Simone Oldenburg
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Warum hat es früher mehr geschneit? Warum steigt der Meeresspiegel? Wie kommen Plastikabfälle und Zigarettenkippen in die Bäuche von Fischen? Und was geschah auf den Osterinseln? All diese Fragen kommen nicht von ungefähr. Die Fragen und auch die Antworten sind durch Menschenhand, durch unser Handeln und das der vorherigen Generationen aufgeworfen und zu verantworten. Das, was wir mal im Überfluss hatten, ist inzwischen oft Rarität geworden. Wir haben es verlernt zu haushalten, dort bescheiden zu sein, wo es knappe Ressourcen erfordern. Wir haben mehr verbraucht, als wir haben. Ob strenge Mülltrennung, CO -Einsparung, mangelnde 2 Recyclingverantwortung, der Umgang mit unseren Wäldern und Meeren, das alles waren oft viel zu lange Worthülsen, nicht ernst gemeinte, sondern lediglich vermeintliche Anstrengungen. Wir alle glaubten, der Kelch würde an uns vorübergehen, würde uns nicht betreffen. Wir alle hatten weder die nachwachsenden Rohstoffe noch die nachwachsenden Generationen verantwortungsbewusst im Blick. Das Ergebnis einer verschwenderischen Verantwortungslosigkeit sind die Osterinseln. Die weltweit bekannten monumentalen Steinköpfe auf den Osterinseln sind ein Synonym für den Untergang einer Gesellschaft, weil die Bewohner ihre eigene Lebensgrundlage vernichtet haben, denn nach Ansicht einiger Forscher liegt der Grund für den Zusammenbruch der Kultur der Osterinseln darin, dass ihre Einwohner alle Bäume auf der Insel gefällt haben. Dadurch erodierte zum einen der Boden und zum anderen konnten sie ohne die Bäume keine Fischerboote mehr bauen. In religiöser Übersteigerung wurden immer größere Statuen aufgestellt und deshalb noch mehr Bäume gefällt, die dazu dienten, die Statuen zu bewegen. Dadurch verschlimmerte sich die Krise auf den Inseln, bis sie sich in einem internen Krieg entlud. Die Menschen starben durch ihr eigenes Handeln. Sie haben sich ihres Lebens beraubt. Sehr geehrte Damen und Herren, vermutlich wäre den Osterinseln ihr Schicksal erspart geblieben, wenn den Bewohnern die Endlichkeit der Ressourcen bewusst gewesen wäre, wenn sie gewusst hätten, dass sie sich das Leben nehmen. Das Beispiel der Osterinseln verdeutlicht, dass es keine Rhetorik ist, keine Schwarzmalerei, sondern dass die Endlichkeit unserer Umwelt zum Greifen nahe ist. Auch deshalb ist die Erarbeitung des Masterplans für nachhaltige Entwicklung eine drängende Aufgabe, die jede und jeden in die Pflicht nimmt, Verantwortung für unser Leben und das der folgenden Generationen zu tragen. Mecklenburg-Vorpommern steht aber hier längst nicht am Anfang einer Entwicklung. Wir sind nämlich mittendrin. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen. Seit mehr als 20 Jahren führen wir gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung und dem Landwirtschaftsministerium den Wettbewerb „Umweltschule in Europa – Internationale Nachhaltigkeitsschule“ durch. Circa 50 Schulen, darunter die Grundschule „Am Mühlenteich“ in Rostock oder auch die Grundschule Dargun, genauso die „Schule am See“ in Satow, ringen alle zwei Jahre um die Umweltsterne. Sie bearbeiten in diesem Zeitraum jeweils zwei Themen, um ihre Schule eben zu einer Umweltschule zu entwickeln und die Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell fest zu verankern. Im Mittelpunkt des aktuellen Zyklus stehen der Klimaschutz, die Klimabildung sowie der nachhaltige Konsum als ökologische und soziale Verantwortung. Ein weiteres Beispiel ist die Stiftung „Kinder forschen“. Sie kooperiert in unserem Bundesland mit elf Institutionen, die als Netzwerkpartner ihr Fortbildungsangebot allen Kitas in Mecklenburg-Vorpommern, über 96 Prozent der Horte und mehr als der Hälfte der Grundschulen bereitstellen können. Zu unseren Partnerinnen und Partnern zählen unter anderem das DRK Forscher-Netzwerk oder „Die Platte lebt“ e. V. Wir haben durch diese engagierte Zusammenarbeit bisher über 1.400 aktive und zertifizierte Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern. In unserem Bundesland gibt es 40 verschiedene Umwelt-Kitas, Wald-Kitas, Bauernhof-Kindergärten, Naturkindertagesstätten und sechs Acker-Kitas. Darüber hinaus haben sich neun Kindertageseinrichtungen an dem vom Bildungsministerium geförderten Modellprojekt „Kita 2023 – Nachhaltigkeit erleben. Zukunft gestalten“ auf einen sehr individuellen Weg begeben. Sie haben eine einrichtungsspezifische Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet, die genau das mit einem bunten Strauß von Maßnahmen beschreibt, was Nachhaltigkeit ist, ein Querschnittsthema. Diesen Kitas verdanken wir natürlich in enger Zusammenarbeit mit unseren Kitareferaten die Handreichungen „Kita-Management nachhaltig gestalten“ sowie „Naturerfahrung und Bildung für nachhaltige Entwicklung im pädagogischen Alltag integrieren“. Sehr geehrte Damen und Herren, Sie sehen, wir sind mittendrin. Nun gilt es, diese verschiedenen Einzelmaßnahmen weiter miteinander zu kombinieren, weiterhin planvoll die Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln und in einem Masterplan zusammenzuführen. Dafür könnte dann schon der Fachtag „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Türöffner für interkulturelle Wertschätzung in Kita und Schule“ am kommenden Sonnabend an der Volkshochschule hier in Schwerin ein weiterer Schritt sein. (Zuruf von Torsten Renz, CDU) Und an dieser Stelle möchte ich im Sinne der Nachhaltigkeit meine Ausführungen beenden, (Zuruf von Torsten Renz, CDU) denn jede ungedruckte Papierseite spart circa 200 Milliliter Wasser, zwei Gramm CO und zwei Gramm Holz. – 2 Herzlichen Dank! (Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)
