Thomas Diener
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte einen Satz noch einmal aufgreifen. Natürlich ist eine Bienengesellschaft keine menschliche Gesellschaft. Im Bienenstock gibt es eine Königin und viele Arbeiter. (Heiterkeit bei Sandy van Baal, FDP) Die Biene lebt nicht viel länger als vier Wochen. Bei der harten Arbeit ist das auch genetisch vorprogrammiert. Und es ist auch so, wenn eine Biene in den Stock einfliegt und allein anders riecht, wird sie totgebissen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Das ist nicht sehr tolerant.) Also es ist ein nicht sehr demokratisches Verhältnis an der Stelle. (Heiterkeit vonseiten der Fraktion der AfD und Christiane Berg, CDU) Gleichwohl gehört die Biene zu den wichtigsten Nutztieren auf der Erde. Neben der Honigproduktion haben Bienen herausragende Bedeutung bei Obstbau und Landwirtschaft. Wichtige Kulturarten und Wildarten sind auf Fremdbestäubung angewiesen oder ziehen dann aus dieser Fremdbestäubung einen wesentlich höheren Ertrag, als sie sonst gehabt hätten. So sind ungefähr 80 Prozent der heimischen Pflanzen auf Insektenbestäubung angewiesen. In der Vergangenheit gab es gerade in den Wintermonaten Sterben von Bienenvölkern. Spezifische Gründe konnten für das sogenannte Colony-Collapse-Disorder-Syndrom, also umgangssprachlich ein Bienensterben, nicht ausgemacht werden, zumindest nicht ein Faktor. Vielmehr ist offensichtlich das Zusammenspiel verschiedener Faktoren für den plötzlichen Bienentod und das mysteriöse Bienenmassensterben verantwortlich. Hierzu gehören insbesondere die Varroamilbe, die Amerikanische Faulbrut, Stress, aber auch mangelhaftes Nahrungsangebot. Umso erfreulicher ist es deswegen auch, dass innerhalb der letzten fünf Jahre sowohl die Anzahl der Imker als auch die Anzahl der Bienenvölker in Mecklenburg-Vorpommern zugenommen hat, wenn man sich zumindest auf die Honigbiene konzentriert. So meldete die zuständige Tierseuchenkasse des letzten Jahres von Mecklenburg-Vorpommern ungefähr 30.000 Völker, die von rund 3.200 Imkern gehalten werden. Dies entspricht einem Zuwachs von 25 Prozent bei den Imkern und 18 Prozent bei den Bienenvölkern, also eine durchaus positive Tendenz. Offensichtlich greifen hier auch die Fördermaßnahmen des Landes und die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Obstbauern und auch Imkern. Einige Beispiele wurden von den Vorrednern hier schon genannt. In den zurückliegenden Jahren wurden seitens der Landesregierung zahlreiche Fördermaßnahmen zur Unterstützung der Imkerei aufgelegt. Hierzu zählen unter anderem die Förderung und Unterstützung der Bienenzucht und Bienenhaltung mit Mecklenburg-Vorpommern insgesamt, Schulungsmaßnahmen für Anfänger, Imker und Bienensachverständige, die Förderung der Zucht auch bei Varroatoleranz, die direkte Bezuschussung von Ausrüstungsgegenständen oder die Fördermöglichkeiten der Landwirte im Rahmen der Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen zur Anlage von Bienenweiden oder auch extensiv genutzten anderen Stücken. Insbesondere das Anlegen von sogenannten Bienenweiden unterstützt Landwirte und die Imkerei in unserem Land, denn nur mit einem ausreichenden Trachtangebot über den Großteil des Jahres hinaus kann die Existenz der Bienen über eine gleichmäßige Nahrungsgrundlage gewährleistet werden. Allein zur Eigenversorgung braucht ein Bienenvolk circa 50 Kilogramm Honig und 20 Kilogramm Pollen pro Jahr. Gerade im zeitigen Frühjahr und insbesondere ab der zweiten Sommerhälfte finden Bienen nur spärlich Futterquellen. Damit die Bienen eine ausgewogene Nahrungsgrundlage erhalten, muss ein fließender Übergang zwischen den Blühzeiten einzelner Pflanzenarten erreicht werden. Zur Bewässerung des sogenannten Trachtfließbandes gibt es eine ganze Reihe von geeigneten Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Zwischenfruchtanbau, Bienenweiden, mehrgliedrige Fruchtfolgen und ein breiteres Fruchtangebot im Bereich der Landwirtschaft. Meine sehr verehrten Damen und Herren, auch die Etablierung von dauerhaft angelegten Biotopen oder von einigen mehrjährigen Blühstreifen, die anstelle von Ackerbau genutzt werden können, ist hier nur ein Anliegen im Interesse der Imker. Dabei darf es aber nicht dazu kommen, dass eventuell mehrere Blühflächen aufgrund der extensiven Nutzung zu Schutzgebieten erklärt werden. Einen ähnlichen Effekt haben wir ja teilweise auch bei Stilllegungsflächen und extensivem Grünland auf Ackerflächen zum Beispiel, dass der Status da dort nicht verloren geht, sonst sind Landwirte auch kaum bereit, hier Extraflächen anzulegen. Natürlich – das klang auch schon an – spielt auch die Bildung in allen Bereichen des Lebens, so auch im Bereich der Imkerei, eine entscheidende Rolle. Nur wer Zusammenhänge kennt, kann auch die richtigen Entscheidungen treffen. Insofern ist meine Fraktion, sind wir sehr froh darüber, dass das Thema Bienen heute auf der Tagesordnung steht, nun nicht allein wegen des süßen B oder der anderen B, sondern für meine Fraktion steht fest, dass der Schutz der Bienen im Interesse der Imker, der Landwirte, der Obstbauern und der gesamten Gesellschaft liegt. Das wird auch in der Zukunft so sein und bleiben. Deswegen werden wir in den nächsten Landtagssitzungen einen konkreten Antrag einbringen, der sich mit den Problemen der Imkerei unseres Bundeslandes befassen wird. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktionen der CDU und FDP)
