Sabine Enseleit
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wir benötigen Lehrer und wir benötigen sie dringend. Laut Ministerium scheiden bis 2030 rund 7.000 Lehrerinnen und Lehrer aus dem Schuldienst aus. Die Fakten sind bekannt, allein es fehlt an geeigneten Gegenmaßnahmen. Jetzt kommen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen der AfD, mit dem Vorschlag einer pädagogischen Hochschule. Der Antrag wurde beziehungsweise wird schon in anderen Bundesländern gestellt. Das erklärt, liebe Katy Hoffmeister, warum so wenig auf die regionale Situation hier im Land eingegangen wird. Eine Hochschule, an der Sie vorrangig, so steht es in Ihrem Antrag, Landeskinder ausbilden wollen oder dann doch eine gemeinsame norddeutsche Hochschule, wie in Ihrem Antrag ebenfalls vermerkt, was machen wir dann mit den Landeskindern? Und was ist, wenn diese dann einfach in den anderen Nordländern verbleiben oder nach Süddeutschland abwandern? Mal abgesehen davon, dass, wenn Ihre pädagogische Hochschule dann vielleicht 2035 eröffnet würde, hätten Sie 2040 erst die ersten dort ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer. Das ist viel zu spät. (Nikolaus Kramer, AfD: Deswegen ist es besser, noch länger zu warten?! – Zurufe von Jens-Holger Schneider, AfD, und Paul-Joachim Timm, AfD) Mit Rostock und Greifswald hat unser Bundesland zwei Universitäten, die bereits jetzt Lehrer ausbilden. (Zuruf von Nikolaus Kramer, AfD) Sie haben die Infrastruktur und die Erfahrung sowie das Personal. Zugegeben, es gibt gerade in den MINT-Fächern hohe Abbrecherquoten und damit einige Probleme bei der Lehrerausbildung, aber die lassen sich beheben, dazu brauchen wir keine neue Hochschule. Wir müssen über die Inhalte des Lehramtsstudiums reden. Ist es wirklich notwendig, dass angehende Gymnasiallehrer die gleichen Leistungen erbringen müssen wie reine Mathematikstudenten? (Zuruf von Hannes Damm, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Lehramtsstudent hat vor, Kinder und Jugendliche zu unterrichten und will nicht am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik die Kernfusion möglich machen. (Beifall vonseiten der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Und in diesem Zusammenhang muss auch gleich gefragt werden, ob das Fach Mathematik heute überhaupt noch dieselbe Relevanz hat wie vor 100 Jahren oder ob nicht jetzt und in Zukunft ganz andere Qualifikationen gefordert sind. (Sandy van Baal, FDP: Richtig!) Wir sehen aktuell an den erneut schlechten Ergebnissen der Matheabiturprüfung, welche Problematik hier vorliegt. Wenn nicht grundlegend die Inhalte in der Ausbildung und Lehre überarbeitet werden, kann ein Ausweg sein, Mathe ganz aus den Prüfungsanforderungen zu nehmen. Damit wären unsere Landeskinder, liebe AfD, nicht mehr benachteiligt und es würden die jungen Menschen nicht ihrer Berufschancen beraubt, wie die Petentin, die zur Reform der Prüfungsordnung vor dem Hintergrund des erneut schlechten Abschneidens eine Petition gestartet hat. Die junge Frau kann nämlich jetzt kein Medizinstudium aufnehmen – fatal, denn wir brauchen dringend Ärzte, wie wir gestern erst wieder gehört haben. (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Also die Lerninhalte gehören erst einmal auf den Prüfstand. Dazu benötigen wir keine neue Hochschule. Die Lehramtsausbildung ist in Rostock und Greifswald etabliert. Die Lehramtsausbildung muss reformiert werden. Den Aufbau eines komplett neuen Systems sehen wir als geplante Verschwendung von Steuermitteln. Und wer garantiert nach dieser Steuerverschwendung, dass die Absolventen auch in Mecklenburg-Vorpommern bleiben? Oder wollen Sie die Menschen dazu zwingen hierzubleiben? (Zuruf von Paul-Joachim Timm, AfD) Wenn M-V eine zukunftsorientierte Lehrer/-innen-Ausbildung gestalten will, brauchen wir attraktive Studienbedingungen an den bestehenden Hochschulorten. Ein weiterer Lehramtsstandort würde die Leistungsfähigkeit von Rostock und Greifswald gefährden und das Lehramtsstudium dadurch insgesamt schwächen. Auch finanziell ist es sinnvoller, die Lehramtsausbildung an den Universitäten finanziell und personell besser auszustatten. Schon jetzt sind die Hochschulen und Studentenwerke unterfinanziert. (Beifall René Domke, FDP) Dem Lehrkräftemangel in M-V begegnet man nicht durch eine neue Hochschule, sondern durch eine strategische und langfristige Personalplanung, zeitgemäßen Inhalten und idealen Studienvoraussetzungen. Ihren Antrag lehnen wir darum ab. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)
