Enrico Schult
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürger! Wenn man sich das eben angehört hat von Frau Oldenburg, dann muss man ja meinen, alles ist in Butter hier in diesem Land. (Marc Reinhardt, CDU: Ja, über Nacht.) Die Wahrnehmungen, die ich von den Eltern bekomme, die Wahrnehmungen, die ich in der Zeitung, in den Medien bekomme, die zeigen mir ein ganz anderes Bild, werte Frau Ministerin. (Zuruf von Nikolaus Kramer, AfD) Und ich weiß nicht, also, wenn Sie die Realität nicht anerkennen wollen, dann sind wir tatsächlich auf einem schlechten Weg. Sie sagten, wir geben eine halbe Milliarde mehr aus im Landeshaushalt. Aber warum sind die Ergebnisse denn so ernüchternd? Insofern müssen wir uns da hinterfragen, ob wir da auf dem richtigen Weg sind. Wir sind es nicht, meinen wir als AfD-Fraktion. Ich teile die Kritik vom Kollegen Renz, wenngleich ich sagen muss, Herr Renz, Sie haben ja hier die Bildungspolitik kritisiert – CDU: 16 Jahre auf Bundesebene verantwortlich gezeichnet, (Sebastian Ehlers, CDU: Bundesebene!) 15 Jahre hier im Land verantwortlich gezeichnet –, (Sebastian Ehlers, CDU: Weil Bildung ja auch Bundesebene ist?!) also Sie haben doch alle Fäden in den Händen gehalten, wo Sie hier was hätten machen können. (Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Sich jetzt hier hinzustellen und zu sagen, alles ist schiefgelaufen, ist unglaubwürdig, ist heuchlerisch. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD – Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und insofern kann ich das nur so zurückweisen, dass Sie sich jetzt als Bildungspolitiker hervortun wollen, der hier in Bausch und Bogen alles kritisiert. (Torsten Renz, CDU: Bildungspolitik ist Landeshoheit.) Sie hatten die Möglichkeit, selber tätig zu werden. Wir halten in der Tat nichts von einem Sondervermögen Bildung, weil wir sind der Meinung – so war es ja auch bei dem oder es ist ja quasi schon, dass wir jetzt ständig Sondervermögen irgendwie auflegen –, wir meinen, dass das Sondervermögen Bildung nichts bringen wird, denn, wenn sie gutes Geld einem dysfunktionalen System da hinterherschmeißen oder hineinstecken, dann funktioniert es nicht. Das hätte ich auch gerne so auf der Podiumsdiskussion des VBE gesagt. Leider war meine Partei nicht eingeladen, und das zeigt ja auch wieder, dass eben kritische Stimmen nicht gewünscht sind. (Thore Stein, AfD: Genau. – Zuruf von Sebastian Ehlers, CDU) Aber ich sage alles noch mal und in aller Deutlichkeit: In der Politik gilt der Grundsatz, wie bald sich alles ändern kann, und wer weiß, ob wir uns vielleicht an anderer Stelle noch mal wiedersehen, werte Mitglieder oder werte Vertreter des VBE. (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD) Wie gesagt, wir als AfD haben keine Einladung bekommen. Insofern sind kritische Stimmen nicht erwünscht, wenngleich wir wirklich eine starke parlamentarische Kraft hier in diesem Land darstellen. (Marc Reinhardt, CDU: Hat der VBE wahrscheinlich noch nicht mitbekommen.) Doch, die haben es durchaus mitbekommen. (Heiterkeit und Zuruf von Marc Reinhardt, CDU) Wir meinen, dass quasi die Lehrerausbildung an sich geändert werden muss. Wir meinen, dass das Referendariat geändert werden muss. Wir sind dafür, ja, für die Verschlankung der Lehrerausbildung – da komme ich morgen noch mal zu, wir haben einen Antrag eingebracht für die Gründung einer pädagogischen Hochschule, da freue ich mich schon auf die Debatte – und natürlich mehr Mut zur Praxisrelevanz im Lehrerstudium. Das sind die Dinge, die uns immer wieder gespiegelt werden von den Kollegen. Und, liebes Bildungsministerium, vielleicht sollten wir auch mal ehrlich sein, dass der Lehrerberuf nicht nur mit dieser Work-Life-Balance zählt. Sie