Jutta Wegner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Kollegen! Nachhaltig zu leben und im Interesse künftiger Generationen zu handeln, ist zentraler Gründungsgedanke meiner Partei. Insofern treten Sie, werte Kolleginnen und Kollegen der Regierungskoalition, mit Ihrer heutigen Initiative bei der bündnisgrünen Fraktion natürlich grundsätzlich durch offene Türen. Trotzdem hinterfragen wir, ob der von Ihnen vorgeschlagene Weg ein optimales Vorgehen bedeutet. (Vizepräsidentin Beate Schlupp übernimmt den Vorsitz.) Sie wissen, Nachhaltigkeit ist kein Thema nur für ein Ressort, deshalb würden wir das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ gern als Teil einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie unseres Bundeslandes sehen. Eine solche Strategie fordern wir Bündnisgrüne schon lange. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Die Bundesregierung hat in Umsetzung der Agenda 2030 diese Strategie bereits erstellt. Andere Bundesländer sind ihr gefolgt, nur in Mecklenburg-Vorpommern warten wir auf ein solches ressortübergreifendes Vorgehen bislang vergeblich. Mit den wichtigsten Ergebnissen der Arbeit des Zukunftsrates – Sie hatten es schon erwähnt – haben Sie dafür eine hervorragende Grundlage. Machen Sie sich bitte endlich dessen Vorschläge für Ihr Regierungshandeln zu eigen! Auch wenn wir das grundsätzliche Vorgehen der Landesregierung zum Thema Nachhaltigkeit kritisieren, unterstützen wir selbstverständlich jegliche Aktivitäten, die die Prinzipien nachhaltigen Handelns in unserer Gesellschaft verankern. Eine Bildung für nachhaltige Entwicklung ist dabei ein zentrales Element, denn sie schafft die Voraussetzungen dafür, dass wir die komplexen Herausforderungen … (allgemeine Unruhe – Glocke der Vizepräsidentin) Danke schön! … des Klimawandels, dass wir den Schutz der Biodiversität und den Abbau sozialer Ungerechtigkeit mit interdisziplinärem Denken und Handeln angehen können. Dass Ihnen das kein Anliegen ist, liebe Kolleg/-innen von der AfD, das ist mir eigentlich schon von vornherein klar gewesen. (Enrico Schult, AfD: Doch, wir hören Ihnen zu, Frau Wegner. Da tun Sie uns jetzt unrecht.) Dafür braucht es Kompetenzen wie kritisches Denken oder Teamfähigkeit, die Überprüfung etablierter Denkmuster und Handlungskonzepte, die weit über die bisherige, rein schulische Wissensvermittlung hinausgehen. Bisher ist dieses themenübergreifende Lernen, ist diese themenübergreifende Kompetenzvermittlung in unserem Bildungssystem viel zu wenig präsent. Mit Nachhaltigkeit zu lernen, heißt eben nicht, einzelne Nachhaltigkeitsprojektwochen zu inszenieren, sich gelegentlich mit Umweltthemen zu beschäftigen oder einmal im Jahr Müll zu sammeln. Vielmehr braucht es eine Gestaltungskompetenz, die wir unseren Kindern von klein auf vermitteln müssen. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bereits in Kindergarten und Schule sollten die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen, nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Solidarität, Geschlechtergleichstellung oder Weltbürgerschaft als zentrale Werte vermittelt und gelebt werden. (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Constanze Oehlrich, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Genau, genau so.) Und auch bei den folgenden Bildungsstufen an den Berufsschulen, Hochschulen und bei allen Initiativen des lebenslangen Lernens sollten die Prinzipien der nachhaltigen Bildung Einzug halten. Deshalb ist die Konzentration des von Ihnen vorgeschlagenen Masterplans auf die Bereiche Kita und Schule aus unserer Sicht zu kurz gesprungen. Wenn wir uns anschauen, wer die Entwicklung der BNE in unserem Bundesland bisher getragen hat, dann möchte ich die vielen außerschulischen Initiativen, die vielen Bildungsinitiativen hervorheben, die schon ab Mitte der 90er-Jahre damals noch mit dem Fokus auf Umweltbildung und Entwicklungszusammenarbeit die Nachhaltigkeitsthemen voranbrachten. Ich denke da an die Arbeitsgemeinschaft Natur und Umweltbildung (ANU), an das Umweltbüro Nord Stralsund, an die Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit (GSE) in Rostock und die Akademie für Nachhaltige Entwicklung (ANE) in Güstrow. Sie und viele andere haben, unterstützt vom Umweltministerium, von der Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung und später auch vom Bildungsministerium, strukturierte Prozesse auf den Weg gebracht. Sie haben für Kita, Schule und Erwachsenenbildung passende Angebote entwickelt. Sie haben sich vernetzt und im Verbund der norddeutschen Bundesländer selbstorganisierte Qualitätsentwicklungsprozesse durchlaufen. Dafür gebührt ihnen großer Dank und Anerkennung, denn ohne dieses häufig auch ehrenamtlich geleistete Engagement wären wir beim Thema BNE noch lange nicht so weit, wie wir es heute sind. Diese Strukturen, diese Netzwerke brauchen unbedingt hauptamtlichen Personal, und deshalb unterstützt meine Fraktion den Ansatz, die notwendigen Kapazitäten zu schaffen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, auch wenn wir unsere Kritik an der fehlenden ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung zum Ausdruck gebracht haben, unterstützen wir trotzdem die in Ihrem Antrag vorgeschlagenen Punkte, bedeuten sie doch, dass wir wenigstens in einigen diesbezüglichen Handlungsfeldern vorankommen. Auch dem Änderungsantrag der CDU stimmen wir zu, auch wenn wir die Beschränkung auf Kindertagesstätten und Schulen für zu kurz gegriffen halten. (Torsten Renz, CDU: Mehr machen die ja auch nicht. Mehr machen die auch nicht.) Ja, habe ich aber auch gesagt, dass wir das für viel zu kurz halten. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Ja. Auf jeden Fall ist es aber richtig, eine Berichtsfrist an den Landtag festzuschreiben und auch die Fraktionen des Landtages in die Arbeit der Arbeitsgruppen einzubeziehen. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall vonseiten der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
