Stefanie Drese
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Umstand, der zur Anmeldung dieser Aussprache geführt hat, ist tragisch und schockierend, und bevor ich mit meinem inhaltlichen Teil meiner Rede starte, möchte ich deshalb der Familie des 13-jährigen Mädchens aus Altentreptow auch aus diesem Hohen Haus heraus noch einmal ausdrücklich mein Beileid bekunden. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Sehr geehrte Damen und Herren, mir ist es ein großes Anliegen, Ihnen und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, wo und in welchem Rahmen die Präventionsarbeit im Land bereits mit viel Anstrengung auf die Jugend zugeht, sie unterstützt und für sie als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung steht, aber auch gemeinsam zu überlegen, was wir besser machen können, wie wir junge Menschen mit den Angeboten auch erreichen. Einer der wichtigsten Partner ist dabei unsere mit Landesmitteln geförderte Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen, kurz LAKOST MV. Als kompetente Expertinnen und Experten bieten sie unter anderem moderne Angebote an, die Kinder und Jugendliche direkt in ihrer Lebenswelt abholen. Hierzu gehören zum Beispiel ein App basiertes interaktives Angebot zur Drogenprävention, aber auch Programme, die sich mit Suchtprävention in der Berufsausbildung beziehungsweise der Ausbildung beschäftigen, eigene Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher zu Suchtthemen. Aber auch direkt vor Ort, in den Kommunen unseres Landes fördern wir als Land die Präventionsarbeit. So erhalten die zwei kreisfreien Städte und Landkreise jährlich eine zusätzliche Förderung, um die Arbeit der regionalen Koordinatorinnen und Koordinatoren für Suchtprävention zu unterstützen. Maßnahmen, die sie umsetzen, sind beispielsweise das Projekt „Suchtprävention Intensiv an der Schule“ im Landkreis Vorpommern-Rügen oder die Ausbildung angehender Lehrkräfte zu Schulischen Suchtpräventionsfachkräften im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Die Programme des LAKOST und die Förderung der Kommunen sind dabei zwei der eher klassischen Beispiele, wie wir Drogenpräventionsarbeit ausgestalten. Darüber hinaus nähern wir uns dem Thema aber auch mit einem weiteren Blickwinkel. Mit dem neuen und durch uns geförderten Programm KipsFam für Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien werden im Falle von suchterkrankten Eltern auch die Kinder der Familie in den Blick genommen und systematisch unterstützt. Ihnen werden passende Therapien oder Behandlungsmöglichkeiten angeboten, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist alles Nachsorge, was Sie da erzählen. Vorsorge!) um das Risiko zu verhindern, dass auch sie in Zukunft eine Abhängigkeit entwickeln. Und damit ist es Vorsorge. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Wenn die Eltern schon davon betroffen sind, ist es Nachsorge, es ist nicht mehr Vorsorge.) Denn Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, haben ein deutlich höheres Risiko, ebenfalls zu erkranken. Genauso gibt es nun seit Kurzem für Personen, die bereits an einer Drogensucht leiden, ein neues Drug-Checking-Modellprojekt der Caritas in der Hansestadt Rostock. Es soll Drogenkonsumenten zum Testen ihrer Substanzen ermutigen (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) und damit Überdosierungen vermeiden, (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist ja erbärmlich.) Aufklärung direkt bei der besonders relevanten Zielgruppe ermöglichen (Petra Federau, AfD, und Thore Stein, AfD: Oh! Oh!) und dient zugleich als eine Art Frühwarnsystem für die Art von Drogen, die im Land zirkulieren. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Na, dann ist es ja gut.) Sehr geehrte Damen und Herren, die Themen Prävention, Aufklärung und Sucht haben auch auf unterschiedliche und vielfältige Weise Einzug in die Schulen unseres Landes gefunden. Zu den dort ergriffenen Maßnahmen gehört, dass Lehrerinnen und Lehrer bereits seit 2007 Handlungsempfehlungen zur Sucht- und Drogenprävention an die Hand gegeben bekommen und dass Drogen und Suchtprävention fester Bestandteil des Fachunterrichts sind. Berücksichtigung finden diese Themen aber nicht nur im Biologieunterricht, sondern auch in weiteren Fächern und Lernbereichen, im Pflicht- und Wahlpflichtunterricht, auch in außerschulischen Veranstaltungen. Einer der wichtigsten Partner für diese Veranstaltung ist dabei ebenfalls wieder die LAKOST MV. Auch von Extern können Lehrerinnen und Lehrer Unterstützung bekommen, und eine Vielzahl der Schulen im Land arbeitet so bereits direkt vor Ort mit weiteren Akteurinnen und Akteuren zusammen, darunter zum Beispiel die Ordnungs- und Gesundheitsämter, die öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe, die Sucht- und Drogenberatungsstellen und die Kommunalen Präventionsräte. Jede Schule kann außerdem bei Bedarf Unterstützungs- und Beratungsangebote durch die Beratungslehrer/-innen für Gesundheitsförderung und Prävention an den staatlichen Schulämtern erhalten. Auch die Schulsozialarbeit gewinnt weiter an Bedeutung, weil hier alle jungen Menschen erreicht werden können. In diesem Bereich haben wir aus meinem Haus heraus zuletzt eine besonders erfreuliche Nachricht verkünden dürfen, denn die Schul- und Jugendsozialarbeit der Kommunen wird in den kommenden sieben Jahren nun mit über 96 Millionen Euro gefördert. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber der vorherigen Förderperiode. Den jungen Menschen in unserem Land kommt dies also unmittelbar zugute. Mit der Landesförderung erhalten die dafür zuständigen Landkreise und kreisfreien Städte nämlich die Planungsgrundlage, um Jugend- und Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter tarifgerecht zu bezahlen und weitere Stellen an den Schulen zu schaffen. Wie uns das Innenministerium mitgeteilt hat, können wir im Land auch im Rahmen der polizeilichen Prävention auf 68 Mitarbeitende setzen, von denen 17 Personen auch ganz speziell für den Bereich der Suchtprävention zuständig sind. Ihre Arbeit zielt darauf ab, einem möglichen Risikoverhalten entgegenzuwirken. So gibt es auch ein eigenes Modul mit dem Titel „Drogenprävention mit Jugendlichen“, das sich an Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse und Berufsschulen richtet. Im vergangenen Jahr konnten in diesem Rahmen an 255 Veranstaltungen 3.962 Jugendliche und 944 junge Erwachsene erreicht werden. Sehr geehrte Damen und Herren, im vergangenen Jahr gab es 11 polizeilich bekannte Rauschgifttodesfälle bei uns im Land. Auch wenn das weniger sind als noch im Jahr zuvor, in denen 20 Todesfälle erfasst wurden, sind es weiterhin 11 zu viel. Einen hundertprozentigen Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vor dem Kontakt mit legalen und illegalen Drogen wird es nicht geben, aber was wir tun können und was wir als Landesregierung auch häuserübergreifend bereits tun, ist, präventive Angebote, Möglichkeiten zur Aufklärung und Anlaufstellen zu schaffen. Wir können Erwachsene in entsprechenden Positionen wie Lehrerinnen und Lehrer, aber auch die Eltern schulen, und wir können gemeinsam mit einem breiten Netz an Akteurinnen und Akteuren im Land auch weiterhin ein Umfeld schaffen, in dem wir individuelle Schutzfaktoren fördern, Risikoverhalten entgegenwirken und Angebote schaffen, in denen die Jüngsten Unterstützung und Aufklärung finden. Daran gilt es, in den kommenden Jahren weiterzuarbeiten. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
