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Dr. Harald Terpe

GRÜNE 16.06.2023 Sitzungen 8/57

Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ein versöhnliches Freitagsthema, vielen Dank, Frau van Baal! Vielen Dank, FDP! Es ist erwähnt worden, dass die Bienen für unsere Landwirtschaft deswegen von so großer Bedeutung sind, weil sie Teil der Bestäubungsleistung sind. Und wenn man sich vorstellt, es ist ja auch gesagt worden, dass zwei Drittel bis drei Viertel aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse sozusagen auf die Bestäubungsleistung angewiesen sind und dabei die Bienen natürlich eine Rolle spielen, ist die Bedeutung der Bienen nicht hoch genug einzuschätzen. Es ist auch schon gesagt worden von verschiedenen Seiten, dass es eine lange Geschichte zwischen Mensch und Biene gibt, die schon mehrere Tausend Jahre dauert und dazu geführt hat, dass es zunächst von der eher, sagen wir mal, spontanen Nutzung nachher zur Züchtung der Biene gekommen ist. Und im Kern ist diese züchterische Arbeit eine der größten Leistungen der Kulturgeschichte der Menschen. Das kann man nur würdigen. Und dabei sind ja nicht nur die Bienen, die man auch würdigt, sondern eben auch diejenigen, die sich mit der Zucht und mit der Imkerei beschäftigen. Leider hat das auch Schattenseiten. So führte die Bienenzucht dazu – und das war sicherlich vielleicht auch ungewollt, aber wenn man pragmatisch nachdenkt, ist es auch nicht verwunderlich, dass man, wenn man Bienen international austauscht und so weiter, damit auch Krankheiten austauschen kann –, und sicherlich ist es so, dass die ja schon angesprochene Milbe, Varroamilbe, durch diesen internationalen Austausch sich verbreitet hat und eines der größten Probleme eigentlich der Bienenhaltung geworden ist. Es ist im Zusammenhang mit der Züchtung sicherlich auch zur Verdrängung von bestimmten Wildarten oder Nebenarten und Unterarten gekommen. So ist zum Beispiel die Dunkle Honigbiene, die als ursprünglichste Form unserer Europäischen Honigbiene gilt, inzwischen vom Aussterben bedroht. (Thomas Krüger, SPD: Ja.) Und wir haben auch international natürlich Auswüchse der Bienenzucht. Wenn man an die Wanderimkereien der Vereinigten Staaten denkt, wo also mit Tausenden von Völkern gigantische Monokulturen angefahren werden und in diesem Zusammenhang die Bienen auch in ihrer Widerstandsfähigkeit durch die übergroße Einnahme von Pflanzenschutzmitteln beispielsweise sehr krankheitsanfällig geworden sind und dann, damit die Krankheiten nicht ausbrechen, auch antibiotisch noch behandelt werden, das sind sicherlich Auswüchse, die wir hier in Mecklenburg-Vorpommern gar nicht haben wollen, sondern es ist ja schon gesagt worden, dass die Honigbiene als Lackmustest der Diversität gilt, und auch der, sagen wir mal, nachhaltigen Landwirtschaft. Häufig werden im Zusammenhang mit diesem schlechten Gesundheitszustand von Bienenvölkern eben bestimmte Pflanzenschutzmittel kritisiert. Da erinnere ich mich, noch bis vor 15/20 Jahren sind es die Neonicotinoide gewesen, die da sehr im Gespräch waren und die im Verdacht stehen, die Bienen zu schädigen. Aber nicht nur die Honigbiene, sondern auch viele andere Insektengruppen kommen eben durch Agrochemikalien in Schwierigkeiten. Insektizide auf dem Acker unterscheiden eben nicht zwischen bösen und guten Insekten. Sie töten häufig alles, was da kreucht und fleucht. Und das sage ich ganz bewusst vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung um die EU-Pestizidverordnung. Der Deutsche Imkerbund mit mehr als 120.000 Mitgliedern, die größte europäische Interessenvertretung für Imkerinnen und Imker, setzt sich seit Jahren für eine Reduzierung dieser Pflanzenschutzmittel ein. Insofern müssen wir uns dann auch immer überlegen, wie wir argumentieren, und nicht sagen, es ist sakrosankt, nicht auch Pflanzenschutzmittel sozusagen zu reduzieren. Wer die Bienenzucht unterstützen und die Bienengesundheit fördern will, der sorgt für weniger Chemie auf dem Acker. Das ist meine feste Überzeugung. Das Bienenzuchtzentrum Bantin ist schon angesprochen worden, und ich habe da auch noch weiter dazugelernt und kann nur mich dem anschließen, dass wir darauf sehr stolz sein können. Das ist ja für alle diese Zentren international, das gilt ja fürs Bienenzentrum hier, aber auch für andere Zentren, die züchten und auf der anderen Seite eben auch dafür stehen, dass Diversität erhalten wird. Und das ist für die Zukunft ganz wichtig. Doch es ist so, dass wir neben der gezielten Unterstützung der Bienenzucht, also der Zuchtbiene, die Landwirtschaftsnutzung auch so steuern müssen oder die Landnutzung, nicht die Landwirtschaft, sondern die Landnutzung so steuern müssen, dass Wildbienen und andere Insektengruppen eben auch ihre Chance bekommen. Und für die Wildbienen ist bekannt, dass deren Bestäubungsleistung sogar noch effektiver sein kann als bei Honigbienen. Also der langen Rede kurzer Sinn: Die Landwirtschaft in unserem Bundesland wird auch davon bestimmt sein, wie die Zukunft unserer Honigbienen und unserer Wildbienen im Lande ist. Und in diesem Sinne fand ich, dass bisher eine gute Anhäufung von Wissen und gegenseitiger Unterstützung erfolgt ist, dass wir was für die Bienen tun wollen. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP)

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