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Torsten Renz

CDU 21.09.2023 Sitzungen 8/64

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Natürlich kann man die Aussprache nutzen, um Generalkritik an der aktuellen Bildungspolitik im Lande hier zu vollführen und alle Themen sozusagen aufzurufen: „Attraktivität Lehrerberuf“, „gegliedertes Schulsystem“ et cetera. (Enrico Schult, AfD: Das ist doch die Ursache, Herr Renz! Das wissen Sie ganz genau!) Das haben wir ja eben erlebt. Das war eigentlich nicht der Ansatz, den ich in die Diskussion hier einbringen wollte, sondern ganz speziell diesen Punkt, den die GRÜNEN sich hier herausgesucht haben, den mal zu debattieren und, ich glaube, auch mal den richtigen Weg gewählt zu haben, das in Form einer Aussprache zu machen. Ansonsten, es steht ja nicht hier ein Antrag zur Abstimmung, wir brauchen mehr multiprofessionelle Teams, dann wäre ja logischerweise von den Koalitionären das Ganze abgelehnt worden, aber in der Aussprache gehts ja mal darum zu diskutieren, ob es notwendig ist, ob diese Notwendigkeit gesehen wird. Ich habe die Bildungsministerin so verstanden, dass sie sehr wohl sagt, ja, und ich gehe eigentlich auch davon aus, dass Vertreter von den LINKEN und von der SPD im Nachgang sagen werden, ja, das ist eine sinnvolle Maßnahme. Und wenn die Aussprache dazu führt, dass alle sozusagen diese Position dann auch vertreten, dann kann man ja perspektivisch darüber sprechen, ob es Sinn macht, da mehr zu machen. So verstehe ich heute die Aussprache. Und, Herr Schult, das Letzte, was ich bei Ihnen so wahrgenommen habe, ist eigentlich die Tatsache, dass Sie das Ganze so ausgelegt haben, dass die Lehrer sozusagen abgeschafft werden und ersetzt werden sollen durch multiprofessionelle Teams. (Enrico Schult, AfD: Da haben Sie nicht zugehört.) Und ich glaube nicht, dass das so gemeint ist vom Antragsteller. (Enrico Schult, AfD: Irgendwer muss die doch bezahlen, ne?!) Insofern stellt sich doch die Frage – und ich glaube, das hat Frau Wegner auch zu Beginn ziemlich gut, eindrucksvoll erklärt, und ich würde versuchen, das auch noch mal aus meiner Sicht darzustellen, dass ich sage, Schule im Wandel der Zeit: Ist also der Lehrer noch in der gleichen Situation wie vor 150 Jahren, vor 100 Jahren oder vor 50 Jahren? Oder hat die Zeit sich so geändert, dass wir eben den Lehrer als den zentralen Akteur in der Schule, ob der die Herausforderung – und das hat auch die Ministerin so bestätigt –, dass die Herausforderung in der heutigen Zeit, insbesondere auch durch Inklusion oder auch durch Migration, ob die erfüllt werden können durch den einzelnen Lehrer? Und im Prinzip haben wir ja schon angefangen als Politik, Teams aufzubauen. Wir haben sie vielleicht jetzt noch nicht so genannt, aber in dem Moment, wo wir Alltagshelfer in die Schulen schicken und viele andere Kräfte, ob Schulpsychologen et cetera, die diesen Prozess begleiten, sind wir ja am Beginn der Entwicklung, weil wir nämlich gesagt haben – das ist für mich die Schlussfolgerung –, es ist nicht mehr so wie vor 100 Jahren, dass der Lehrer die Situation alleine bewältigen kann. Und ich selbst bin ja von Hause aus Lehrer, im Prinzip seit 1990, und ich sage Ihnen, in dieser Phase habe ich beim Thema Schulsozialarbeiter eher die Auffassung vertreten, den brauche ich nicht, sondern ich hatte motivierte Schüler in der Berufsschule vor mir. Da habe ich gesagt, ich komm nicht nur inhaltlich und fachlich mit denen klar, sondern auch die kleinen Problemchen, die es damals gab – so will ich das mal bezeichnen –, da war ich sehr wohl in der Lage, in entsprechenden Gesprächen mit den Schülern beziehungsweise mit den Eltern solche Situationen zu meistern. Aber ich bin jetzt sehr wohl der Auffassung – und die gesellschaftliche Entwicklung in diesem Bereich, wenn ich jetzt nur mal das Thema Schulsozialarbeiter nehme, hat sich ja gewandelt aufgrund der Tatsache –, dass die Herausforderungen, diese Vielschichtigkeit, auf die die Lehrer treffen, anderer Lösungen bedürfen, und ich würde nicht mehr so vermessen sein, in der heutigen Zeit zu sagen, ich oder ein anderer Lehrer beherrscht alle einzelnen Segmente so, dass er diese Herausforderungen neben der riesigen Unterrichtsverpflichtung, die er schon hat, dass er die meistern kann. Und daraus ergibt sich in der Logik, ja, wir müssen unterstützende Kräfte in die Schulen bringen, damit wir diese Herausforderung gemeinsam meistern. Und am Ende ist es ja so, wenn Sie das auch eingeben und googeln „multiprofessionelle Teams in Mecklenburg-Vorpommern“, dann werden Sie ja sozusagen auf unser Kooperations- und Beratungssystem für Eltern und Schüler treffen, das gibt es schon – nach meinem Kenntnisstand natürlich nur auf Anforderung hin – in vier Regionalbereichen: Greifswald, Neubrandenburg, Rostock und Schwerin. Das heißt, zusammengefasst sieht die Politik, die jetzt in Verantwortung ist, oder auch die Opposition, die ja dazugehört, die Notwendigkeit, dass in diesem Bereich solche Teams unterwegs sind. Und insofern, glaube ich, ist es richtig gewesen, heute hier darüber zu diskutieren und perspektivisch dann eben die Diskussion zu intensivieren, ob das System ausgebaut werden sollte und muss. Das kann man vermuten, wenn die Vielschichtigkeit der Probleme zunimmt. Und insofern sage ich noch mal abschließend, herzlichen Dank für das Setzen des Themas und für den bisherigen Austausch! – Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)

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