Dr. Harald Terpe
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Waldpolitik ist für uns Bündnisgrüne ein wichtiger Baustein der Klimapolitik und des Natur- und Landschaftsschutzes. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Uns liegt heute schon wieder mal so ein Antrag der AfD-Fraktion vor, mit dem Sie wie der Wolf im Schafspelz den Kümmerer geben, den Kümmerer, der sich angeblich um die Zukunft unserer Wälder sorgt und dem Natur- und Artenschutz angeblich so sehr wichtig sind. (Zurufe von Horst Förster, AfD, und Michael Meister, AfD) Auf der anderen Seite, (Horst Förster, AfD: Das ist eine Frechheit!) auf der anderen Seite redet die AfD jedem Naturverbrauch das Wort, jedem Gewerbegebiet, jeder Umgehungsstraße, so wie hier in Schwerin, wo Ihr OB-Kandidat immer wieder tönte, dass er unbedingt die Umgehungsstraße durch den Moorwald haben will. Kann man ja mal anmerken. (Heiterkeit bei Daniel Peters, CDU) Da ist sie wieder, diese Form Ihrer Politik auf allen Ebenen, mit der Sie den Bürgerinnen und Bürgern im Land Sand in die Augen streuen. Je nach Wetterlage wird dann mal gegen den Klima- und Naturschutz gehetzt und dann wieder so getan, als sei die AfD die größte Umweltschützerin unter der Sonne, (Horst Förster, AfD: Das passt doch gar nicht zu Ihnen, was Sie jetzt da erzählen!) einer Sonne übrigens, der Sie die Hauptverantwortung für die Erderhitzung geben und so die eigentlichen Ursachen, nämlich den menschengemachten Klimawandel, leugnen. (Horst Förster, AfD: Natürlicher Klimawandel!) Demzufolge können wir Ihren Antrag auch nicht wirklich ernst nehmen und trauen, mit dem Sie sich übrigens an einem Konzept des Naturschutzbundes Deutschlands bedienen, (Horst Förster, AfD: Nee!) einer deutschlandweit und international engagierten und anerkannten Naturschutzorganisation, den Ihre Bundestagsfraktion in der Debatte um die Elbvertiefung in Hamburg schon mal als „ökoradikalen Umweltverband“ brandmarkt. Sie müssen sich bei Ihren Feindbildern schon entscheiden. Es macht sich nicht gut, ausgerechnet bei jenen die Ideen zu stehlen, die man eigentlich bekämpft. Der NABU hat das Konzept des Bürgerwaldes in Nordrhein-Westfalen als Antwort auf die dort dauerhaften Probleme mit der Einheitsforstverwaltung erdacht. (Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE) Ziel war es, ein Alternativmodell der Waldwirtschaft zu entwickeln, mit dem es besser gelingt, Gemeinwohlaspekte wie Grundwasserschutz, Bodenschutz, Biodiversität, Klimaresilienz und Erholungswert mit der Waldbewirtschaftung zu verbinden. Von diesem ganzheitlichen inhaltlichen Ansatz ist Ihr Antrag jedoch meilenweit entfernt, zumal Ihr Bürgerwald vornehmlich als Renditeprojekt daherkommt. Und da sind wir ja auch bei dem Punkt – das ist ja auch schon gesagt worden –, Wald, das ist, wenn man Wald besitzt in öffentlicher Hand, und das gilt für die Privaten auch, Besitz verpflichtet, und Waldbesitz verpflichtet noch mehr. Ich komme aus einer Stadt, die einen großen Stadtwald hat von 5.000 Hektar, also 50 Quadratkilometern, und ich kann Ihnen versichern, dass dort, … (Torsten Koplin, DIE LINKE: Rostocker Heide.) Rostocker Heide, ja. (Rainer Albrecht, SPD: Rostocker Heide.) … dass dort Waldwirtschaft betrieben wird. Ich habe aber noch nie gehört, dass wir nicht jeden Euro, den wir auch erwirtschaften in dem Wald – und der ist schließlich auch zertifiziert –, dass wir den nicht brauchen, um genau das zu machen, was sich gehört, nämlich diesen Wald weiterzuentwickeln, auch weiterzuentwickeln als CO - 2 Speicher. Und das bedeutet immer, dass man Waldzuwachs erzeugen muss, also der Nettozuwachs an Holz muss im Wald gewährleistet sein und im Übrigen auch an den Boden. Und gestatten Sie mir den Hinweis, dass das, was häufig als Waldwirtschaft gesehen wird, dass man nämlich tatsächlich viel Geld rausholt …
