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Thore Stein

AfD 16.06.2023 Sitzungen 8/57

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Zum Freitag noch eine wohltuende Debatte beziehungsweise eine Aussprache zum Thema „Bienen und Imkerei“ – hier dürften wir alle relativ eng beieinanderliegen. Zum Glück ist es keine Abstimmung, denn sonst müsste hier wieder gegen den Antrag gestimmt werden, aber bei einer Aussprache können wir uns ja alle einig sein. Honig und somit Bienen dürften den Menschen seit eh und je begleiten, zuerst in den Jäger- und Sammlergesellschaften und später dann im Zusammenhang mit der Domestizierung einst wilder staatenbildender Honigbienen als Nutztier. Erste Nachweise lassen auf eine gezielte Honigerzeugung seit über 10.000 Jahren rückschließen, und seit vielen, vielen Hundert Jahren erfolgt auch eine ganz gezielte züchterische Bearbeitung der Bienenrassen, ähnlich wie bei anderen Nutztieren, auch um eine gezielte Effizienzsteigerung zu erlangen und natürlich auch – Herr Minister Backhaus hat es angesprochen –, um die eher sanfteren Exemplare zu selektieren, um nicht ganz so oft gestochen zu werden. War die Imkerei über Jahrhunderte auch in Mecklenburg-Vorpommern ein ganz wichtiger Bestandteil der Lebensmittelerzeugung, aber auch Rohstofferzeugung, Bienenwachs et cetera, gerade im Mittelalter eigentliche der einzige Stoff, aus dem man Kerzen für die dunkle Jahreszeit erstellen konnte, so ist es leider heute so, dass die Honigerzeugung aus dem Ausland eigentlich die heimische mittlerweile weit übertroffen hat. Ich glaube, wir liegen aktuell noch bei circa 30 Prozent Eigenproduktion und der Rest wird importiert, überwiegend aus mittlerweile Südamerika, aber auch die Ukraine war bis zuletzt noch ein sehr bedeutender Lieferant. Und es ist dahin gehend auch sehr schön, dass das Halten von Bienen und somit auch das Erzeugen von Honig in den letzten Jahren eine gewisse Renaissance erlebt. Allein seit 2010 hat sich die Anzahl der Imker, die übrigens in über 95 Prozent der Fälle als Hobbyimker tätig sind, um rund 40 Prozent erhöht und erreicht bald wohl 150.000 immerhin registrierte Bienenhalter. Wahrscheinlich gibt es noch ein paar weitere, die das ohne eine amtliche Registrierung betreiben, was ja auch in Ordnung ist. Und die Biene hat sich in Teilen deswegen heute auch eher, glaube ich – die positive Konnotation –, zu einem Maskottchen des Artenschutzes und somit auch unseres guten Gewissens entwickelt, nicht zuletzt natürlich – auch Herr Minister Backhaus hat es angesprochen – aufgrund ihrer äußerst wichtigen Rolle als Bestäuber und somit Garant für reichhaltige Erträge, insbesondere im Obstbau, aber natürlich auch als Ausdruck eines gewissen neuen Lifestyles in Zeiten von Landlustmagazinen und Selbstversorgerromantik. Und so wundert es kaum, dass mittlerweile selbst in den Städten und auf so manchen Balkonen moderner Altbauviertel Bienenkästen stehen. Man braucht ja schließlich was, wenn man beim Szeneitaliener seinen Latte Macchiato trinkt, was man erzählen kann, sonst wäre es ja auch langweilig. Diese neue Blüte der Imkerei ist natürlich auch sehr zu begrüßen. Und was auch sehr schön ist, dass zunehmend junge Leute die Imkerei als Hobby entdecken, und das ganz im Kontrast zur ansonsten teilweise sehr seelenlosen Moderne einer digitalen Welt. Und das soll auch so bleiben und muss auch weiter gefördert werden. Trotz dieser positiven Entwicklung, hatte ich eben schon gesagt, haben wir leider den Fall, dass zunehmend auch der Lebensmitteleinzelhandel günstigen Honig aus aller Welt importiert, obwohl wir eigentlich ein sehr hochwertiges Produkt vor der eigenen Haustür produzieren, denn wenn wir mal ehrlich sind, es gibt, glaube ich, kein Lebensmittel, was so stark regional hergestellt wird wie Honig, den fast jeder in seinem eigenen Dorf kaufen kann. Das schafft sonst nichts mehr aus unserer Lebensmittelherstellung. Honig wird häufig beim Nachbarn hergestellt und ich kann ihn quasi dann direkt auch kaufen. Noch kürzer können die Wege gar nicht sein. Und so ist es durchaus sehr zu begrüßen, dass das Land Mecklenburg-Vorpommern sogar auch entsprechende Fördermöglichkeiten bereitstellt, um die heimische Produktion in diesem Bereich nachhaltig zu steigern. Ein Blick über den Rand des Honigtopfes quasi hinaus ist aber auch notwendig, um die ganzheitliche Bedeutung der Biene als Nutztier über seine reine Honigerzeugung hinaus zu würdigen, denn neben zahlreichen weiteren Insekten ist die Biene als Bestäuber essenziell, insbesondere im Obst – ich erwähnte es eben –, und trägt hier ganz entscheidend zur Ertragsbildung bei. Herr Backhaus, ich muss Sie kurz korrigieren: Sie sprachen eben von 500 Bienenarten, die es weltweit gibt. Das ist nicht ganz richtig. Es gibt weltweit mittlerweile bestätigt 17.000 Bienenarten, und man schätzt, dass es 20.000 bis 30.000 gibt, die noch nicht entdeckt sind. