Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Werte Bürger! Ich bin auch dankbar für die Aussprache, weil ich da mal mit einer Mär aufräumen kann. Frau Wegner, ich glaube nicht, dass mehr multiprofessionelle Teams unsere Probleme in den Schulen lösen können. In der Tat haben wir Probleme in unseren Schulen. Die liegen aber derzeit am eklatanten Lehrermangel, an schlecht ausgestatteten Schulen, den Corona-Defiziten, die auf unnötige Schulschließungen zurückzuführen sind, und – das gehört zur Wahrheit dazu – in einigen Schulen ist auch ein hoher Migrantenanteil, insbesondere auch in den Brennpunktschulen. Frau Oldenburg sprach es aus: Migration wirkt sich nur marginal aus. Dem kann ich widersprechen, Frau Oldenburg. Und ich möchte eine Studie zitieren, die von der Wübben-Bildungsstiftung, die da sagt, in den Brennpunktschulen erreichen 80 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund nicht mal die Mindeststandards im Lesen. Das sollte uns zu denken geben. Und die Ursache liegt natürlich auf der Hand: In den Elternhäusern wird kaum deutsch gesprochen, es wird nicht vorgelesen, und das wirkt sich dann natürlich auf die Kinder dort aus. Frau Wegner sprach das Positiv-Beispiel Finnland an. Frau Wegner, und da kann ich auch gleich mal den Bogen spannen zum Migrationsanteil, da liegt er bei 5 Prozent, in Deutschland haben wir 26 Prozent Migrationsanteil. Und glauben Sie mir, da gibts einen kausalen Zusammenhang, dass, wenn nicht zu Hause deutsch gesprochen wird, dann wirkt sich das nachteilig eben auf den Bildungserfolg der Schüler aus. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehr richtig!) Die Bertelsmann Stiftung von 2021 führt noch weiterhin aus, dass 47.500 Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. Da sind natürlich auch insbesondere Jungen betroffen, auch mit ausländischer Staatsbürgerschaft, aber natürlich auch deutsche Schüler, die sind da nicht von ausgenommen. Aber die Bildungsnation Deutschland steckt in der Tat in der Klemme. Und die Ministerin sprach es an, es sind vor allen Dingen auch gesellschaftliche Veränderungen, die das, ja, verursacht haben. Insbesondere – und das muss ich mal ganz deutlich sagen – ist die Vorbildfunktion der Familie ganz wichtig. Also ich muss mich mit meinen Kindern beschäftigen, ich muss zu Hause vorlesen, das wird immer weniger getan. Und der Lehrer, (Thomas Krüger, SPD: Woher wissen Sie das?) der Lehrer … Das ist der Vorleseatlas, Herr Krüger. Da können Sie, wenn Sie Interesse haben, gerne nachlesen, den gibt es. Nach dem lesen immer weniger Eltern ihren Kindern vor. (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Das gemeinsame Wischen auf dem Handy oder die Computerspiele zu Hause, die rücken immer mehr in den Vordergrund. Und das ist in der Tat ein großes Problem, und dem dürfen wir uns, wie gesagt, nicht verschließen. Die Lehrer müssen immer mehr erziehen in der Schule, integrieren, inkludieren. Und Frau Wegner sagte ja – Sie machten das so ein bisschen vorwurfsvoll –, dass der Lehrer diesen einen Schüler da rausgeschickt hat. Das ist ärgerlich, wohl, das kann ich irgendwo so auch bestätigen, aber denken Sie auch an die anderen Schüler, die dort in der Klasse sitzen, die brauchen adäquaten Unterricht. Und es ist bisweilen so, dass der Unterricht erst nach 15 Minuten anfangen kann in den Schulen, dass da erst mal ein bisschen Ruhe eingekehrt ist. Insofern brauchen wir auch die Disziplin in den Schulen und wir brauchen die Vorbildfunktion der Elternhäuser. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos) Denn – und da können Sie sich heute den „Medienspiegel“ anschauen – eine Robert Bosch Stiftung, die hatte nämlich genau das bestätigt – Herr Krüger, lesen Sie das gerne noch mal nach! –, dass eben immer mehr Handykonsum, immer mehr Computerspiele in den Elternhäusern stattfinden. (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Und das ist in der Tat fatal, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, und das kann der Lehrer auch in der Schule nicht kompensieren, weil die Lehrer sind schon – machen Sie sich ehrlich! – am Limit. (Martina Tegtmeier, SPD: Was für ein