Sabine Enseleit
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Dass Software eigenständig schlüssige Texte formuliert, die kaum von denen eines Menschen zu unterscheiden sind, oder sogar Fotos erstellt werden können, die real eine fiktive Situation darstellen, das klang bis vor Kurzem wie Science-Fiction. KI hat uns gezeigt, es ist möglich. Die Fähigkeiten dieser generativen KI entwickeln sich rasant. Während die einen das Ende unseres Bildungswesens prophezeien, sehen andere die nächste Revolution für Wissen und Kompetenzen. Wir Freien Demokraten sehen vor allem Chancen für unser Bildungssystem. Wir sind der Meinung, ein Verbot der KI-Nutzung an den Schulen wäre fatal in seinen Auswirkungen auf die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler. Beim Lesen Ihres Antrages war ich dann aber doch etwas enttäuscht und verwundert angesichts der Unkenntnis und der Oberflächlichkeit, mit der Sie dieses hochkomplexe Thema angegangen sind. Seit Jahren arbeitet die EU zu diesem Thema. Seit September liegen der Abschlussbericht der Expertengruppe der Kommission für Künstliche Intelligenz und Daten in der allgemeinen und beruflichen Bildung sowie „Ethische Leitlinien für Lehrkräfte über die Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke“ vor. Das alles hat eine hochkarätige Expertengruppe über einen längeren Zeitraum erarbeitet. Ab der Seite 26 finden Sie Schritt für Schritt beschrieben, wie man die KI in den Schulen datensicher und vertrauensvoll einführen und erproben kann. Und Sie versuchen hier, über ein halbes Jahr später, das Rad neu zu erfinden. Ich will mich auf drei Punkte konzentrieren, über die ich mich am meisten gewundert habe. Erstens: Sie schlagen ernsthaft vor, der KI-Nutzung und Umsetzung in den Schulen mit analogen Maßnahmen wie Handreichungen für Lehrkräfte zu begegnen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP und Anne Shepley, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Da fehlen mir schon die Worte. Diese Handreichungen sollen in Form von themenbezogenen Handouts an den Schulen verteilt werden, ein itslearning-Kurs zu Beginn des Schuljahres als dynamisches Angebot weiterentwickelt werden. (René Domke, FDP: Es gibt auch Polylux-Folien.) Ja. Zweiter Punkt: Fortbildungen. Sie schlagen Informationsveranstaltungen, Schulungen für die Lehrkräfte vor. Eine Frage nur am Rande, Frau Ministerin: Gehört das zu der messbaren oder nicht messbaren Zeit der Lehrkräfte? Aber zurück zu dem Antrag. Tatsächlich liegen die Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts im Umgang mit digitalen Medien, Innovationstechnologie und IT-Sicherheit. Trotz großem Engagement sind nicht alle Lehrpersonen gut genug auf die Digitalisierung der Lehr-/Lernkultur vorbereitet. Hierzu gibt es aber Unterstützung vom Bund. Es werden Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Lernen und Lehren eingerichtet, die entsprechende Fortbildungen entwickeln und anbieten, zusammen mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen. Warum scheuen Sie sich, auch auf diese Möglichkeiten hinzuweisen, und suchen nicht aktiv diese Vernetzung? Das Muster ist auffallend. Auch hier lieber eigenes Süppchen kochen, statt überregional und vernetzt denken. Drittens: KI umfasst eine große Zahl von Tools, die über den Bildungsbereich entwickelt wurden. Wenn wir über KI reden, dann bitte nicht nur über die generativen Tools. KI kann nämlich gewinnbringend für Diagnostik eingesetzt werden, sowohl vor dem Schuleintritt als auch während des Schulbesuchs, zum Beispiel durch Lehranalysen oder Personalisierung des Lernens. Schon jetzt sind viele KI-Anwendungen im Bildungsbereich nutzbar oder kurz vor dem Markteintritt. Hier liegt ein großes Potenzial, die Lehrkräfte zu entlasten und den Lernprozess stärker zu individualisieren. Das Gleiche betrifft das Schulmanagementsystem. Auch hier kann KI effektiv entlasten. Einige von den Tools, datenschutzkonform und datensparsam, stehen den Schulen zur Verfügung auf den Seiten der EU. Warum finden diese wichtigen Aspekte der KI keine Erwähnung in Ihrem Antrag? Vielleicht wäre das ein Weg, den akuten Lehrkräftemangel ein wenig zu rekompensieren, wenn sie von der Verwaltungsarbeit entlastet wären und die KI eine zusätzliche Unterstützung im Unterricht wäre. Statt konkrete Projekte oder Gesetzesvorschläge einzubringen, wollen Sie also Handreichungen ausarbeiten. Ich sage Ihnen mal, was hinter diesem Antrag steckt, denn meine Fraktion beschäftigt sich intensiv mit diesem Thema: Sie wollen ein aktuelles Thema besetzen, haben aber keine Ideen. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP) Zusammenfassend kann ich sagen, Ihr Antrag zu KI in den Schulen war eine gute Idee, aber Sie haben Ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Ich würde hier für eine Überweisung stimmen, aber nicht in die Ausschüsse, sondern zurück in Ihre Fraktion zur gründlichen Überarbeitung und Nachbesserung. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP – Heiterkeit bei Thomas de Jesus Fernandes, AfD – Zuruf von René Domke, FDP) Und zum Änderungsantrag der CDU: Auch den werden wir leider ablehnen, weil er den Antrag nicht besser macht und wir dem Antrag insgesamt einfach nicht zustimmen können. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)