laufen hier am Strand rum und versuchen, Lehrer irgendwie hier nach Mecklenburg-Vorpommern zu locken, mit großer Schleppwerbung und Bannerwerbung und große Anzeigen und so weiter, aber es zeigt einfach auch, wenn man dann vor der Klasse steht mit viel Unterrichtsauftrag und vielen Unterrichtsstunden, mit vollen Klassen, sodass oftmals ganze Stunden oder ganze Fächer ausfallen, dann ist die Realität eine andere, und da müssen wir uns dann auch ehrlich machen gegenüber den Lehramtsstudenten oder gegenüber den Lehrern im Seiteneinstieg. Wie das System hier, obwohl Frau Oldenburg ja ein komplett, gänzlich anderes Bild gezeigt hat, eigentlich dysfunktional ist, möchte ich kurz an einer Veranstaltung heute, ja, beispielhaft darlegen. Frau Oldenburg hatte das so ja so euphemistisch dargestellt, Mensch, wir informieren die Schulen und informieren die Eltern – was heute passiert ist in Güstrow, war nicht eine Information der Eltern, es war ein Appell, eine Aufforderung, der Wunsch, sich als Lehrer im Seiteneinstieg zu bewerben. (Ministerin Simone Oldenburg: Ja, und?!) Und das, liebe Kollegen, das muss man sich mal vorstellen: Da sitzen die Eltern – die haben mich nämlich angesprochen –, da sitzen die Eltern zu Hause und da schreibt das Bildungsministerium, ich zitiere: „… der Fachkräftemangel stellt aber auch uns vor besondere Herausforderungen. … Deshalb findet auch“ an der Schule Ihres Kindes „ein Informationsnachmittag statt, um weitere Lehrkräfte und ggf. unterstützendes Personal zu gewinnen.“ Ja, aber was hat denn das für eine Wirkung auf die Eltern? Ich gehe doch davon aus, dass meine Kinder in der Schule adäquat unterrichtet werden und dass jetzt nicht reihenweise Eltern angesprochen werden im Sinne einer großen Mobilmachung, könnt ihr noch irgendwie jetzt hier als Lehrer tätig werden. (Heiterkeit bei Thore Stein, AfD) Ich bin selbst in meinem Beruf Vermesser. Ich weiß nicht, ich würde mir das nicht zutrauen, mich als Mathelehrer da jetzt irgendwie vor die Klasse zu stellen. (Thore Stein, AfD: Ja, Geografie aber.) Aber das zeigt doch eigentlich die Dysfunktionalität des gesamten Systems, dass wir auch schon auf solche Mittel zurückgreifen müssen. Sie haben das hier schön dargestellt, aber letztlich ist es doch eigentlich eine Kapitulation, ein Armutszeugnis, (Nikolaus Kramer, AfD: Mathelehrer braucht es ja nicht, Matheabitur wird ja auch abgeschafft.) dass, obwohl Sie ganz viel Geld jetzt hier auch angesprochen haben, obwohl wir ganz viel Geld hier reinstecken, dass es uns nicht gelingt, die drängenden Probleme – und das haben Sie nur am Rande angesprochen –, die drängenden Probleme des Unterrichtsausfalls, des Lehrermangels hier zu beheben. Wir meinen, es bedarf keines Sondervermögens, wir meinen, es bedarf einer grundsätzlichen Revision der Bildungspolitik. Da werde ich morgen gern noch mal ausführen zu der pädagogischen Hochschule. Das wäre unseres Erachtens ein richtiger Schritt, wenngleich das natürlich auch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Aber bitte stellen Sie sich nicht hier hin und lassen sich feiern und klopfen sich auf die Schultern! Denn da muss ich den Kollegen der CDU recht geben, vorher war alles schlecht, wenn man die Plenarprotokolle und Pressemitteilungen der Linksfraktion sich anschaut, und seit eineinhalb Jahren läuft alles blendend. Es wird alles im rosaroten Faden dargestellt. (Beifall Thore Stein, AfD: He!) So ist es mitnichten, wie es uns von den Eltern gespiegelt wird, wie es von den Lehrern gespiegelt wird. (Zuruf von Thore Stein, AfD) Und da bitte ich, kommen Sie da zur Vernunft und sehen der Realität ins Auge! – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, liebe Kollegen! (Beifall vonseiten der Fraktion der AfD)
