, einen hohen Empathiegrad in der Pflege zu haben, und das bringen häufig Leute auch mit, die vielleicht im Wissenserwerb gar nicht so stark sind. Und deswegen plädiere ich bei der Pflegeausbildung, dafür habe ich damals auch im Bundestag schon plädiert, wir brauchen auf jeden Fall eine gesicherte horizontale und vertikale Durchlässigkeit in der Pflege, was besonders dann auch für diejenigen von Bedeutung wäre, die nach zwei Jahren einen Abschluss haben, dann vielleicht in der Praxis als Hilfspflegekraft arbeiten und später noch mal den Bildungsaufstieg in der Pflege zur Pflegefachkraft schaffen. Also auch das müssen wir sicherstellen. Und zum Schluss noch zu dem FDP-Antrag: Ich fand das gut. Da habe ich mich eigentlich so ein bisschen auch für mich selbst geärgert, dass ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, genau das auch noch mal zu thematisieren, ohne dass die Formulierung schon gleich die Lösung ist. Aber klar ist doch auch, das wissen wir doch, dass wir ohne ausländische Pflegekräfte, welcher Art und welcher Ausbildung auch immer, in Zukunft nicht zurechtkommen werden, weil wir ja jetzt schon sehen, dass wir nicht zurechtkommen, also werden wir es in Zukunft auch nicht. Also wir würden dem Antrag auch zustimmen, sowohl dem CDU- als auch dem Änderungsantrag. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
