Falko Beitz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Das Handwerk bildet mit einem Anteil von 19,6 Prozent an allen Betrieben des Landes eine tragende Säule der Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. (Beifall vonseiten der Fraktion der SPD) Die Zahl der Handwerker je Einwohner liegt in unserem Bundesland über dem Bundesdurchschnitt. Gegenwärtig steht es im Vergleich zu anderen Branchen noch einmal mehr vor der Herausforderung, den Folgen des demografischen Wandels zu begegnen. Und dabei liegt die größte Aufgabe gegenwärtig in der Arbeits- und Fachkräftesicherung sowie damit verbunden häufig in der Regelung der Unternehmensnachfolge. Unser Kollege Henning Foerster hat auf die strukturellen Besonderheiten des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern bereits hingewiesen. Die Mehrheit der Handwerksunternehmen verfügt über weniger als fünf Beschäftigte. Der Anteil der Soloselbstständigen ist entsprechend hoch. Und ich will Ihnen ein Beispiel aus meinem Wahlkreis näherbringen, eine Bäckerei mit langer Tradition, gegründet 1865, ein Familienunternehmen, auch hier weniger als fünf Beschäftigte. Die Familie blickt also auf über 150 Jahre harte, bodenständige Arbeit zurück, in der Bilanz der Zeit eine Erfolgsgeschichte. Der Elterngeneration ist es gelungen, ihren Sohn für die Nachfolge zu motivieren. Er machte zunächst eine Bäckerausbildung und qualifizierte sich im Anschluss direkt zum Meister. Dem Juniorchef ist es wiederum gelungen, mit viel Kreativität in den letzten zehn Jahren Sortiment und Unternehmen auszubauen. Soweit die Erfolgsgeschichte. Aus einer anderen Perspektive betrachtet kann sich die Elterngeneration hingegen mit mehr als 70 Lebensjahren noch nicht zur Ruhe setzen. Seit 2018 ist es nicht gelungen, einen zweiten Bäcker oder Konditor zu akquirieren. Findet sich keine Fachkraft, sieht sich der Juniormeister mittelfristig in der Notlage, das Sortiment und die Öffnungszeiten wesentlich zu reduzieren, um Vater und Mutter mit 75 oder 80 Jahren in den Ruhestand entlassen zu können. Meine Damen und Herren, das ist mit Sicherheit kein Einzelfall, und nicht jeder hat die Kraft, so lange weiterzumachen, ohne Licht am anderen Ende des Tunnels zu sehen, denn eins steht fest, im Handwerk lässt sich auch in Zukunft gutes Geld verdienen. Handwerk hat sprichwörtlich goldenen Boden. Doch dazu bedarf es immer Menschen, die bereit sind, es mit Stolz und Enthusiasmus auszuführen. Um Handwerker wie den Bäcker zu unterstützen, müssen wir bewährte Förderinstrumente, Imagekampagnen und Unterstützungsangebote fortführen, in der Perspektive auch an bisher vernachlässigte Zielgruppen anpassen. Der Erhalt des Meistertitels ist dabei für uns Voraussetzung, um den künftigen Arbeits- und Fachkräftebedarf zu bewältigen, denn neben der Qualifizierung in Betriebswirtschaft erhalten Meister die Befähigung zur Ausbildung, sichern dementsprechend die Fachkräfte von morgen. Um diesen Prozess zu unterstützen, müssen das Programm „Meister-Extra“ und die Kampagne „Besser ein Meister“ fortgeführt werden. Wer eine Meisterausbildung macht, muss auch in Zukunft eine Prämie erhalten, denn am Ende braucht das Handwerk auch mehr gesellschaftliche Anerkennung. Insofern gilt es, gemeinsam mit den Handwerkskammern das Image über Kampagnen zu stärken. Akademische und berufliche Ausbildung müssen endlich auch von den Eltern als gleichwertig betrachtet werden. Darüber hinaus muss die Nachfolgezentrale als vertrauliche Ansprechpartnerin in der Prozesskoordinierung mit bisher immerhin 492 gemeldeten Unternehmen und 1.270 interessierten potenziellen Nachfolgern bei beiden Seiten noch bekannter gemacht werden. Dann wird es auch gelingen, Unternehmer und Nachfolgeinteressierte in diesem schwierigen Prozess zielgerichteter zusammenzubringen. Wir werden dafür nicht umhinkommen, eine – das hat Henning Foerster auch gesagt – Karriere im Handwerk auch für Frauen zu bewerben, denn diese stellen in den meisten Gewerken noch eine deutliche Minderheit mit großem Wachstumspotenzial dar. Das ist ohnehin Grundlage der Gleichberechtigung, in der Praxis jedoch eher die Ausnahme. Aber, meine Damen und Herren, in der Perspektive werden wir trotz der Maßnahmen eine Arbeits- und Fachkräftelücke sehen, die sich eher noch vergrößert. Wir sind also von Zuwanderung abhängig, stehen vor der Aufgabe, ausländische Arbeits- und Fachkräfte zu akquirieren, zu qualifizieren und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Erst in der vergangenen Woche hat der Bundesrat und mit ihm auch Mecklenburg-Vorpommern dazu das Fachkräfteeinwanderungsgesetz als wichtigen Schritt auf diesem langen Weg beschlossen. Die Bewältigung der Arbeits- und Fachkräftelücke wird maßgeblich vom Gelingen der Integration ausländischer Fachkräfte abhängen. Dazu bedarf es natürlich gut ausgebildeter Lehrkräfte, nicht nur an unseren Grund- und weiterführenden Schulen, sondern auch an Berufsschulen, deren Mangel an Lehrkräften wir vor allem entgegenwirken müssen. In diesem Zusammenhang bin ich der Landesregierung und meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bildungsausschuss dankbar, dass bereits im vergangenen Haushalt zusätzliche Mittel für Berufsschullehrer eingestellt wurden und auch für den kommenden Haushalt weitere Mittel vorgesehen sind. (Der Abgeordnete Enrico Schult bittet um das Wort für eine Anfrage.)
