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Barbara Becker-Hornickel

FDP 14.06.2023 Sitzungen 8/55

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ja, ich habe mir jetzt selbst Mut zugesprochen, dass meine Stimme hier noch durchhält. Erfolgsmodell Landarztgesetz. Wenn ich den Antrag richtig verstanden habe, und ich hoffe das, dann geht es jetzt nicht nur darum, Landarztquote, hier das Gesetz weiter auszuweiten, sondern diese Quote auch auf andere Fachgebiete umzulegen. Und ich denke, wir als FDP, wir haben durchaus immer so unsere Probleme mit den Quoten. Darum frage ich mich jetzt eigentlich, ist das wirklich alles ein Erfolg, wenn es nur über Quoten geht. Aber ich will dieses Gesetz nicht kleinreden. Das hat seinen Erfolg gebracht, jedenfalls, wenn man Ihnen so zuhört. Ich denke, es geht doch um die Versorgung im ländlichen Raum. Und unstrittig ist auch, dass es schwierig ist, die Praxen neu zu besetzen. Also ich habe letztens mit einem Landarzt gesprochen, der durchaus dieses Problem hat. Er sagt, ja, Landarzt ist nun wirklich kein Zuckerschlecken, die Entfernungen, die sie also zurücklegen müssen, auch viel Fahrtätigkeit, sagt auch selbst, ja, es ist schwierig, einen Nachfolger zu finden. Und insofern sage ich auch, okay, wir haben mit der Quote, wir haben die Bewerber für die Landarztpraxen. Aber so, wie ich das jetzt auch richtig gehört und verstanden habe, besetzt haben wir mit diesem Landarztgesetz, glaube ich, noch keine einzige Praxis. (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Können wir nicht.) Genau, so haben Sie es ja auch erzählt. (Zuruf von Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die sind erst, ich glaube, nach drei Jahren, wenn ich … (Torsten Koplin, DIE LINKE: Mehr.) Ja, gut, also richtig hingestellt. Und insofern denke ich, wir hatten dieses Thema schon einmal. Also ich habe meine Rede dort noch mal vorgekramt. Und die Frage war ja auch, warum können wir eigentlich die Praxen, nicht nur die Landarztpraxen, sondern auch Facharztpraxen im ländlichen Raum nicht so besetzen, wie es ja eigentlich durchaus einfacher im urbanen Raum ist. Und ich denke, bevor man mit Quoten arbeitet und nur mit Quoten arbeiten möchte, diese Quoten noch erhöht: Es ist doch auch ein schwieriger Schritt für junge Menschen. Die sind am Beginn eigentlich mit 20 Jahren. Sie sollen sich über 10 oder auch 15 Jahre ihres Lebens festlegen, wie es dann so geht. Nein, wir sollen … Es ist doch eine Möglichkeit. Aber wir sehen durchaus die Möglichkeit, die besprechen wir immer wieder: Was ist das Problem im ländlichen Raum? Das ist doch klar. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen. Ich kann das nur immer wieder betonen. Wir müssen Bedingungen schaffen, die einen Ansatz bringen, seine Praxis oder eine Praxis im ländlichen Raum zu erwerben, zu besetzen und auch aufzumachen. Wir müssen Möglichkeiten schaffen für eine bessere Vernetzung der Haus- und Allgemeinärzte mit Universitäten und untereinander, auch um weitere Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten offenzuhalten. Wir müssen Konzepte haben, dass wir auch dort die Aus- und die Weiterbildung mit der täglichen Arbeit in der Praxis insgemein bringen. Und die Attraktivität des ländlichen Raumes, das ist ja auch, wir müssen die Kinderbetreuung schaffen. Wir müssen Möglichkeiten schaffen, dass auch dort Wohneigentum in vielleicht etwas einfacherer Form erworben werden kann, um wirklich zu sagen, ja, ich will hierbleiben. Weil, was ist nach zehn Jahren, wenn die Bindungszeit abgelaufen ist? Wir wollen diese Menschen, Ärzte dort ja auch weiter behalten. Ich sage jetzt aus meiner persönlichen Erfahrung: Ich habe in einer Zeit studiert, ich musste mich verpflichten, mit 18 Jahren nach meinem Studium eine Tätigkeit aufzunehmen, die mir vorherbestimmt wurde. (Christine Klingohr, SPD: Ich auch.) Die wurde staatlich gelenkt, und das immerhin für drei Jahre. Ich war mit dem Studium fertig, da war ich 23 und hatte weiß Gott keine Lust. Ich sags, ich war vorgesehen für Sachsen. Das war für mich das Schlimmste, was mir eigentlich zustoßen konnte. (allgemeine Heiterkeit – Nikolaus Kramer, AfD: Das ist ja fremdenfeindlich.) Nein, das ist ja nur diese Erfahrung, darum habe ich diese Befindlichkeiten. Wenn jemand sich mit 20 Jahren sagen soll, so sieht mein Leben eventuell dann in 10 oder auch 15 Jahren aus, ist eine persönliche Erfahrung, die ich keinem weiter wünsche. Aber ich kann Sie beruhigen, aus diesem Zwang ist damals eine erfolgreiche Ehe hervorgegangen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Sehen Sie! – Nikolaus Kramer, AfD: Manche Leute muss man auch zu ihrem Glück zwingen.) Das war das Einzige, was mich vor dem Umzug in den Süden des Landes – damals war das noch Süden – bewahrt hat. Und wir wissen auch, dass der Anteil bei den Studenten, der jungen Frauen, die studieren, steigt. Und junge Frauen haben auch andere Ansprüche, (Zuruf von Stephan J. Reuken, AfD) ich habs gesagt: Kinderbetreuung. Man beginnt dann auch in einer bestimmten Zeit mit der Familienplanung. Sie wollen nicht alle mehr voll arbeiten. Auch das ist ein Problem bei der Besetzung dieser Landarztpraxis, mit dem ich dort gesprochen habe. Und ansonsten, das Problem ist klar. Wir haben gehört, dass auch daran gearbeitet wird. Das liegt in unser aller Interesse, die Praxen im ländlichen Raum zu besetzen, und, ja, auch durch Fachärzte. Ob das unbedingt nur die Quote sein kann, das sehe ich nicht so, aber sie ist ein Teil, die Quote ist ein Teil, wie man dieses Problem, … (Dr. Harald Terpe, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: So, wie ich gesagt habe.) Sehr gut, habe ich auch gut zugehört. … ist ein Teil, wie man zur Lösung des Problems durchaus beitragen kann. Aber wir werden uns als Fraktion zum Antrag der CDU enthalten. Den Antrag der AfD lehnen wir ab. (Beifall vonseiten der Fraktion der FDP)

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