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Andreas Butzki

SPD 14.07.2023 Sitzungen 8/61

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! „Eine Zwei in Geschichte, Mathe und Informatik, eine Zwei minus in Ethik und Deutsch: Eine Abiturprüfung mit einem guten Ergebnis. Nur dass diese Prüfungen nicht von einer realen Person geschrieben wurden, sondern vom Chatbot ChatGPT. Computerlinguisten vom Bayerischen Rundfunk haben das Programm, das mittels Künstlicher Intelligenz … funktioniert, mit den diesjährigen bayerischen Abiturprüfungen getestet. Ergebnis: ChatGPT hätte bestanden.“ Aus dem „Hamburger Abendblatt“ vom 5. Juli 2023. Ich bin sehr dankbar, dass wir vor der Sommerpause und damit noch vor dem neuen Schuljahr zur Künstlichen Intelligenz diskutieren. Was KI bedeutet, haben wir heute jetzt schon mehrmals ausführlich gehört. Und wir müssen eindeutig feststellen, wir leben in einer Zeitenwende. Und ich finde es schon sehr spannend, wenn die Opposition – wir haben ja zwei Oppositionsredner gehört – gesagt hat, warum wir bis jetzt noch nichts getan haben. Ich kann Ihnen bloß sagen, in unserem Arbeitskreis und auch in der Fraktion diskutieren wir schon viele Monate. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und wenn man das, (Torsten Renz, CDU: Seit 10 Jahren!) und wenn man das unbedingt, (Sebastian Ehlers, CDU: Seit 15 Jahren!) dieses Thema, platzieren wollte, (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) hätte man als Opposition schon längst einen Antrag stellen können und das Thema besetzen können. Das habt ihr nicht gemacht. Also treibt nicht die Opposition, sondern sie hat nur geschlafen, das muss man ganz deutlich festhalten. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Ich kann mich noch sehr gut an meine Anfangsjahre als Mathematiklehrer erinnern. Die Ministerin hat ja auch schon einiges gesagt. Zu Beginn der 80er-Jahre diskutierten wir noch sehr ausführlich über die Einführung des Taschenrechners. Vor- und Nachteile wurden wirklich intensiv und heftig diskutiert. Als junger Lehrer war ich natürlich absolut für den Fortschritt. Die Traditionalisten verteidigten natürlich ihren Rechenschieber mit der Überschlagsrechnung. Insbesondere wurde Wert auf diese Überschlagsrechnung gelegt. Und es war sehr spannend, das alles zu diskutieren. Später diskutierten wir die Einführung des grafikfähigen Taschenrechners. Vor einigen Jahren redeten wir dann über die Tablets und itslearning und jetzt spricht jeder von der Künstlichen Intelligenz. Wie soll nun mit der Künstlichen Intelligenz in der Schule umgegangen werden? Im Augenblick überlagern andere Diskussionen in der Schule. Ich denke dabei an die Gewinnung von Lehrkräften, ich denke dabei an die IT-Ausstattung an den Schulen. Ich denke dabei auch an die Umsetzung der Inklusion nach Augenmaß. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Ich denke dabei an die Sanierung von Schulen, und ich denke dabei auch an eine sichere und gute Schülerbeförderung. Wir werden aber alle ganz schnell feststellen, dass die KI immer mehr Fuß fasst in unserem Alltag. Sie bietet große Chancen, die wir sehr schnell nicht mehr missen wollen. Aber gleichzeitig wird die Einführung der KI auch Fluch werden. Fake News werden einfach und perfekt herzustellen sein. Ich denke da so an Bilder und Sprachnachrichten. Ich weiß nicht, wer intensiv die „WirtschaftsWoche“ liest, ich gucke mir die immer eigentlich sehr intensiv an, und in der letzten Ausgabe, in der 28. Ausgabe vom 07.07., stand zum Beispiel, in Deutschland haben wir extrem gute KI-Software-Ingenieure. Unsere Toptalente sind so gut wie die in Silicon Valley. Also da kann man schon sagen, da ist eine ganze Menge. Und die Hotspots Berlin und München, wissen wir ja, was da mit den Start-up-Unternehmen abgeht. Gleichzeitig haben wir, glaube ich, gestern in unseren Postfächern gehabt eine Stellungnahme des Deutschen Ethikrates: „Mensch und Maschine – Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz“. Beides interessant, empfehle ich auch mal zum Lesen. Umso