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Christian Albrecht

Die Linke 16.06.2023 Sitzungen 8/57

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD greift mit der pädagogischen Hochschule eine durchaus populäre Forderung auf, und die ist auch deswegen populär, weil sie ein Symbol ist. Die pädagogische Hochschule ist ein Symbol für den Wunsch nach mehr Praxisbezug in der Lehramtsausbildung in der ersten Phase und von einer Neuausrichtung weg von einer so wahrgenommenen Überfrachtung mit Fachinhalten hin zu mehr Pädagogik, Didaktik, bildungswissenschaftlichen Inhalten, also kurzum dem Handwerkszeug des Lehrerberufs. Das wünschen sich auch Studierende selbst. Die beklagen oft zu Recht, das Studium hätte an vielen Stellen wenig mit dem Lehrerberuf zu tun. (Zuruf vonseiten der Fraktion der AfD: Aha!) Und ich kann aus eigenem Erleben bestätigen, dass das in manchen Bereichen auch so ist, hab ja selber an der Universität Rostock Geschichte und Englisch Gymnasiallehramt studiert. (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Und auch in der genannten Radisch-Studie ist einer der meistgenannten Gründe, warum Lehramtsstudierende aufhören beziehungsweise wechseln, (Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) eben dieser so wahrgenommene fehlende Praxisbezug, der auch oft dann den Übergang von der ersten in die zweite Ausbildungsphase erschwert. Also das ist gut belegt, und man kann diesen Wunsch nach mehr Praxisbezug gut begründen. Aber wenn man das angehen möchte – und da ist die Landesregierung ja schon dabei, wurde ja auch genannt –, brauche ich nicht unbedingt eine pädagogische Hochschule. Auch wir als Fraktion DIE LINKE haben in der Vergangenheit laut über die pädagogischen Hochschulen nachgedacht, das intensiv geprüft, aber das hat bei uns nie den Stand der Antragsreife erreicht. Und auch bei unserem letzten umfassenden Gesetzesentwurf 2019 zur Lehrerbildung hat die Forderung das auch gar nicht mehr reingeschafft. Und warum ist das so? Das hat vor allem strukturelle Gründe. Wenn wir jetzt auf der grünen Wiese eine Hochschullandschaft neu konzipieren würden, dann könnte man auch überlegen, ob man hier eine pädagogische Hochschule schaffen möchte. Das könnte dann durchaus eine Lösung sein. Aber wir haben eine gewachsene Hochschullandschaft, und das Lehramt spielt dort eine ganz zentrale Rolle. Und damit Sie mal ein Gefühl dafür kriegen: Wir haben – also meine Zahlen sind von 2021 – etwa 39.000 Studierende im Land. Laut Gesetz sind 4.000 Plätze, Kapazitäten für Lehramtsstudierende vorgesehen. 4.700 hatten wir an der Stelle. Und da sehen wir, dass mit mehr als zehn Prozent der Immatrikulierten die Lehramtsstudierenden ein ganz gewichtiger Faktor hier im Land sind. Diese 4.700 verteilen sich dann auf die Standorte Rostock und Greifswald. Und in Rostock ist etwa jeder vierte eingeschriebene Studierende ein Lehramtler oder eine Lehramtlerin und in Greifswald immer noch jeder achte. Also auch für die beiden universitären Standorte sind die Lehramtsstudierenden ganz doll wichtig. Und jetzt möchte ich einmal kurz ausführen, in unserem Koalitionsvertrag, dort haben wir unter Ziffer 300 uns auf Folgendes verständigt: „Die Koalitionspartner bekennen sich zu allen bestehenden“ Standorten. „Sie werden diese erhalten und weiterentwickeln.“ Und das bitte ich, einmal kurz im Hinterkopf zu behalten. Bei der Einrichtung einer pädagogischen Hochschule gibt es jetzt zwei mögliche Szenarien: Entweder, die wird on top geschaffen, dann haben wir sofort Fragen nach Finanzierung, Standort, Lehr- und Verwaltungspersonal, wo auch keiner weiß, wo das herkommen soll, wir hätten dann Redundanzen in der Hochschullandschaft, etwas, was wir eigentlich zu vermeiden versuchen, und die Frage nach der Gleichwertigkeit sowohl in der Studierbarkeit und auch bei den Abschlüssen würde sich dann stellen. Oder wir hätten Szenario 2 und lösen das Lehramtsstudium aus den Universitäten heraus und etablieren da einen neuen Standort. Die Zahlen habe ich genannt. Das wäre ein enormer Standort für die beiden Universitäten und eben ein krasser Widerspruch zu dem Commitment, was ich ja gerade genannt hab, diese Ziffer 300 im Koalitionsvertrag. Das würde ganze Fachbereiche in Greifswald und in Rostock infrage stellen, weil zum Beispiel die Philosophische Fakultät ganz wesentlich von den Lehramtsstudierenden lebt. Und dann müssten wir aber an einer anderen Stelle, an einem anderen Standort eine neue Fachhochschule mit mindestens 4.000 Plätzen konzipieren. Ja, das wird dann wahrscheinlich auch ganz erheblich ins Geld gehen. Und das finde ich dann auch spannend, dass die AfD jetzt hier dann sagt, na gut, Geld interessiert uns nicht, (Zuruf von Jens-Holger Schneider, AfD) das wird dann halt einfach mal so aus dem Ärmel geschüttelt, die zweite Universität oder die Fachhochschule – hat ja Frau Hoffmeister gerade genannt –, die soll auch noch kommen, und das gerade von der AfD, die sich sonst hier immer hinstellt und vor allen Dingen Steuerentlastungen fordert, die immer sagt, so einnahmenseitig, da können wir ruhig runtergehen, wir lassen das Geld bei den Bürgerinnen und Bürgern, (Zuruf von Martin Schmidt, AfD) dann aber hier dem Staat ganz erhebliche Mehrausgaben aufdrücken will, ohne zu sagen, wo das herkommen soll. Das finde ich an der Stelle unseriös. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Zurufe von Petra Federau, AfD, und Jens Schulze-Wiehenbrauk, AfD) Also – ich muss zum Abschluss kommen, wir haben nur fünf Minuten –, egal, welche Variante, es wäre ein organisatorischer Wahnsinn, das jetzt zu machen. Dafür brauche ich auch keine Machbarkeitsstudie. Wir haben uns darauf verständigt, wir möchten die Lehramtsausbildung reformieren. Das ist, soweit ich weiß, gerade in Erarbeitung. Wenn das dann da ist, erhoffe ich mir noch mal ganz erhebliche Verbesserungen, eben mit dem Ziel, mehr Praxisbezug Einzug halten zu lassen, die Abbrecherquoten zu minimieren. Und das ist am Ende auch der deutlich produktivere, schnellere, nachhaltigere und mit deutlich weniger Konflikten behaftete Lösungsweg. Insofern lehnen wir Ihren Antrag an der Stelle ab. – Vielen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

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