Falko Beitz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Meine Oma sagte immer, wenn du sonst nichts zu erzählen hast, dann sprich doch einfach über das Wetter. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD) Und genau dieser Spruch kam mir in den Sinn, als uns der vorliegende Antrag auf den Tisch flatterte. (Enrico Schult, AfD: Dafür stehen Sie ja selten vorne am Mikro, Herr Beitz. – Zuruf von Thore Stein, AfD) Kennen wir die im Antrag zitierte Studie (Enrico Schult, AfD: Mal sehen, was Sie uns jetzt zu erzählen haben!) zur Auswirkung von Windparks auf lokale Wetterphänomene aus den USA? Ja, tun wir. Müssen uns die festgestellten Phänomene Sorge bereiten? Nein, müssen sie nicht. Minimale Änderungen der Bodentemperatur nachts und auch nicht durchgängig sind auch nach Ansicht von echten Experten kein Problem, über das man sich ernsthaft Sorgen machen muss, meine Damen und Herren. Natürlich haben Windkraftanlagen auch Auswirkungen auf die Umwelt. Und rechnen wir mal wie ein Milchmädchen hoch: 2.000 Windkraftanlagen für Mecklenburg-Vorpommern, 200 Meter Rotordurchmesser macht eine von den Rotoren durchstrichene Fläche von gut 63 Quadratkilometern. Das klingt erst einmal unglaublich viel. Setzen wir dem aber mal grob vereinfacht den Himmel über Mecklenburg-Vorpommern entgegen, nur 250 Meter hoch und in Kilometerscheiben geschnitten, gut 5.800 Quadratkilometer. Wer ernsthaft glaubt, dass dieses eine Prozent massive Auswirkungen auf das Wetter hätte, der muss konsequenterweise auch die Untersuchung der Auswirkungen von Kirchtürmen auf das lokale Wetterphänomen im Ergebnis fordern. Alles andere wäre absolut unglaubwürdig. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aber so ist das mit der AfD: Man nimmt Kontrapositionen des Kontras wegen ein, unabhängig von der Frage, ob das, wogegen man ist, sinnvoll wäre. Es geht nur um eigenen Machtgewinn in Radikalopposition zur Regierung. Und da ist am Ende des Tages auch keine Idee zu dumm, um sie nicht zur politischen Debatte einzubringen. (Unruhe vonseiten der Fraktion der AfD) Wenn in der Antragsbegründung beispielsweise geschrieben wird, man müsse doch mal schauen, ob die Verdunstung durch Windkraftanlagen nicht gestört würde, weil es dann weniger Regen gibt, dann frage ich mich, wo Sie im Sachkundeunterricht in der Schule waren. Die für Mecklenburg-Vorpommern maßgeblichen Regenmassen verdunsten über dem Atlantik und gelangen mit Windströmungen aus West zu uns. Das schreiben Sie selbst in Ihrem Antrag, bemerken aber offensichtlich die Widersprüche in der eigenen Argumentation nicht. Und schaut man die Regenmengen der vergangenen Jahre an, ja, dann gibt es tatsächlich mehr Trockenheit in Mecklenburg-Vorpommern. Die kommt aber nicht von den Windrädern, meine Damen und Herren. Das Potsdamer Institut für Klimaforschung, kurz PIK, arbeitet seit inzwischen Jahrzehnten mit ausgefeilten Computermodellen, die die Auswirkungen der Erderwärmung auf das lokale Wetter modellieren. (Der Abgeordnete Enrico Schult bittet um das Wort für eine Anfrage.) Schon Anfang der 2000er-Jahre konnte man da nachlesen, dass für Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit einer deutlichen Zunahme von Trockenperioden zu rechnen ist, im Norden Brandenburgs und im Osten Mecklenburg-Vorpommerns …