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 550 wildlebende Bienenarten, die hier nachgewiesen sind. Und wir, das haben Sie richtig gesagt, konzentrieren uns natürlich in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten eben auf eine sehr selektierte Züchtung. Das heißt, die klassische Honigbiene ist eigentlich eine nur sehr eingeschränkte genetische Auswahl dessen, was die Natur an Fülle bereithält. Und da ist eben der Fokus viel stärker auf der Bestäuberleistung zu sehen. Allerdings – das ist natürlich so ein bisschen das Trübe an der ganzen Geschichte – sind eben gerade diese Wildbienenarten in ihrem Fortbestand sehr stark gefährdet, und das insbesondere auch dadurch, dass viele Arten als Kulturfolger gelten. Das heißt, sie haben sich über die letzten Jahrhunderte an die menschliche Kulturlandschaft angepasst, so zum Beispiel eben auch an die Art und Weise, wie wir über viele Jahrhunderte Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude errichtet haben. Wer noch so einen alten Hof besitzt, der wird sie kennen, die Mauer- und auch die Mörtelbiene, die ganz gezielt zum Beispiel in den Hohlräumen der oftmals verwitterten Fugen von Backsteinmauerwerk nistet, denn diese Fugen waren eigentlich klassischerweise aus recht weichem Kalkmörtel gebaut, sodass sich hier eben Insekten reinarbeiten konnten und ihre Nester bauen konnten. Mittlerweile haben wir leider das Problem, dass wir diese alten Baustoffe abgelöst haben durch allerlei modernen Kram. Zementgebundener Außenputz, der unglaublich hart ist, natürlich auch petrochemische Baustoffe, also erdölbasierte Baustoffe, und natürlich die unsägliche Verkleidung historischer Fassaden mit Styropor sind nicht unbedingt der Artenvielfalt förderlich. Und ohne Frage ist natürlich auch die moderne Landwirtschaft nicht ohne Anteil an der Zurückdrängung wildlebender Insekten und Bienen. Das würde auch niemand abstreiten. Aber hier muss man einfach mal anmerken, dass viel zu oft nichts getan beziehungsweise bewusst weggelassen wird, dass wir hier seit unglaublich vielen Jahren, eigentlich seit 20 bis 30 Jahren schon einen deutlichen Wandel haben, hin zu einem ganz gezielten Insektenschutz durch die Landwirte. Wer sich mit der Materie ein bisschen auskennt, weiß, dass man natürlich durch gezielte ackerbauliche Maßnahmen für die Früchteuntersaaten und natürlich auch für die im Biotopverbund so wichtigen Blühstreifen unglaublich viel für die Insektenwelt tun kann, und das ist auch für Deutschland mittlerweile fast Standard geworden. Die bienenschonende Ausbringungstechnik, nicht jeder kennt das, aber wer es kennt, die Rapsblütenbehandlung im Frühjahr wird mittlerweile mit sogenannten Dropleg-Düsen gemacht, das heißt, die Düse wird weit unterhalb der Blütenebene angesiedelt, bekämpft also die Schaderreger, in dem Fall einen Pilz im Bereich der Stängel unterhalb der Blüte, sodass eben die Biene in ihrem Flug überhaupt nicht gestört wird. Und das gilt es eben auch einmal zu würdigen, und natürlich auch die hohen Standards an die Zulassung von Wirkstoffen und natürlich auch das sehr hohe Ausbildungsniveau unserer Landwirte, was weltweit seinesgleichen sucht. Daher ist es immer sehr einfach, natürlich der Landwirtschaftsbranche hier den Schwarzen Peter zuzuschieben. Man verkennt aber eben auch die doch multikausalen Zusammenhänge, die zum Artenschwund im Bereich der Fluginsekten führen. Ich möchte einmal anmerken, wie unsere Gärten heutzutage aussehen. Früher waren die Bauerndörfer geprägt von unglaublich artenreichen Bauerngärten und heute finden wir im Regelfall irgendwelche monotonen Rasenflächen mit Mähroboter, der jedes Blühen im Ansatz verhindert. Schottergärten werden mittlerweile glücklicherweise in immer mehr Kommunen auch geächtet. Aber auch der Einsatz von an sich für unseren Lebensraum fremden Zierpflanzen in den Gärten, die häufig gar nicht mehr das Potenzial an Nektar bieten, was die Insekten benötigen. Halten wir also fest: Bienen, sowohl wildlebende als auch domestizierte, sind äußerst wichtig, das wurde hier mehrfach betont, als Lieferant regionaler Lebensmittel und natürlich auch Garant der Bestäuberleistungen der Landwirtschaft. Und wir sind uns, glaube ich, einig, dass wir die Imkerei auch kommenden Generationen als wichtiges und auch schönes Hobby näherbringen wollen und somit auch erhalten wollen. Und zu guter Letzt die Aufklärungsarbeit, da sehen wir natürlich die Bildungspolitik auch ein bisschen in der Pflicht für den Erhalt und auch die Wiedererschaffung einer bienenfreundlichen und somit auch insektenfreundlichen Kulturlandschaft. Es ist nicht nur Aufgabe der Landwirte, sondern auch der Kommunen und privaten Grundstücksbesitzer, denn schließlich ist es relativ einfach, jeder kann seinen Beitrag dazu leisten, und wenn es einfach darin besteht, dass man seinen Rasen auch mal ein paar Wochen nicht mäht und auch mal ein paar Blühpflanzen hochkommen lässt. – Danke schön! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Vielen Dank, Herr Abgeordneter! Für die Fraktion der CDU hat das Wort der Abgeordnete Thomas Diener.

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