wichtiger, denke ich, wird eine gesellschaftliche Diskussion sein, die wir auch führen müssen. Dabei sollte es nicht in erster Linie um Verbote gehen, sondern man muss wirklich offen die Vor- und Nachteile aufzeigen und diskutieren. Die Diskussionen müssen natürlich auch in den Schulen geführt werden und in den Lehrerzimmern, auch Elternabende, natürlich auch mit den Schülerinnen und Schülern. Künstliche Intelligenz kann jetzt schon mehr als Hausaufgaben und Referate, und die Wissensaneignung von morgen wird eine ganz andere sein. Das werden wir ganz schnell mitbekommen. Unsere Aufgabe als Bildungspolitiker ist es, darauf zu achten, dass die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen bildungsnah und bildungsfern und zwischen Stadt und Land nicht größer wird. So sehe ich auch unseren gemeinsamen Antrag. Landespolitik muss über KI im schulischen Kontext umfassend aufklären, besonders auch die Möglichkeiten und Potenziale und damit auch über den Einsatz in der Schule. Es braucht zum neuen Schuljahr Leitlinien und Rahmenbedingungen, die eine verantwortliche Nutzung von KI in der Bildung sicherstellen. Dabei kann zum Beispiel auch auf die „Ethischen Leitlinien für Lehrkräfte über die Nutzung von KI und Daten für Lehr- und Lernzwecke“ der Europäischen Kommission vom Oktober 2022 zurückgegriffen werden, die europaweit in den Schulen zum Einsatz kam und auch ein Glossar zum Thema KI und Daten enthält – itslearning ist dabei eine gute Schulplattform und bietet beste Möglichkeiten. Und die Fortbildungen von Lehrkräften sind so zu organisieren, dass technische Kenntnisse erworben werden können, um pädagogische Konzepte zur Integration von KI in der Schule zu entwickeln. Es muss einen regelmäßigen Austausch zwischen Schule, Wirtschaft und Wissenschaft geben. Für meine Fraktion bedeutet das, dass es zum neuen Schuljahr eine erste Handreichung zu KI in Schulen geben wird. Dies soll aussagefähig, aber leicht verständlich sein, und das BM arbeitet intensiv daran. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Schulen heißt transparent, fair und ethisch verantwortungsvoll, bedeutet aber auch eine andere Form der Bewertung. Das dürfen wir hierbei nicht vergessen. Dieser Antrag ist bewusst so offen formuliert worden, da die Entwicklung der KI doch so rasant fortschreitet und dass, denke ich, auch jede Fraktion ohne Probleme diesem Antrag zustimmen kann. In der nächsten Zeit werden wir noch intensiv über diese Thematik reden. Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz wird die gesellschaftliche Diskussion in den kommenden Jahren prägen. Wir haben es heute auch schon mehrfach gehört. Sie wird gerade im Kontext Schule hoch emotional geführt werden. Davon können wir ausgehen. Und Traditionalisten werden hierbei auf KI-Freaks treffen und die Diskussionen werden spannend sein. Lassen Sie uns also im Interesse unserer Kinder ruhig, kontrovers, aber immer fair und leidenschaftlich, aber nicht beleidigend diskutieren. Wir sollten die Chancen sehen, aber die Risiken nicht außer Acht lassen. Mecklenburg-Vorpommern kann es sich nicht leisten, dieses Zukunftsbild in der Schule zu vernachlässigen. Zum Änderungsantrag der CDU: Wir können dem so weit zustimmen, aber es muss dann heißen, nicht gleich zu Anfang des Schuljahrs, sondern im Laufe des ersten Schulhalbjahres. Ich denke, auch diese Handreichungen und so weiter sollten auch mit den in den Schulen Praktizierenden diskutiert werden. Ich weiß, dass im Schulamtsbereich Neubrandenburg die Gymnasialschulleiter sehr intensiv jetzt darüber schon diskutiert haben. In anderen Schulamtsbereichen sieht es genauso aus. Also es gibt da schon eine ganze Menge. Und wie gesagt, wenn Handreichungen da sind, sollte man die teilnehmenden Personen auf jeden Fall in diesem Prozess mitnehmen. Und deswegen, Herr Renz, wir würden dem Änderungsantrag zustimmen, wenn es heißt, „im Laufe des ersten Schulhalbjahres“ und nicht „zum Schuljahresbeginn“. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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