Blödsinn!) Ja, das ist ja richtig, (Zuruf von Martina Tegtmeier, SPD) aber wir haben ja, wie gesagt, (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) dass ganz viele Lehrer vorzeitig das Handtuch werfen. Wir haben eine große Frühverrentung bei den Lehrern, wir haben einen hohen Krankenstand. (Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Warum denn eben?) Wo liegen denn die Ursachen dafür, Frau Wegner, (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) dass sie sich halt immer mit gesellschaftlichen Problemen auseinandersetzen, die eigentlich im Elternhaus gelöst werden müssen? Und dann ziehen die Lehrer irgendwann die Reißleine. Und es hängt auch damit zusammen, dass immer weniger diesen Lehrerberuf ergreifen. Stellen Sie sich doch mal die Frage, warum immer mehr Referendare aufs Gymnasium gehen und nicht an der Regionalschule Dienst anfangen möchten! Diese Frage müssen Sie sich doch mal stellen. (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und deshalb möchte ich das auch noch mal ganz klar herausstellen, dass auch mit immer mehr Geld das nicht gelöst werden kann. Wir können nicht immer mehr Geld in ein dysfunktionales System stecken und sozusagen gießen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD und Dr. Eva Maria Schneider-Gärtner, fraktionslos – Martin Schmidt, AfD: Sehr richtig!) Sie sprachen die IGLU-Lesestudie an, und in der IGLU-Lesestudie sind wir als Deutschland sogar weit hinter dem EU-Durchschnitt. Das muss man sich mal vorstellen! Jeder vierte Schüler hat erhebliche Schwierigkeiten im Lesen. Und da jetzt mal als Vergleich: Selbst Länder wie Bulgarien oder Ungarn haben uns dort überholt, und die geben bei Weitem nicht so viel Geld aus für ihre Bildung wie Deutschland. Aber es zeigt doch, dass immer mehr Geld es nicht bringt, sondern das Geld muss an der richtigen Stelle ausgegeben werden. (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) Und ich mache es noch mal für den Haushalt in Mecklenburg-Vorpommern, auch das sprach Frau Oldenburg an: Mecklenburg-Vorpommern gibt 1,2 Milliarden schon im Bildungshaushalt aus, 2017 waren es 947 Millionen, habe ich mir hier … Ja, genau, 947 Millionen! Das ist auch ein Anstieg um 30 Prozent, also 30 Prozent mehr Bildungsausgaben in Mecklenburg-Vorpommern. Dennoch haben wir diese Probleme, dennoch schneiden wir bei den Tests, beim IGLU-Bildungstrend, bei der IGLU-Lesestudie schneiden wir schlecht ab als Deutschland, aber auch als Mecklenburg-Vorpommern. Und deshalb ist Geld hier nicht der richtige Weg. Und wenn man das noch mal weiterführen würde, wenn Sie wirklich jetzt die Unterrichtsverpflichtung sehen, was das auch alles kostet, das möchte ich eigentlich Ihnen auch noch mal sagen, also das Geld fällt ja nicht vom Himmel, (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) das nehmen Sie ja dem Steuerzahler hier in Mecklenburg-Vorpommern ab, und der muss das sozusagen ja dann bereitstellen. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Aber wenn Sie die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer beispielsweise reduzieren wollen von derzeit 27 Stunden auf 25 Stunden, (Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wie in den alten Bundesländern.) würde das 200 Millionen Euro kosten in dieser Legislaturperiode. Und das Geld muss irgendwo mal da sein. Also ich meine, wenn, muss genau geschaut werden, welche Maßnahmen sind zielführend. Ich würde tatsächlich die Unterrichtsverpflichtung für Lehrer absenken, dass wir wieder mehr Lehrer in den Beruf bekommen, aber jetzt mit der Gießkanne das Geld zu verteilen, mehr multiprofessionelle Teams zu fordern, halte ich für den falschen Weg. Denn wir müssen uns vergegenwärtigen, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern ja schon sehr viel Geld ausgibt für seine Angestellten, für seine, ja, Verwaltungsbeamten, aber auch für seine Lehrer. Auch im jetzigen Haushalt haben wir wieder 1.000 neue Stellen. Ja, liebe Kollegen, die müssen auch irgendwo bezahlt werden. Also da noch immer nach mehr Personal zu rufen, meine ich, ist falsch. Und das sehen wir als AfD auch durchaus kritisch. Jetzt noch mal zum Grundsätzlichen: Sie