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Dr. Monique Wölk

SPD 12.07.2023 Sitzungen 8/59

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren! Ja, Herr Schmidt, das war ja ein Feuerwerk, das Sie hier gerade abgebrannt haben. Und ich muss sagen, ich glaube, Sie haben noch nicht verstanden, wie Waldwirtschaft funktioniert. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Thomas Krüger, SPD: So ist es.) Ja, deshalb vielleicht gleich vorab: Wir werden Ihrem Antrag nicht zustimmen, und wir sind grundsätzlich anderer Meinung, als Sie es sind. Ich stimme Ihnen zu in einem Punkt, nämlich, dass die Waldwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich vor den größten Herausforderungen steht. Der aktuelle Waldzustandsbericht zeigt deutlich auf, dass wir aktiv mehr tun müssen, um unseren Wald zukunftssicher zu machen. Und es lässt sich auch nicht von der Hand weisen, dass damit hohe Kosten verbunden sind. Aber die Schlussfolgerungen, die Sie aus diesem Umstand ziehen, halte ich – und mit mir die SPD-Fraktion – für falsch. Ein renditeorientierter Fonds, und darauf laufen ja Ihre Vorschläge hinaus, mit dem Aufforstungsprojekte ertragsorientiert finanziert werden sollen, widerspricht den Zielen einer nachhaltigen, klimaangepassten und an den gesellschaftlichen Ansprüchen der Daseinsvorsorge orientierten Zielen der Waldbewirtschaftung, (Zuruf aus dem Plenum: Warum?) also genau den Zielen, zu denen Sie sich in Punkt 1 Ihres Beschlussvorschlags bekennen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) Ich möchte im Folgenden erklären, warum dies so ist: Ja, es gilt, den Wald zu mehren und erst Aufforstungsprojekte sowie die Waldverjüngung voranzubringen. Dazu hat sich das Land Mecklenburg-Vorpommern bekannt, im Rahmen der EU-Waldstrategie genauso wie im Rahmen der landesweiten Aufforstungskampagne „Unser Wald in Mecklenburg-Vorpommern“, und ebenso ist dies auch das erklärte Ziel der Landesforstanstalt. Festzustellen ist, dass in den vergangenen zwei Jahren über 1.000 Hektar zusätzlicher Wald auf Landesflächen geschaffen wurde, und das auch bei den Problemen, auf die Sie hingewiesen haben: Flächenkonkurrenz, privater Waldbesitz und so weiter und so fort. Hinzu kommt die Vergrößerung des Waldbestandes durch natürliche, ungeplante, aber eben auch vorsätzlich eingeleitete Verjüngungsprozesse, die alle zehn Jahre im Rahmen der Waldinventur festgestellt werden. Und wie stark der Waldbestand insgesamt zugenommen hat, wird sich erst nach Abschluss der laufenden Auswertung zur aktuellen Waldinventur zeigen. Voraussichtlich wird eine Zunahme des Waldbestandes festgestellt werden. Neben der Waldmehrung gilt es aber zugleich, den Waldbestand zu erhalten und an die sich ändernden Klimaverhältnisse anzupassen, damit die vielfältigen Waldfunktionen auch zukünftig erhalten bleiben. Denken Sie an die gesellschaftlichen Ansprüche zur Daseinsvorsorge, die der Wald erfüllt, an die Ökosystemdienstleistungen, die uns der Wald liefert, sofern wir ihm dies denn ermöglichen. Denken Sie an die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz, für den Naturschutz, zur Sicherung der Biodiversität, zur Trinkwassersicherung, Trinkwassergewinnung, an seine Bedeutung für Erholung und Landschaftspflege und natürlich an den Holzertrag, den uns die Bewirtschaftung des Waldes liefert. Um diese vielen verschiedenen Funktionen des Waldes zugleich berücksichtigen und fördern zu können, bedarf es strukturreicher Mischwälder sowie einer naturgemäßen Waldnutzung und -wirtschaft, so, Herr Schmidt, wie Sie es richtig in Ihrem Beitrag beschrieben haben. Das Land und die Landesforstanstalt M-V haben dazu das äußerst anspruchsvolle Vorhaben in Angriff genommen, den Landeswald zu einem klimaangepassten Dauerwald umzubauen und ihn widerstandsfähig gegen Witterungsextreme zu machen. Das heißt, Reinbestände werden abgeschafft und durch eine Mischung aus jungen und alten standorttypischen Laub- und Nadelbäumen ersetzt, sodass die Artenvielfalt auf natürliche Weise gestärkt wird. Voraussetzung dafür ist der Verzicht auf Kahlschläge. Stattdessen müssen aber regelmäßig einzelne Bäume selektiv aus dem Waldbestand entnommen werden. Das ist arbeitszeit- und kostenintensiv, bringt aber langfristig Vorteile für die Resilienz und Stabilität des Waldes, für den Artenschutz und für seine wirtschaftliche Nutzung, indem nämlich das Wachstum einzelner besonders wertvoller Bäume gezielt gefördert werden kann. Warum nun konterkariert Ihr Beschlussvorschlag diese Ziele? Der Waldumbau hin zu einer naturgemäßen Dauerwaldbewirtschaftung