Hannes Damm
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Die ältesten Feuerstellen, die historisch gesichert den Menschen, genauer den Menschenaffen Homo erectus zugeordnet werden können, liegen in einer Höhle in Südafrika und sind rund eine Million Jahre alt. Die Faszination für das Feuer liegt uns in den Genen, eben weil wir über Tausende von Jahren vom Feuer profitiert haben. Ich fürchte jedoch, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU, dass Sie mit Ihrer Zuneigung zum Feuer Ihre politische Entscheidung bestimmen lassen. Sie mögen das schade finden, aber das Zeitalter der Verbrennung ist ein für alle Mal vorbei. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es gibt mittlerweile effizientere Lösungen für fast alle technischen Prozesse, die auf Brennstoffen basieren: Wärmepumpen statt Gasheizungen, Elektroautos statt Verbrennern, Photovoltaik und Windkraft statt Kohlekraftwerken. Ihr Antrag ist geprägt von einem romantischen Bild, dass alles so bleiben kann, wie es war, dass der fossile Brennstoff der Vergangenheit durch einen klimaneutralen Brennstoff der Zukunft ersetzt werden kann. Sie übersehen dabei leider den technischen Fortschritt, im Übrigen auch die Gesetze der Physik. Für viele Prozesse der Energieumwandlungen gibt es natürliche und unüberwindbare Grenzen, zum Beispiel den Carnot-Wirkungsgrad für Dampfkraftwerke. Und da niemand von Ihnen zuhört, können Sie das leider auch gerade nicht neu lernen. Auch der Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren ist begrenzt. Sie können so viel Innovation von Ingenieurinnen und Ingenieuren verlangen, aber spätestens bei gut 50 Prozent Wirkungsgrad stoßen Verbrennungsmotoren einfach an eine natürliche Grenze. (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Bitte akzeptieren Sie es, werte Kolleginnen und Kollegen, das Zeitalter von der Verbrennung ist vorbei, denn die Verschwendung von Energie in Form von Abwärme können wir uns nicht länger erlauben! Auch Wasserstoff dürfen wir deswegen nicht als Brennstoff missbrauchen, denn er ist viel zu schade dafür. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung nennt Wasserstoff den „Champagner der Energiewende“. Und damit hat sie absolut recht. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von Daniel Peters, CDU) Wir benötigen Wasserstoff zukünftig vor allem in der Chemieindustrie, zur Nitrierung von Kohlenwasserstoffen beispielsweise, aber auch zur Herstellung synthetischen Düngers oder für die Stahlproduktion beziehungsweise Langzeitspeicher. Des Weiteren fordern Sie eine Carbon-Management-Strategie. Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, dass CO 2 besser unter der Erde eingelagert werden sollte, als dass wir unsere Atmosphäre als Endlager für CO nutzen. 2 (Zuruf von Thomas de Jesus Fernandes, AfD) Dafür braucht es eine Strategie, das machen wir schon, das hat Robert Habeck angekündigt für dieses Jahr. (Daniel Peters, CDU: Das wars!) Unumstritten werden wir Carbon Capture and Storage zukünftig einsetzen müssen, doch die Technologie hat einen gigantischen Energiebedarf, und Energie ist nun mal Mangelware. Carbon Capture and Storage darf kein Freibrief für ein „Weiter so“ sein, sondern muss so sparsam wie möglich eingesetzt werden. Und genau das lese ich leider gerade nicht in Ihrem Antrag. Auch bei Ihrem letzten Punkt, in dem Sie fordern, die Fördervoraussetzung für Biogasanlagen zu streichen, sehe ich einen Ansatz, den man diskutieren kann. Auch wir Bündnisgrüne sehen natürlich die Notwendigkeit einer flexibleren Stromproduktion aus Biogas. Was Sie im Antrag aber nicht erwähnen, ist, dass die Fördervoraussetzungen für Biogasanlagen in Modul 4 der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft auch die Maßgabe enthalten, dass hauptsächlich Reststoffe eingesetzt werden müssen und maximal 25 Prozent Primärbiomasse. Damit Ressourcen geschont werden, ist aber genau das eine absolut sinnvolle Fördervoraussetzung, die nicht gestrichen werden darf. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn wenn Wasserstoff der Champagner der Energiewende ist, dann ist Biomasse der Kaviar. Der Bedarf nach Biomasse steigt jedes Jahr, aber das Angebot kann nicht mitwachsen aus einfachem Grund: Die Flächen auf unserem Planeten sind begrenzt. Sie hören ja, wir diskutieren ja, was wir da noch alles mit vorhaben. Und aus all diesen genannten Gründen werden wir den Antrag hauptsächlich ablehnen. Bei einem Punkt zur Carbon-Management-Strategie habe ich gesagt, das machen wir im Bund bereits, das hat Robert Habeck so angekündigt. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
