Hannes Damm
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete der demokratischen Fraktionen! Ich habe mir gedacht, nachdem es ja vorhin Kommentare gab, Zahlen sind irgendwie schwierig und woher kommt das alles, mal ein paar Sachen jetzt hier auszurechnen mit Ihnen zusammen. (allgemeine Heiterkeit – Zuruf von Philipp da Cunha, SPD) Warum mache ich das? Weil ja bei so einer Wasserstoffstrategie, da gehört ja auch dazu, sich mal über Technologien zum Beispiel zu unterhalten: Was wollen wir? Was brauchen wir? Was macht Sinn? Rausgenommen habe ich mir das Beispiel Wasserstoffheizungen oder Wärmepumpe. Wenn Sie eine Luftwärmepumpe haben – so, das ist das, was am meisten verbaut wird –, hat man so eine Jahresarbeitszahl von 2,6. Das bedeutet, aus einer Kilowattstunde machen Sie 2,6 Kilowattstunden Wärme, also aus einer Kilowattstunde Strom. Bei der Elektrolyse von Wasserstoff, also Umwandlung von Strom in Wasserstoff, hat man einen Wirkungsgrad von 65 Prozent. Die Brennstoffzelle macht aus dem Wasserstoff mit 70 Prozent Wirkungsgrad wieder Strom und zuletzt eine Wasserstoffheizung – also die Verbrennung von Wasserstoff – eine Kilowattstunde Wasserstoff. (David Wulff, FDP: Nicht so schnell! Ich schreibe mit, Herr Lehrer. – Heiterkeit bei Nikolaus Kramer, AfD) Na, das können Sie im Protokoll nachlesen oder sogar online nachschauen. (David Wulff, FDP: Ich muss aber drauf reagieren.) Eine Kilowattstunde Wasserstoff geht dann in 95 Prozent Wirkungsgrad in Wärme über. (Thore Stein, AfD: Das ist gut.) Wenn wir jetzt also eine Wasserstoffheizung haben, die wir mit Wasserstoff betreiben, den wir aus Strom generieren, haben wir also eine Kilowattstunde Strom, machen daraus 65 Kilowattstunden Wasserstoff – ne, 65 Prozent Wirkungsgrad – und dann mit 95 Prozent Wirkungsgrad Wärme, das heißt, aus einer Kilowattstunde Strom am Ende 0,6 Kilowattstunden Wärme. Wenn wir jetzt das gleiche Prinzip anwenden: eine Kilowattstunde Strom, daraus einen mit einem Wirkungsgrad von 65 Prozent Wasserstoff, den dann speichern zu können – weil oft kommt ja der Kommentar, den Wasserstoff brauchen wir, wir können den Strom ja nicht speichern, den erneuerbaren, wenn der mal nicht da ist, müssen wir trotzdem heizen, also machen wir daraus erst mal Wasserstoff. Dann nehmen wir diesen Wasserstoff wieder und machen daraus Strom, sind wir bei – mit dann der Elektrolyse und der Brennstoffzelle 70 Prozent und 65 Prozent –, bei 0,46 Kilowattstunden Strom, von dem einen Kilowatt, das wir vorher hatten. Dann nehmen wir aber unsere tolle Wärmepumpe und wenden den tollen Faktor von 2,6 an, diese Jahresarbeitszahl. Dann haben wir plötzlich 1,18 Kilowattstunden Wärmepumpe aus demselben erneuerbaren Strom gemacht, bei dem wir in der Nutzung der Wasserstoffheizung nur 0,6 Kilowattstunden Wärme rauskriegen. Das bedeutet also, doppelt so viel Wärme in unserem Haus, wenn wir den Weg über die Speicherung von Wasserstoff gehen. Ist also eine gute Sache, in Wasserstoff zu investieren, aber trotzdem Wärmepumpen einzubauen, wenn man das alles über Wasserstoff machen muss. (Zuruf von Wolfgang Waldmüller, CDU) Häufig ist es so, die erneuerbaren Energien, das heißt, der Strom kann direkt in Wärme umgewandelt werden. Denn meistens gibt es, wenn man Wärme braucht, auch erneuerbaren Strom. Viele wissen nicht, im Winter erzeugen wir viel mehr erneuerbaren Strom als im Sommer. Das liegt daran, dass im Winter eben der Wind häufig besser weht und wir mehr Windenergie ausgebaut haben, jedenfalls im Moment. Dann kommen wir nämlich ganz schnell dahin, dass wir uns diesen Weg über die Elektrolyse sparen können und dann, statt diesem ganzen Umweg, gleich den Faktor 2,6 anwenden können von unserer Wärmepumpe, um aus dem Strom, eine Kilowattstunde, 2,6 Kilowattstunden Wärme zu machen. Und dann, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben Sie im Vergleich Faktor 4, dann haben Sie viermal so viel Wärme in Ihrem Haus mit demselben Strom, wie wenn Sie daraus Wasserstoff machen und den dann verbrennen. (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Reden Sie jetzt gegen die Wasserstofftechnologie?) Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren von der AfD, das lohnt sich, weil viermal so viel Strom, den Sie kaufen müssen, bedeutet auch viermal so hohe Betriebskostenabrechnungen. Und dann habe ich ja gehört – heute, diese Woche, in der Debatte schon –, wollen Sie eigentlich gerne auch keine Erneuerbaren bauen, sondern Atomstrom benutzen. Wenn man jetzt Atomstrom benutzt, der ist so Faktor 2 bis 3 teurer in den Gestehungskosten als erneuerbare Energien, das Speichern an der Stelle gar kein Problem – wir sind ja über den Wasserstoffpfad gegangen –, dann haben Sie am Ende einen acht- bis zwölfmal höheren Preis, um Ihre Bude zu heizen. Insofern ist es klug, … (Thomas de Jesus Fernandes, AfD: Nee, nee, nee, das ist eine Milchmädchenrechnung. Da kommen noch die fantastischen Zahlen des Endlagers.)