sagten ja, dieser reformpädagogische Ansatz, dass jetzt auch in den Schulen beispielsweise nicht mehr dieser lehrerorientierte Unterricht ist, sondern dass man vielleicht einen Lernbegleiter an die Seite stellt, dass mehrere Lehrer dort sind, dass dieses lernübergreifende oder fächerübergreifende Lernen passiert oder altersübergreifende Lernen in großen Lerngruppen, da gibts Vorteile oder gibts Dinge, die dafürsprechen und die dagegensprechen. (Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Waren Sie schon mal an einer Schule, wo so etwas praktiziert wurde?) Ja, da war ich. Und da wollte ich jetzt gerade drauf zurückkommen, das kann ich Ihnen nämlich genau sagen. Unser Sohn war nämlich und unsere Tochter war in einer freien Schule, wo das genauso praktiziert wurde. Sie sind jetzt auf eine staatliche Schule gewechselt, seit der 5. Klasse in der Orientierungsstufe. Und sie haben zu mir gesagt, Papa, hör zu, das gefällt mir insofern besser, weil da klare Strukturen sind an der staatlichen Schule. Sie haben klare Fächer, sie haben einen Lehrer, der vorne steht, der macht das natürlich auch gut und behutsam, (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) er hat neue Unterrichtsinhalte, die er auch aufführt, aber diese Unruhe, (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) diese Unruhe, die tatsächlich auch oftmals in den Klassen vorherrschte, dass die Kinder aufstehen und mal was anderes machen oder dass dann dort gesprochen wird und denen wird das erklärt, das hat meinen Kindern beispielsweise nicht gefallen. Da habe ich eben genau die Rückmeldung von meinen Kindern, von unseren Kindern. Und deshalb meine ich, das ist jetzt nicht der Königsweg, den Sie hier aufzeigen mit multiprofessionellen Teams. Wir würden ganz klar sagen, wir brauchen mehr Lehrer, gut ausgebildete Lehrer. Dafür würden wir als AfD das Geld verwenden. Wir würden eine pädagogische Hochschule gründen, das habe ich schon ganz oft an dieser Stelle gesagt. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Dann hätten wir nämlich gut ausgebildete Lehrer, die auch bereit sind oder hier in der Lage sind, (Zuruf von Thomas Krüger, SPD) die Kinder mitzureißen, mitzunehmen. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Das ist das Entscheidende, (Zuruf von Ann Christin von Allwörden, CDU) dass Sie sozusagen den Kindern einen, ja, einen attraktiven Unterricht bieten und nicht das Geld mit der Gießkanne rausposaunen oder verteilen. Das funktioniert so nicht. Noch mal als Fazit: Also, wie gesagt, natürlich Disziplin der Schüler anregen durch die Elternhäuser. (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Elternhäuser würde ich definitiv mehr in die Pflicht nehmen. Das können nicht die Schüler alles leisten. Aber ich würde, und das ist uns ganz wichtig als AfD, dass wir uns klar zum gegliederten Schulsystem bekennen. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Jens-Holger Schneider, AfD: Ja.) Sie sagten ja, das ist der falsche Weg – Sie sprachen Finnland an –, aber nein, das ist genau richtig. Wir haben das Gymnasium, wir haben die Regionalschulen – man könnte durchaus auch die Hauptschulen noch mal thematisieren –, und wir haben die Förderschulen. Und in jeder Schulform werden die Schüler adäquat unterrichtet und gefordert. Und wenn sie gut sind, dann können sie natürlich in eine andere Schulform wechseln. (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) Und das, das funktioniert, das ist reale Bildungspolitik, und nicht, wo Sie sagen, ja, wir dürfen keinen diskriminieren und keinen zurücklassen. (Zuruf von Jutta Wegner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Damit erreichen Sie die Kinder nicht, im Gegenteil, Sie stecken Kinder in Klassenverbände, wo sie untergehen. Da haben wir gestern drüber gesprochen, über die Förderschulen. Das ist, so meinen wir, falsch. Und deshalb sprechen wir uns klar für das gegliederte Schulsystem aus, mehr Geld für die Lehrer, für die Lehrerausbildung. Aber diese multiprofessionellen Teams in den Schulen sind nicht der Königsweg. Werte Kollegen, nehmen Sie davon bitte Abstand! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
