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Simone Oldenburg

21.09.2023 Sitzungen 8/64

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Was braucht es, was ist notwendig, um gleiche oder faire Bildungschancen für alle Kinder und für alle Jugendlichen zu ermöglichen? Und welche Auswirkungen haben die durchaus wichtigen multiprofessionellen Teams auf faire Bildungschancen? Der Titel der Aussprache suggeriert, dass diese Teams alleine die Grundlage dafür sind, Chancengerechtigkeit zu ermöglichen, ich möchte ihn noch mal nennen: „Multiprofessionelle Teams in Schulen – Faire Bildungschancen für alle“. Das ist allerdings viel zu kurz gesprungen, denn jede noch so wichtige, noch so zielführende und unterstützende Maßnahme einzeln zu betrachten, wird keine einzige Bildungschance erhöhen. Sie wird sogar Möglichkeiten verhindern, weil der Blick zu eng ist, weil eben nicht die multiplen Notwendigkeiten und Voraussetzungen in den Blick genommen werden, die es insgesamt braucht, um die Bildungschancen schrittweise zu erhöhen, denn die ausschließlich in der Schule tätigen multiprofessionellen Teams können die vielen anderen Faktoren – und die haben Sie ja angedeutet –, die jede Bildungsgerechtigkeit verhindern oder blockieren, nicht ersetzen, nicht kompensieren und auch nicht überwinden. Denn gleiche Bildungschancen werden unter anderem – und das sagte Frau Wegner auch schon – durch das soziale Umfeld der Kinder verhindert. Es gibt kaum ein anderes Land, in dem die Bildung eines Kindes so sehr von der Bildung und dem Einkommen seiner Eltern abhängig ist wie Deutschland. Im April dieses Jahres hat der Chancenmonitor des ifo Instituts vorgestellt, welchen Einfluss der gesellschaftliche Status der Eltern auf den Bildungsweg der Kinder hat. Untersucht wurde, welche Abhängigkeit zwischen dem Bildungs- und Einkommensniveau der Eltern und dem Schulbesuch ihrer Kinder besteht. Auch der Familienstand und die Migrationsgeschichte wurden beleuchtet. Das Ergebnis überrascht nicht: Einkommen und Bildung der Eltern sind ganz dominierende Einflussgrößen bei der Entscheidung, welches Kind ein Gymnasium besucht und welches nicht. Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass der Einfluss der Bildung größer ist als der Einfluss des Einkommens und dass der Migrationshintergrund sich nur ganz marginal auswirkt. 75 Prozent der Kinder, bei denen beide Eltern über die allgemeine Hochschulreife verfügen, besuchen das Gymnasium. Hier am Ort, im Umfeld der Geburt eines Kindes beginnen die ungleichen Bildungschancen. Sehr geehrte Damen und Herren, was können wir als Land tun, um die Bildungsgerechtigkeit schrittweise zu erhöhen? Wir können Hemmnisse ausräumen und allen Kindern den gleichen Zugang zur Bildung unabhängig ihrer familiären Situation ermöglichen, und das tut diese Landesregierung, und das hat auch die vorherige Landesregierung getan. Denn faire Bildungschancen bedeuten kostenfreie Kita, Erhalt der Sprach-Kitas, beitragsfreier Ferienhort, beitragsfreier Hort. Erhöhung der Chancengleichheit bedeutet Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, kostenlose Bildung von Anfang an, eben von der Kita bis zur Berufsausbildung, ob Studium oder Lehre. Erhöhung der Chancengerechtigkeit heißt auch mehr als 800 Millionen Euro jährliche Ausgaben des Landes und der Kommunen für die Kita und 0 Euro für die Eltern. Erhöhung der Bildungschancen bedeuten auch 1,2 Milliarden Euro Landesausgaben für die Schulbildung und 0 Euro für die Eltern. (Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE) Und nicht zu vergessen ist die große Bedeutung einer Kindergrundsicherung als ein ganz wesentlicher Baustein für eine größere Chancengerechtigkeit. Sehr geehrte Damen und Herren, was unternimmt Mecklenburg-Vorpommern noch, um die Chancen auf Bildung, auf Teilhabe zu verbessern? An den Volkshochschulen und am Abendgymnasium kann man kostenlos die Schulabschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg erwerben. Wir haben die kostenlose Schülerbeförderung zur örtlich zuständigen Schule. Eltern entscheiden über die weiterführende Schule. Es gibt keine Pflicht mehr, die örtlich zuständige weiterführende Schule zu besuchen. Wir haben die Durchlässigkeit im Schulsystem von der Schuleingangsphase bis zum Schulabschluss. Und es gibt 300 Ganztagsschulen. Was bedeutet Erweiterung der chancengerechten Bildung noch? Wir haben 29 Schwerpunktschulen, ein Netz aus Förderschulen und Lerngruppen, Unterstützungsmaßnahmen, zu denen circa 2.000 Personen gehören, ob Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, ob Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter oder Alltagshilfen oder unterstützende pädagogische Fachkräfte oder Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. So arbeiten zum Beispiel in der Grundschule „Am Mühlenberg“ in Kröpelin 15 Lehrkräfte, davon zwei im Seiteneinstieg, zusätzlich drei Sonderpädagogen und drei unterstützende pädagogische Fachkräfte. Oder an der Grundschule „Käthe Kollwitz“ in Waren-Müritz sind 30 Lehrkräfte, davon zwei Lehrkräfte im Seiteneinstieg, sowie zusätzlich zwei Sonderpädagogen, …

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