ist eine große Aufgabe, die über Jahrzehnte andauern wird, auch wenn das Umbauprogramm im Landeswald beschleunigt vorangetrieben wird. Hinzu kommt, bei einer naturgemäßen Dauerwaldbewirtschaftung werden – ich sagte es bereits – einzelne Bäume entnommen. Das ist arbeitszeit- und kostenintensiv. Und ich möchte daran erinnern, wer heute einen Baum pflanzt, der pflanzt ihn für die nächsten 100 Jahre. Das meint, ein wertvoller erntereifer Baum muss je nach Art zunächst 70 bis 120 Jahre wachsen. (Zuruf von Enrico Schult, AfD) Und er benötigt gerade unter den noch herrschenden Bedingungen in unseren Wäldern Schutz und Pflege, um gut wachsen zu können. Und auch das ist aufwendig und teuer. Waldwirtschaft ist unter dem Aspekt einer naturgemäßen klimaangepassten Dauerwaldbewirtschaftung kein lukratives Geschäft und steht damit eben zur Logik eines renditeorientierten Fonds, so, wie Sie ihn zur Finanzierung von Aufforstungsprojekten vorschlagen. Kurz und knapp, eine Renditeorientierung ist unter den Bedingungen einer klimaangepassten naturgemäßen Dauerwaldbewirtschaftung schlicht nicht möglich. Sehr wohl möglich ist aber eine immaterielle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Wald- und Aufforstungsprojekten, so, wie es mit der Waldaktie umgesetzt wird oder mit dem Landesforstanstaltsprojekt „DeinWald“. Und, Herr Schmidt, sehr geehrte Mitglieder der AfD-Fraktion, dabei handelt es sich gewiss nicht um eine Täuschung, denn nirgendwo wird mit dem Begriff der „Waldaktie“ oder des „HeckenSchecks“ oder des „Streuobstgenussscheines“ angedeutet, dass sich damit Geld verdienen lässt. (Thomas Krüger, SPD: Genau!) Überall wird darauf hingewiesen, dass es um einen, (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE) überall wird darauf hingewiesen, dass es sich um einen immateriellen Mehrwert handelt. Und genau darauf kommt es an. Bei der Baumpflanzaktion „DeinWald“ besteht zum Beispiel die Möglichkeit, einen Baum zu verschenken und natürlich auch selber einzupflanzen. Gerade für Kinder und Jugendliche ist es ein dauerhaftes Geschenk mit vielen positiven Wirkungen – für den Beschenkten, aber eben auch für den Wald, für die Natur, den Erhalt von Biodiversität und natürlich für den langfristigen Erhalt und die Ausweitung unserer Wälder. Es besteht auch die Möglichkeit, die gepflanzten Bäume so einzumessen, dass die Beschenkten noch Jahre später ihren Baum im Wald finden und aufsuchen können. Damit wird eine persönliche Beziehung zum gepflanzten Wald aufgebaut, was die Chance erhöht, dass sich die Beschenkten auch langfristig für den Zustand des Waldes und damit auch für seinen Erhalt und seinen Schutz interessieren. Und genau darauf kommt es an, und nicht auf einen kurzfristigen, renditeorientierten finanziellen Aspekt, wie Sie ihn hier vorschlagen. Wenn Sie also sagen, in der Vergangenheit sind viel zu wenig Waldaktien, Streuobstgenussscheine, Hecken-Schecks und so weiter verkauft worden, dann kann ich nur sagen, machen Sie mehr Werbung dafür! Vielleicht sollten wir alle zukünftig einmal darüber nachdenken, (Stephan J. Reuken, AfD: Machen Sie doch mal Werbung!) ob bei Familienfesten anstelle der üblichen Flasche Wein, die eben auch noch selten den Geschmack der Beschenkten trifft, nicht ein Baum verschenkt werden kann, (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) ein dauerhaftes Geschenk, das über die Jahre an Wert gewinnt, das Herz der Beschenkten erfreut und einen Gewinn für die Region bringt, (Rainer Albrecht, SPD: Sehr gut!) nicht zu sprechen von weiteren positiven Effekten, wie zum Beispiel den Beitrag zum Erhalt von Biodiversität. Zudem gibt es weitere neue Einnahmemodelle, um Aufforstungen zu finanzieren. Wir stehen hier am Anfang, diese Modelle werden ausgeweitet, zum Beispiel Bundeszahlungen zur Vergütung von Ökosystemdienstleistungen, die gleichzeitig an Managementauflagen für den Wald gebunden sind. Ich möchte abschließend noch einmal wiederholen, dieser Antrag, der mit einem so positiv klingenden Titel daherkommt, ist absolut überflüssig und er kommt auch einem Etikettenschwindel gleich. (Torsten Koplin, DIE LINKE: Das ist so.) Der Titel ist irreführend. Es soll ein renditeorientierter Waldfonds aufgelegt werden. Naturgemäße Dauerwaldbewirtschaftung mit dem Ziel des Klimaschutzes funktioniert aber nur, wenn die Waldbewirtschaftung nicht auf Ertrag, sondern auf Erhalt ausgerichtet wird. Daher werden wir Ihrem Beschlussvorschlag nicht zustimmen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE)

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