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Christine Klingohr

SPD 14.06.2023 Sitzungen 8/55

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die gut funktionierende Gesundheitsversorgung in Deutschland fußt maßgeblich auf unserer erstklassig ausgebildeten Ärzteschaft. Eine ausreichend große Zahl berufstätiger Ärztinnen und Ärzte ist daher für die medizinische Versorgung unabkömmlich. Infolge des demografischen Wandels wird die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt immer älter, wodurch in den nächsten Jahren mit einem Anstieg des Behandlungsbedarfs gerechnet werden kann. Gleichzeitig wird eine große Zahl an Ärztinnen und Ärzten in den kommenden Jahren in den Ruhestand treten. Um die altersbedingt aus der Patientenversorgung ausscheidenden Ärztinnen und Ärzte zukünftig zu ersetzen und gleichzeitig den steigenden Behandlungsbedarf auffangen zu können, bedarf es mehr Absolventinnen und Absolventen der Humanmedizin, als aktuell von den Universitäten in Deutschland ausgebildet werden. Gemessen an unserer Bevölkerungsgröße stellen wir als Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Moment überdurchschnittlich viele Medizinstudienplätze zur Verfügung. Wir sind hier also grundsätzlich gut aufgestellt. Das haben wir auch in verschiedenen Anhörungen von Experten gehört. Aber nichtsdestotrotz wollen wir die Bemühungen weiter fortsetzen, mehr Studienplätze zu schaffen. Wir müssen vor allem dafür Sorge tragen, dass die angehenden Medizinerinnen und Mediziner nach Abschluss ihrer Ausbildung bei uns im Land bleiben und tätig werden. Mit diesem Ziel, und das haben wir heute Abend bereits von mehreren Rednern gehört, wurde mit viel Kraft das Landarztgesetz auf den Weg gebracht. Und mit diesem Ziel finden bereits Gespräche – die Sozialministerin hatte es gesagt – im Bund und im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz statt, um die Landarztquote weiterzuentwickeln. Auch das angesprochene Auswahlverfahren bei der Vergabe von Studienplätzen im Rahmen der Landarztquote ist zurzeit sehr sinnvoll und wird durch die Kassenärztliche Vereinigung und die Unimedizinen sehr sinnvoll umgesetzt. Aber auch da gilt es, diesen Staatsvertrag zu prüfen, und auch das wird in Angriff genommen. Um im Einzelnen nun auf den vorliegenden Antrag der CDU einzugehen: Führen Sie sich vor Augen, dass die Ausweitung der Landarztquote auf die fachärztliche Versorgung zulasten der hausärztlichen Versorgung umgesetzt werden müsste! Im Bereich der Allgemeinmediziner sehen wir jedoch die größte Knappheit. Daher sollten wir uns auch hierauf konzentrieren und andere Wege parallel beschreiten. Grundsätzlich werden wir die viel umworbenen Medizinerinnen und Mediziner, genauso wie die Pflegekräfte und Beschäftigte in den Medizinfachberufen, nur im Land halten, wenn wir umfassend attraktive Lebens- und Arbeitsbedingungen schaffen. Die Kollegin Becker-Hornickel hat es eben noch mal vorgetragen. Wer im Laufe seines Studiums und seiner Facharztausbildung zufrieden in Mecklenburg-Vorpommern lebt, bleibt uns mit höherer Wahrscheinlichkeit auch darüber hinaus erhalten. Darüber laden wir alle Akteure, wie die Ärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung, die Universitäten und den Hausärzteverband, dazu ein, sich mit uns gemeinsam für moderne und attraktive Arbeitsbedingungen einzusetzen. Ich konnte in der vergangenen Woche auf der Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft mit Studierenden der Pflegewissenschaften und der Humanmedizin über ihre Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Podium diskutieren. Dort wurde von diesen beiden allen voran das Studium gelobt, aber der Wunsch nach mehr interprofessioneller Zusammenarbeit und nach einem wertschätzenden kollegialen Miteinander formuliert. Bei den beiden war Kommunikation gewünscht und auch das Zauberwort. Junge Ärztinnen und Ärzte wollen zudem oftmals nicht mehr alleine, sondern zum Beispiel in einer Gemeinschaftspraxis arbeiten. Hier müssen Wege gefunden werden, wie bisherige Einzelpraxen gemeinschaftlich geführt werden können, und Kooperationsmöglichkeiten müssen erleichtert werden. Auch kann durch vermehrte Praktika und Nachwuchsprogramme auf die Attraktivität des Hausarztberufes aufmerksam gemacht werden, damit Studierende hier Anknüpfungspunkte finden. Klar ist, dass wir uns weiter für die nachhaltige Sicherstellung der ärztlichen Versorgung einsetzen müssen. Ich habe skizziert, an welchen Stellen wir hier ansetzen sollten. – Ich danke Ihnen herzlich für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, DIE LINKE und Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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